Bremen so gesehen

Bremen ist  eine lebenswerte Stadt. Weniger erfreulich sind hingegen teilweise die Politik des amtierenden Senats, die aus meiner Sicht insgesamt unzulängliche Arbeit der Opposition und der zuweilen eingeschränkte Blick der Medien auf das Geschehen.

Stern-/Nannen-Preis für RB-Brebau-Berichterstattung - wirklich ein Grund zur Freude? - (24. 6. '22)

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Bravo, Tusch, Gratulation: „butenunbinnen“, Regionalmagazin von Radio Bremen, hat in dieser Woche den Stern-Preis (bis vorige Woche noch nach dem Ex-Chef Henry Nannen benannt) „Lokales“ erhalten. Fanfaren empor.
Wirklich?


Hej, liebe Leserrinnen und Leser, wenn ich ehrlich bin, schlagen da zwei Herzen in meiner Journalisten-Brust: Lokaler Stolz, dass RB den doch sehr renommierten Preis ergattert hat - aber auch ungläubiges Staunen. Das stellt sich nämlich ein, wenn man sich mit dem „Fall“ intensiver befasst.

Also, Positiv-Denker, ab hier: bloß nicht weiterlesen!


Umfassend-Interessierten verspreche ich: Es wird spannend.

Das Gute vorweg. Radio Bremen waren im vorigen Jahr Unterlagen zugespielt worden, die den Kollegen vermutlich den Mund vor lauter Überraschung haben offenstehen lassen. Was für eine Hammer-Geschichte. Da behauptet eine (vermutlich) ehemalige Brebau-Mitarbeiterin, die städtische Wohnungsgesellschaft schließe Schwarze, Ausländer, Kopftuchträgerinnen usw. von der Vermietung aus. Und,  unbestritten: Brebau-Mitarbeiter mussten verdeckt für jeden potenziellen Mieter ein Profil anlegen, in dem unter anderem Hautfarbe, sozialer Status, Kopftuch-Trägerin etc. vermerkt wurde. 


Die RB-Kollegen haben sich einen tollen Weg ausgedacht, die Brebau zu „überführen“. Sie schickten vier junge Männer (Frage an das RB-Genderbeauftragte: Warum nicht auch Frauen?) los, die bei der Brebau mieten wollten. Zwei weiße Deutsche, einen Farbigen und einen mit ausländischem Namen. Respekt: Toller Versuchsaufbau. Das Ergebnis: Zwei Deutsche erhielten umgehend Zusagen, die beiden anderen laut RB nicht. Der Dunkelhäutige und der „Ausländer“ sprachen nacheinander mit Dackel-treuem Blick in die Kamera: „Die anderen kriegen eine Wohnung, ich aber nicht.“

Boah ej, das ist der Stoff, aus dem man Empörungs-Geschichten stricken kann.


Radio Bremen veröffentlichte die Story in „butenunbinnen“, brachte sie bei „Panorama“ unter. Brebau-Aufsichtsratschef, Finanzsenator Dietmar Strehl (Grüne), ließ sich - noch vor der Prüfung der Fakten - zu der Formulierung hinreißen: „Eine unsäglich beschämende Geschichte“. CDU und FDP witterten  d i e  Chance und versuchten, die vier AR-Senatsmitglieder Strehl, Bovenschulte, Vogt und Schaefer als Aufsichtsversager zu brandmarken.


Jedoch, und jetzt wendet sich das Blatt, der von Strehl eingesetzte Gutachter Prof. Matthias Stauch, kam zu einem erstaunlich anderen Ergebnis als die Radio-Bremen-Kollegen.

Der RB-Aussage („Die Brebau schließt Schwarze und Kopftuchträgerinnen gezielt von der Wohnungsvergabe aus“) stellte sich Stauch gleich mehrfach entgegen. Und schrieb Fakten in seinen Abschlussbericht, über die - meines Wissens - bis heute nicht berichtet wurde.


Der Jurist besorgte sich alle Unterlagen. Danach haben alle 232 Bewerber, die Stauch in den Unterlagen mit dem Profil Schwarz (E40 genannt) oder Kopftuch fand, von der Brebau Wohnungen erhalten!

Stauch ermittelte ferner, dass mittlerweile 46,1 Prozent der aktuell 5.775 Brebau-Mieter und Mieterinnen Ausländer oder Personen mit migrantischem Namen sind.

Stauch in seinem Gutachten: „Ein Anhalt auf eine darauf bezogene Diskriminierung ergibt sich aus diesen Zahlen nicht. Ganz im Gegenteil.“

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat Stauch auf Anfrage mitgeteilt, die Zusammenarbeit mit der Brebau sei „besonders positiv“, auch von der AWO betreute Schwarze hätten allesamt Wohnungen erhalten.

Matthias Stauch, gewissenhafter Jurist, wollte schließlich noch erfahren, was es mit den vier Test-Mietern von „butenunbinnen“ auf sich hatte - also mit den zwei nicht-berücksichtigten Ausländern.

Und, wenn Sie diese Passage lesen, liebe Leserinnen und Leser, bleibt Ihnen jetzt womöglich der Mund ob des großen Erstaunens offenstehen. Versprochen!


Kandidat 1, „mit ausländisch klingendem Namen“. Erstes online-Gesuch, 8. April 2021,… Interessent fragt am 26.4. nach. Und jetzt kommt’s: „Angebot Manteuffelstraße am 26.4.2021, 12.00 Uhr per mail versandt, k e i n e Nachfrage bei Hauswart zur Besichtigung.“ Die Brebau laut Stauch in ihren Unterlagen: „Es gibt keinen Grund, einem guten Interessenten - wie diesem - diese Wohnung vorzuenthalten.“ Nur, leider leider, er hat sich nicht beim Hauswart gemeldet


Kandidat 2. Ich zitiere ausführlich, damit Sie, geneigte Leserschaft, sich ein eigenes Bild machen können. Brebau: „Erstes (Miet-)Gesuch am 12.4.2021 (per) Homepage: 3 Zimmer in Borgfeld; kein Angebot, da kein Bestand. Zweites Gesuch am 14.4.2021 Homepage: Aumund (Nord), Findorff, Neustadt (Mitte) Oslebshausen (West), Sebaldsbrück (Süd). Wo will der Herr wohnen? Sehr unausgegorenes Gesuch, Angebot ergibt nur nach Rücksprache einen Sinn. Aufgrund der Miethöhe eher in einem teureren Stadtteil ein Angebot (Findorff), hier sehr kleines Angebot, ca. 370 WE. Kein telefonischer Kontakt von uns oder ihm zur Konkretisierung des Wunsches.“


Dieses lange Zitat stammt aus den Akten der Brebau. Es beweist: Die Brebau hat sich bei dem Test-Mieter nicht gemeldet, weil seine Wünsche offenbar völlig unbestimmt waren. Mehr aber nicht. Und es beweist: Der Test-Mieter hat nicht nachgehakt, geschweige denn, sich bei der Brebau-Beschwerdestelle gemeldet. 


Prof. Matthias Stauch hat dann noch etwas gemacht, wovon Sie liebe Leserinnen und Leser, nach meinem Kenntnisstand bis heute nichts erfahren haben. Er hat in seinem Gutachten auf das „Wohnraumförderungsgesetz“, § 6, hingewiesen. Und wissen Sie, was darin steht?


Ich zitiere Stauch: „Ziele sind „die Schaffung und Erhaltung sozial stabiler Bewohnerstruktur; die Schaffung und Erhaltung ausgewogener Siedlungsstrukturen sowie ausgeglichener wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Verhältnisse…“

Diese Ziele dürfen ungeachtet des „Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) angewandt werden, wenn  „ein Konzept für die weitere Entwicklung der Bewohner- und Siedlungsstruktur des jeweiligen Stadtteils erfolgen…


Erinnern Sie sich noch an Osterholz Tenever, dessen miese Zustände (jeder gegen jeden, zerstörte Briefkästen, defekte Fahrstühle, Dauer-Randale) vor Jahren mit Millionen-Summen zum Guten gewendet wurden, indem nach der General-Brutal-Sanierung u.a. bei der Neu-Vermietung auf die passende soziale Mischung geachtet wurde?


Zum Schluß: Die Brebau hat unter dem Strich einen fatalen Fehler begangen. Sie hat die Profile (Aussehen, Kopftuch, sozial-auffällig etc) festgehalten, ohne die Bewerber darauf hinzuweisen. Auf diesen Fehler - und nur darauf - hat sich die Datenschutzbeauftragte des Landes Bremen gestürzt und der Brebau ein Bußgeld in Höhe von 1,9 Millionen Euro übergebraten. Ob diese Summe irgendwann auf die Mieten umgelegt wird - mal schauen. Die Datenschützerin wird das Geld übrigens nicht in ihr Amts-Budget kriegen. Sondern es wird - Ironie des Schicksals - in der Staatskasse (von Finanzsenator und  Dietmar Strehl) landen. Bin mal gespannt, ob irgendwann  irgendwer doch mal der Frage nachgeht, ob dies eine „verdeckte Gewinnausschüttung“ zugunsten des Landes ist.


Die Radio Bremen Kollegen sind auf ihre Erfolge verständlicherweise stolz. ARD-Fernsehpreis, Stern-Preis, empörte Politiker, empörte Öffentlichkeit - schafft man als Journalist nicht alle Tage.

In ihrem ersten Beitrag zu dem Thema texteten die RB-Kollegen: „Da (bei der Brebau; Anm. von mir) herrscht keinerlei Unrechtsbewusstsein vor.“ 


Frage: Gibt es bei Radio Bremen inzwischen vielleicht ein klitzekleines schlechtes Gewissen wegen der - aus meiner Sicht - völlig überdrehten Story? Oder deckt der Stern-Preis alles zu?  


Liebe Leserinnen und Leser, die Sie jetzt so tapfer durchgehalten haben: Ich hoffe, dass ich Ihren Blick auf diese „Geschichte“ ein bisschen weiten konnte.


Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller      

Geno-Chefin Dr. Dorothea Dreizehnter - so informativ kann ein Interview von Radio Bremen sein - (21. 6. '22)

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A c h t u n g: Heute mal ein etwas anderes „Bremen so gesehen“. Überwiegend lobend! Uff, das gibt’s. Und dabei geht’s um das (bisherige) Dauer-Fass-ohne-Boden, die Gesundheit Nord, den städtischen Klinikverbund mit seinen vier Krankenhäusern.

Ein guter Kumpel hatte mir vor geraumer Zeit den durchaus freundschaftlich gemeinten Rat gegeben: Schreib auch mal was Positives, sonst giltst du bald bloß als Quengelkopp. Mein Freund Georg blieb mir leider wochenlang die Antwort schuldig, was er denn meine.


Alles muss man aber auch selber machen


Genug des Herumblödelns. Nach Rückkehr aus dem Urlaub (ham  Sie gar nicht gemerkt?!) hab ich am Wochenende bei „Buten un Binnen“ auf der Website herumgerstöbert - und habe etwas außerordentlich Interessantes gefunden. Ich rate Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dringend, ein Interview vom 18. Juni 2022 anzuschauen, dass BuBi-Kollege Felix Krömer mit der Chefin der Gesundheit Nord, Dr. Dorothea Dreizehnter geführt hat. Lassen Sie sich nicht von der einstündigen Dauer abschrecken. 


Die Geno-Frau bringt darin viele Fakten ruhig, sachlich, klar verständlich - und keineswegs wie ein Zahlen-Roboter - rüber. Spricht über Ursache und Wirkung. Macht deutlich, dass der Gesellschafter (nämlich Bremen) das (nachvollziehbare) Ziel aufgestellt hat, die Geno dürfe ab Mitte des Jahrzehnt keine roten Zahlen mehr schreiben.


Für schnelle Nachrichten-Konsumenten hier eine Zusammenfassung der Aussagen:


Die Küchen der vier kommunalen Kliniken sind renovierungsbedürftig. Idee: Aus vier mach eine, angesiedelt im Klinikum Mitte. Die Zentralisierung senke die Kosten.

Sterilisation der OP-Bestecke; Idee: Statt die „Bestecke“ weiter an vier Standorten zu bearbeiten, Zentralisierung in Mitte.

Ausbildung von Pflegepersonal, Therapeuten und anderen: Gründung einer zentralen „Bildungsakademie“ auf dem Mitte-Gelände. Folge: Modernisierung und Kosten senken.

Geburten: Konzentration in Mitte. Am 6. Juli werden dort sechs neue Kreißsäle eröffnet. Die Geburtshilfe im Haus Links der Weser wird geschlossen. Am Klinikum Nord bleibt eine Geburtshilfe samt kleiner Kinderklinik erhalten.

Die Zukunft des Herzzentrums am Standort Links der Weser ist noch ungeklärt. Das LdW muss grund-saniert, oder aber gänzlich eingestellt werden. Die Herz-Sparte könnte in Mitte mit dem „verwandten“ Gefäßchirurgischen Zentrum zusammengehen. Außerdem existiert in Mitte bereits die Stroke-Abteilung (Schlaganfälle).


Zum Thema Herzzentrum mochte sich Dorothea Dreizehnter im Gespräch mit Felix Krömer noch nicht festlegen. Das Thema müsse man wohl überlegen und abwägen, welche Lösung am besten passe.

Dazu kommt, dass „Herz“ und „Gefäße“ in Mitte nur dann zusammengehen könnten, wenn dafür ein neues Gebäude gebaut würde. Dafür wiederum, so erfuhr „Bremen so gesehen“, müsste ein Teil des Geländes von der städtischen Grundstücks-Vermarktungsfirma zurückgekauft werden.


Genau überlegen und abwägen, so Dreizehnter, müsse man auch die Möglichkeit, weitere 450 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus den Bereichen Küchen, Logistik und andere in eine Geno-Dienstleistungs-Tochter (außerhalb des öffentlichen Dienstes) auszugliedern. 500 Ex-Geno-Leute sind bereits in der Tochter.

Dreizehnter machte deutlich, dass sie dieses Sparpotenzial (inklusive Arbeitgeberanteilen angeblich rund 5 Millionen Euro) zu Papier gebracht habe, nachdem der von Bremen besetzte Aufsichtsrat geforderte hatte, alle Einsparmöglichkeiten zu benennen.


Dr. Dorothea Dreizehnter kommt als Chefin der Geno sehr authentisch rüber. Als der Kollege ihr versehentlich das Verdienst zuschreiben wollte, mit allen Bremer Krankenhäuser am Tisch zu sitzen, um herauszufinden, welche Doppel-, Drei- oder Mehrfachstrukturen existieren, wies sie freundlich, aber bestimmt darauf hin, dass diese Initiative von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) ausgegangen sei. Boah, tolle Managerin. Hat es nicht nötig, sich mit fremden Federn zu schmücken.


Und um das - nach meiner jüngsten Kritik an den Linken - auch  zu sagen: Claudia Bernhard verdient sich ein besonderes Sternchen am Revers, wenn diese von ihr in Gang gesetzten Gespräche am Ende auch darin münden, dass die medizinischen Angebote in der Stadt sinnvoll geplant werden (ohne den Wettbewerb um die besten Leistungen abzuschaffen).


Leider hat sich Bernhard zwischendurch einen blöden Ausrutscher geleistet. Als Geno-Verdi-Leute vor ihrem Sitz gegen eine mögliche Ausgliederung von 450 Menschen in eine Tochter-Firma demonstrierten, wollte sie diese zum benachbarten Finanzsenator Dietmar Strehl (Grüne) schicken, um dort ihren Frust loszulassen.

Sie hat sich mittlerweile dafür entschuldigt.


Was man wissen muss: Bernhards spezielles Leid besteht darin, dass die Betriebsräte der vier kommunalen Kliniken stark von den Linken durchsetzt sind. Und, dass diese Damen und Herren Bernhard auf jedem Linken-Parteitag teilweise regelrecht quälen.


Dorothea Dreizehnter ist - so viel zum Schluss - eine offenbar unerschrockene Frau. Als es im Gespräch mit Felix Krömer um das Riesen-Problem ging, Pflegepersonal für die Krankenhäuser zu finden, appellierte die 56-Jährige an die Medien, Pflege doch bitte nicht immer nur im Zusammenhang mit Problemen und (angeblich) schlechter Bezahlung darzustellen. Und als clevere Kommunikatorin half sie dem Journalisten über die Klippe, indem sie sagte, dies sei ein gesellschaftliches (und eben nicht bloß ein mediales) Thema.

  

Soweit Inhalte aus dem - wie gesagt - sehr sehenswerten Interview.

Sie finden es hier:


https://www.butenunbinnen.de/videos/exklusiv/interview-geno-dreizehnter-kroemer-bremen-100.html 


Zum Schluss noch von meiner Seite ein paar Fakten zur Geno

Aktuell sind rund 8.000 Menschen in der kommunalen Gesellschaft beschäftigt. Der Umsatz beträgt rund 730 Millionen Euro. 2020 (letzt vorliegender Geschäftsbericht) gab es 2.795 Betten in den vier Häusern. Es wurden über 100.000 Patienten behandelt. Die anfangs aufgeführten Investitionen hätten einen Umfang von fast einer halben Milliarde (490 Millionen) Euro. Abzüglich der staatlichen Investitionssummen, Ersparnisse und Erlöse aus Grundstücksverkäufen bliebe eine Finanzierungslücke von rund 200 Millionen Euro. Eine Mördersumme!


Munter bleiben!


Herzlichst ihr as

Axel Schuller



Die Bremer Linken sind für ihre Koalitionspartner leider zu clever - mit fatalen Folgen - (19. 6. '22)

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Die Bremer Linken sind für die Koalitionäre von SPD und Grünen zu clever. Jetzt haben sie - sehr rechtzeitig vor der nächsten Wahl im Mai 2023 - den nächsten Coup gelandet.

Die beiden Frontfrauen - Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt und Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard - werden die Linken-Liste anführen. Sau clever! Die beiden sind nämlich die einzigen Zugpferde, die bei einer ganze Reihe von Bremern ankommen. Der Rest der Truppe - der aber halt zwangsläufig mitgewählt wird - sorgt für die Inhalte der Partei. Und diese sind zuweilen himmelschreiend komisch bis blöd - also, aus meiner Sicht jedenfalls.

Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, Lust und Zeit, sich einmal mit dem ideologischen Unterbau der beiden überwiegend angesehenen Senatorinnen zu beschäftigen?

Los geht’s. 

Dass wir in Bremen eine teil-rekommunalisierte Müllabfuhr mitsamt Gebührenerhöhungen - je nach Haushaltsgröße - von mehr als 30 Prozent haben, verdanken Sie den Linken. Die hatten vor der vorigen Wahl 2019 der SPD mehrfach gedroht, ein Volksbegehren zur kompletten Verstaatlichung anzuzetteln. Und: Wir Wahlvolk, das muss man zugegeben, denken ja nicht so häufig intensiv über derartige Volksbegehren nach. 


Beispiel Berlin: Da hatte der rot-rot-grüne Senat einen Mietendeckel beschlossen. Den hat das Bundesverfassungsgericht zwar gekippt. Nun darf sich der neue   Senat mit einem Volksbegehren „Enteignung der Wohnungsunternehmen“ herumschlagen. Sage und schreibe 59 Prozent der Berliner Wählerinnen und Wähler hatten sich für die Vergesellschaftung ausgesprochen. Ich vermute, überwiegend aus dem Bauch heraus. 

Zum besseren Verständnis: Eine staatliche Mieten-Deckelung oder gar Enteignung kann man in Staaten wie der DDR (wo die Linken aus meiner Sicht ja ihren geistigen Ursprung haben) beschließen - und später als Land mit Pauken und Trompeten untergehen. In der Bundesrepublik Deutschland ist dies aber grundgesetzlich undenkbar. Zum Glück. 

Die neue Berliner Bürgermeisterin hat sich jetzt - vermutlich zur Ablenkung - den nächsten Unfug ausgedacht: Maximal ein Drittel der Einkommen dürfe/solle für die Miete ausgegeben werden müssen.

Wir Wahlvolk, ausgestattet mit einem groooßen Gerechtigkeitssinn, finden das zunächst zumindest überlegenswert. Aber: Wie soll das funktionieren, z.B. bei Lohnerhöhungen, Lohnsenkungen etc.? Werden dann die Mieten erhöht, oder gesenkt? Wer kontrolliert und steuert das? Aber, Glück gehabt: Noch gilt das Grundgesetz weiterhin auch in Berlin.


Zurück zu den Bremer Linken

Die treten in der Koalition unter anderem (teilweise auch noch erfolgreich) ein für: Höheren Landes-Mindestlohn (13 statt 12 Euro), Ausbildungsabgabe, Aufnahme von deutlich mehr Flüchtlingen aus der Welt, Recht auf Quittung bei Kontrolle durch die Polizei sowie gegen: Sondervermögen zugunsten der Bundeswehr, gegen Ausgliederung von Krankenhaus-Dienstleistern in kostensparende neue Firmen, und und und.

Liebe Leserrinnen und Leser, ich sehe Sie gerade förmlich vor mir. Ja, was hat der Herr Autor denn nun schon wieder gegen höhere Mindestlöhne, gegen die Ausbildungsabgabe, gegen viele neue Flüchtlinge? Ist doch alles gerecht

Ja, alles ist toll. Aber, bitte vergessen Sie nicht, dass alles bezahlt werden muss.

Thema Mindestlöhne. Nur ganz kurz, darüber hatten wir uns ja bereits im Blogstück „Themen zum Wundern“ vom 6. Juni 2022 unterhalten. Allgemein höhere Mindestlöhne bedeuten zum Beispiel auch, dass Ihre Zeitung, Ihr Spargel, Ihre Erdbeeren etc. teurer werden. 


Beispiel Spargelbauern: Die müssen künftig 12 statt 9,82 Euro  zahlen. Spanische Konkurrenten brauchen bloß knapp über 6 Euro für ihre Arbeitskräfte zu berappen. Was glauben Sie, wie sich das 2023 auf den Preis für deutschen Spargel auswirken wird? 

Und: Die Spargelstecher dürfen nicht mehr nach Leistung, sondern müssen nach der auf dem Feld verbrachten Arbeitszeit bezahlt werden. Hatten die Arbeiter früher ein Elektronik-Teil um den Hals, die jeweils bei Abgabe ihrer Spargelmenge die Arbeit registrierten (ja, das entsprach einer Leistungs-Kontrolle), wird jetzt nur noch die Zeit gemessen und bezahlt. Einzige Abwehrmöglichkeit verplemperter Zeit auf dem Feld: Einige Spargelbauern verdonnern ihre Saison-Kräfte inzwischen, die Handys in den Unterkünften zu lassen, damit nicht zu viel Zeit auf dem Feld nebenbei verdaddelt wird. Glauben Sie nicht? Fragen Sie nach!

Bei Zeitungsträgern das gleiche Übel. Früher wurde die verteilte Zahl der Zeitungen (plus Aufschlag bei vielen Beilagen je nach Gewicht) bezahlt, heute: Nach Zeitaufwand des Trägers. Und: Zeitvorgaben dürfen nicht gemacht werden.

Es lebe die Welt-Fremdheit der Politik!


Zurück zu den Bremer Linken. Die haben sich (zusammen mit einigen Realitätsfernen in der SPD) auch den Irrsinn der bundesweit ersten Ausbildungsabgabe ausgedacht. Gibt’s sonst nirgendwo in Deutschland. Das allein wär ja schon bemerkenswert genug. Aber der Oberklopfer kommt jetzt:

Die Firmen buhlen inzwischen mit Geschenken (i-Pad), Antrittsgebühren (und bald womöglich mit Dienstwagen) um Auszubildende. Es gibt deutlich mehr Lehrstellen als potenzielle Lehrlinge. In dieser Situation will unser Ländchen eine Ausbildungsabgabe einführen. Irre, oder?  


Kurzer Blick in unsere geliebte Heimatzeitung Weser-Kurier: Die hat vor einigen Tagen über die Not der Firmen berichtet, Azubis zu finden. Aber glauben Sie, die Autorin hätte in diesem Zusammenhang auch nur ein Wort zur angestrebten Ausbildungsabgabe verloren? Wenigstens kamen Betriebe zu Wort, die kritisierten, Bewerbern seien mittlerweile Begriffe wie Pünktlichkeit und Höflichkeit fremd. Im Kommentar schob die Autorin dann die Bringschuld an die Betriebe weiter: „Die beste Werbung für ein Unternehmen ist eine hervorragende Ausbildung über drei Jahre - mit echten Perspektiven.“ Na, Danke schön aber auch! Dass Schulen die jungen Frauen und Männer endlich besser auf den Übergang ins Berufsleben vorbereiten müssen - kein Wort! 

Wie kann man als Chefredaktion ein solches, unvollständiges Traktat bloß auf die Titelseite schieben? Wer - bitte, bitte - kann mir diesen Stuss erklären?


Liebe Leserinnen und Leser, Sie haben es garantiert schon  bemerkt: Ich finde, dass die Linken in Bremen einen viel zu großen Einfluss haben. Das kann zum Glück im kommenden Mai geändert werden. Hoffentlich, bevor sie den ticketfreien ÖPNV durchgesetzt haben. Die Kosten sollen nämlich auf alle Grundsteuer-Pflichtigen abgewälzt werden - also alle Eigentümer und Mieter; somit auch auf jene, die den ÖPNV gar nicht nutzen


Die Linken sind übrigens auch die Bremser, wenn es am Bahnhof darum geht, Bürger und Bürgerinnen vor der Dauer-Anmache durch Trunkenbolde, sich asozial verhaltenden Kreaturen und Junkies zu bewahren.


Munter bleiben!


Herzlichst Ihr as

Axel Schuller 

"Übergewinnsteuer" - unglaublich viel Wind und vermutlich keine Folgen in der Realität - (16. 6. '22)

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Herrgottsack noch ä mol“ - liebe norddeutsche Leserinnen und Leser, keine Bange! Es geht heute nicht badisch weiter, aber: Gerade noch ein paar Stunden in Deutsch-Süd-West, wie ich immer die badische Heimat meiner Frau verulke, und ich denke: Das kann doch nicht wahr sein. Auf Antrag von SPD, Grünen und Linken hat sich die Bremische Bürgerschaft jetzt  ernsthaft mit der Übergewinnsteuer für - ja für wen eigentlich? - beschäftigt. Und das, nachdem der Senat bereits vorige Woche eine entsprechende Initiative im Bundesrat gestartet hatte (Wofür bitte die Aktuelle Stunde in der Bürgerschaft, wenn die Regierung bereits aktiv geworden ist?). Welche Sonder-Profiteure sollen denn neben der Mineralölindustrie mit der Sondersteuer erfasst werden? Waffen-Hersteller, Übergewinnler wie zurzeit Siemens, oder wer? 


Was ist von alledem zu halten? Ich hoffe, ich kann Ihnen im Folgenden ein paar Fakten an die Hand geben, damit Sie nicht umgehend der Bremer Populär-Politik der rot-grün-roten Regierung erliegen.


Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte (SPD) war kürzlich als Ideengeber der sogenannten Übergewinnsteuer an die Bühnenrampe getreten. Geniale Aktion: Bundesweit sprangen alle Medien und viele Politiker auf das Thema an. Ist ja auch riesig ungerecht: Die Bundesregierung beschließt, den Mineralölkonzernen drei Monate lang 30 Cent pro Liter verkauftem Sprit von der anfallenden Steuer zu erlassen, damit die Autofahrer in der Folge beim Tanken um genau diese Beträge entlastet werden. Das haben die üblen Konzerne aber nicht gemacht. Die Bösen haben an den meisten bisherigen Geltungstagen weniger als die 30 Cent pro Liter erlassen.


Vorab: Wie naiv kann sich eine Bundesregierung eigentlich noch anstellen? Selbst wenn die Konzerne jetzt die vollen Beträge erlassen (und sich vom Bund erstatten!) ließen, wäre es noch immer ein blendendes Geschäft für sie. Die Multis hatten früh von den Regierungsüberlegungen Wind bekommen und ihre Preise bereits frühzeitig in die Höhe geschraubt. Das sehr lesenswerte Portal „Media Pioneer“ hat beobachtet: Die Spritpreise waren von 1,70 Euro zu Jahresanfang bis auf 2,50 Euro kurz vor Beginn des „Tankrabatts“ am 1. Juni gestiegen. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem das Bundeskartellamt bereits feststellte: „Wir sehen seit Monaten eine Entkopplung von Rohölpreis und Raffinerie- beziehungsweise Tankstellenpreis.“

Man kann es auch anders sagen: Die Multis haben bereits seit Jahresbeginn Sonderprofite eingefahren und sich ein Riesen-Polster angelegt.


So, dies zur Ausgangsbasis. Und dann kam unsere Bundesregierung vermutlich aufgrund göttlicher Eingebung auf die Idee, die Bürger drei Monate lang um 30 Cent pro Liter zu „entlasten“. Die Kosten in Höhe von etwa DREI MILLIARDEN Euro tragen die Regierenden. Haha! Nein, die Zeche übernehmen alle Steuerzahler und Steuerzahlerinnen.


Und unsere Bremer Rot-Grün-Roten verfielen jetzt auf die wunderbare Idee, die Multis mit einer Sondersteuer zu bestrafen. Die müssten für ihre „Übergewinne“ zahlen.

Wie werden diese Übergewinne rechtssicher berechnet? Und wo? In Deutschland, wo die Multis einen Mini-Bruchteil ihrer Umsätze und Gewinne versteuern? Große Konzerne wie Esso machen in Germanien keine übermäßigen Gewinne, weil die in Deutschland registrierten Vertriebsfirmen teuer bei der Mutter in Ami-Land einkaufen müssen. Ein großer Batzen - wie von Shell - wird im EU-Ausland, jedenfalls nicht in Deutschland „versteuert“. Und was machen die Finanzämter, wenn Konzerne wie Shell ihre Verluste in Höhe von angeblich fünf Milliarden Euro durch aktuelle Abschreibungen in Russland dagegenrechnen? Ist der deutsche Fiskus dann auch für eine „Untergewinnsteuer“ zuständig?


Das ganze Übel ist aus meiner Sicht durch zwei Maßnahmen zu bekämpfen: Das Kartellamt muss in derart konzentrierten Branchen wie der Mineralölkonzerne in die Lage versetzt werden, preis-"bewachend" tätig zu sein. 

Außerdem haben wir wahrlich eine Bundesregierung verdient, die auf einen solchen Unsinn wie Tankrabatte (übrigens von der FDP angezettelt) verzichtet. Wenn die Regierung die Menschen schon von den irre gestiegenen Energie-Preisen für Gas, Öl, Sprit und Strom entlasten will, dann bitte so, dass alle etwas davon haben. Zum Beispiel auch Rentner und Studies. Die schauen beim Energiegeld nämlich noch immer in die (leere) Röhre. Ach ja, um den Kampf gegen die Inflation könnten sich die Herrschaften allmählich auch gerne mal kümmern - und der EZB Beine machen.


Der Tankrabatt jedenfalls gehört wegen Naivität der Regierenden zu verboten


Bürgermeister Andreas Bovenschulte kann sich den Coup ans Revers heften, eine bundesweite Debatte entfesselt zu haben. Inhaltlich wird die Initiative meiner Ansicht nach nix bringen. Selbst wenn die „Übergewinnsteuer“ eingeführt würde, gäben sich die jetzt schon frech-dreist agierenden Multis damit bestimmt nicht zufrieden. Deren Juristen fänden garantiert einen Weg, sich das vom Staat eingezogene Geld notfalls auf Umwegen in zeitlichem Abstand wieder bei uns, den Verbrauchern, zurückholen.



Liebe Leserinnen und Leser, sorry dass ich mich jetzt doch mal wieder ein Stück weit auf Bundesterrain begeben habe. Aber die staatliche Heuchelei und vor allem die Unbeholfenheit geht mir einfach auf den Zeiger!

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Und nun muss ich noch ein Stück weit Abbitte leisten: Im vorigen Blog-Stück hatte ich Bremen zu Posemuckel erklärt und Bürgermeister Andreas Bovenschulte vorgehalten, er hätte endlich mal Führungskraft beweisen sollen. Durch ein „Ja“ zum „Bundeswehr-Sondervermögen“ im Bundesrat. Notfalls auch gegen seine Linken-Koalitionäre. Dies hätte, so haben mich Juristen aufgeklärt, keine Bremer Ja-Stimmen für das „Sondervermögen“ gebracht, sondern einfach - keine


Offen gesagt: Ich trage das Grundgesetz nicht ständig um den Hals. Dieses sieht aber - laut Auslegung des Bundesverfassungsgerichtes - eine gesplittete Stimmabgabe eines Landes  nicht vor. Soweit das Rechtliche.

Politisch, meine ich freilich weiterhin, hätte es schon gelohnt, die Linken vorab in Bremen in die Schranken zu weisen. Auch, wenn der Koa-Vertrag das am Ende gewählte Verfahren vorsieht, dass alle mit Enthaltung kuschen, sobald einer der Partner sein Veto einlegt. Bremen hat die Enthaltung in der bundesweiten Wahrnehmung nicht zum Ruhm gereicht.


Munter bleiben!


Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller 


 

Bremen, oder doch lieber Posemuckel? Fremdschämen für Abstimmung und manch anderen Unsinn (11. 6. '22)

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Mann, Mann - in welchem „Bundesland“ leben wir in Bremen eigentlich? Sollten wir es vielleicht besser in Posemuckel umbenennen. Dann fiele es bundesweit nicht mehr so auf. Manchmal, liebe Leserinnen und Leser, denke ich: Es wäre besser so. Dann müsste man sich auch nicht mehr schämen, wenn man Bremen als seinen Wohnort angeben würde.

Wie ich zu dieser defätistischen Einschätzung komme? Na, schauen Sie mal.

Bremen hat am Freitag dem alten Leitsatz eines früheren, klugen  Bürgermeisters zuwidergehandelt, wonach Bremen sich im Bund stets so verhalten solle, dass die Mehrheit der Länder die Existenz des kleinsten Gliedes, nämlich Bremens, als Vorteil empfinde. 

Bei der Abstimmung im Bundesrat über das „Sondervermögen“ von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr hat sich „unser“ Bundesland enthalten, weil die Linken das so wollten. 

Anna Fischer, blutjunge Co-Vorsitzende der Linken in Bremen (Anfang 20), blähte sich auf Twitter freudig erregt auf: „Die links regierten Bundesländer enthalten sich…“ Was bildet sich diese  junge Frau eigentlich ein? „Die links regierten“… wohl eher „mitregierten“ - und das ist schon schlimm genug!


Also, Bremen hat sich enthalten. SPD und Grüne haben sich an den Koalitionsvertrag gehalten, wonach ein Nein einer der drei Koalitionäre zur Enthaltung des Landes führt. Zur Erinnerung: Das 100-Milliarden „Sondervermögen“ soll dazu dienen, Deutschland  wieder wehrhaft zu machen. Nicht, um eine gut ausgerüstete Armee bis zu den Zähnen zu bewaffnen. Um im Bild zu bleiben: Die Bundeswehr hat seit längerem kaum noch Zähne. Aber, die Damen und Herren Linken, wollen einfach nicht kapieren, dass „ihr“(?) Herr Putin ein - aus meiner Sicht - Mörder und Kriegsverbrecher ist. Soll Putin nach der Ukraine anschließend in Polen und dann vielleicht in Deutschland einmarschieren, um seine feuchten Weltmachts-Träume zu erfüllen? Sollen wir dann einfach zugucken? Und die Linken schwenken am Brandenburger Tor rote Fähnchen?


Wie wäre es gewesen, Herr Bürgermeister Bovenschulte, den Linken Trupp gepflegt auflaufen zu lassen, im Bundesrat mit Ja zu stimmen - und mal zu schauen, was die Linken dann machen? Diese Putin-Versteher hätten doch die Koalition verlassen können. Wäre ne schöne Neuwahl geworden.

Mit Feigheit ist das Bundesland Bremen noch nie weit gekommen. Also, leider: Posemuckel!


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Weiteres Beispiel, keine Bange jetzt wird’s wieder radikal lokal!

Posemuckel, sorry, Bremen verfügt über so viele soziale Brennpunkte, dass einem schon ganz schwindelig werden kann. Klar, dass in den betreffenden Schulen dieser Gebiete besonders viele und engagierte Lehrerinnen und Lehrer eingesetzt werden müssen. Werden aber nicht, weil die studierten Damen und Herren - menschlich nachvollziehbar - am liebsten neben ihrem Häuschen und dazu in besseren Wohngegenden unterrichten. Aber: In sozialen Brennpunkten fehlen teilweise bis zu einem Viertel aller Lehrer. Und jetzt kommt der Ober-Hammer: Die Behörde versetzt Lehrer m/w nicht dorthin, wo sie besonders gebraucht werden. Nein, so viel Zwang ist an der Weser verpönt. 


Beispiel aus Hessen: Polizisten, Lehrer und Co sind Landesbeamte. Die werden, wenn nötig, von Kassel nach Frankfurt (193,1 Kilometer) oder umgekehrt versetzt. Ist nicht schön, manchmal aber notwendig. Und wir in Bremen kriegen es nicht gebacken, Lehrer von Schwachhausen nach Grohn (Sie wissen schon: Der Dünen-Teil von Vegesack) zu versetzen? Irgendwie eben Posemuckel!

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Ein Radweg, für den besseren Klang „Premiumroute“ getauft, soll unter anderem über den Wall, durch die Neustadt und zurück zur Tiefer führen. Ist so was wie ein Herzsanliegen der Grünen. Ist leider speziell auf dem Wall zwischen Tiefer und Herdentorsteinweg - sorry - blanker Schwachsinn. Die Leute radeln nämlich mehrheitlich durch die Wallanlage, nicht direkt an oder auf der Straße. Das ficht unsere grandiose Noch-Umweltsenatorin aber nullkommanix an. Das ganze Teil sollte 3,9 Millionen Euro kosten. Schon ne amtliche Summe. Jetzt kommt’s: Die Baumaterialien sind so teuer geworden und die Baufirmen verlangen plötzlich mehr Geld, so dass unter dem Strich plötzlich fast 8 Millionen Euro fällig werden. Und diese Baubehörde entblödet sich nicht, oberdreist zu erklären, „wir können das stemmen“, schließlich übernimmt der Bund ja 90 Prozent der Mehrkosten. 

Liebe Leserinnen und Leser, nur damit Sie auch verstehen: Bundesmittel sind keine Steuergelder, sondern diese Scheine wachsen in Berlin auf einer ganz besonderen Teil der Botanik, nämlich dem Lindner-Baum

Wie kaputt kann eigentlich die Denke noch sein?


Liebe Leserinnen und Leser, passen SIE jetzt bitte ein bisschen auf mich auf. Ich bin gerade in der Gefahr, in strafrechtlich relevante Verbal-Zonen vorzudringen. 


Aber, diese Sicht, alles halb so wild, der Bund - das weit entfernte, dauerhaft melkbare Wesen - übernimmt das schon, macht mich allmählich kirre. Leute, Bundesgelder sind Steuermittel, die wir alle zuvor an die Staatskasse abgeführt haben. 


So, „om“, runterkommen, Blutdruck auf Normalniveau absenken, weitermachen:


Ich hoffe inständig, dass wenigstens einer der Bremer Bundestagsabgeordneten - Staatsministerin im Kanzleramt Sarah Ryglewski (SPD), Uwe Schmidt (SPD), Thomas Röwekamp (CDU), Kirsten Kappert-Gonther (Grüne) oder Volker Redder (FDP) - das nötige Kostenbewusstsein haben und die Mehrausgaben für das zweifelhafte Radweg-Projekt in Berlin thematisieren. Der Bund der Steuerzahler könnte sich da auch um die Bundeskasse verdient machen.

By the way: Weser-Kurier und Radio Bremen haben über diese Wahnsinns-Kosten-Steigerung berichtet. Das war’s. Die Regierenden von SPD, Grünen und Linken brauchen sich wirklich nicht um ihre Wiederwahl zu sorgen…

Fazit: Posemuckel!

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Ach ja, und dann hat der Senat in dieser  Woche kraftvolle Beschlüsse zum Klimaschutz gefasst. Solle, habe, hätte. Diese Polit-Mannschaft ist schon nen echter Kracher. Da werden jährlich Ziele beschlossen, die verfehlt man gnadenlos. Also beschließt man einfach wieder neue Ziele. Nächstes Jahr das gleiche Spiel? Und unsere Leit-Medien - vielleicht auch Leid-Medien? - berichten sachlich darüber als wär das alles nix. Das war’s dann aber auch. Ein bisschen Regierung, ein bisschen Opposition, Alle dürfen ihre Häppchen feilbieten. 

Aber wo bleibt (natürlich im übertragenen Sinn) ein Tim Mälzer des Journalismus, der das Gericht infrage stellt, es auseinandernimmt

Die Leser und Zuschauerinnen haben doch nur eine Chance, den Wert der Beschlüsse und der Kritik daran nachzuvollziehen, wenn ihnen jemand bei der Einordnung der Fakten zur Seite steht


Herrgott nochmal! Den wollte ich in meinem Blog nie bemühen, aber mir fällt spontan kein anderer Helfer ein.

Fazit: Posemuckel!

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Da ich schon bei der bösen Kollegen-Schelte bin: Am Mittwoch las ich im Weser Kurier einen Kommentar, der mir (fast) die Fußnägel hochgeklappt hat. Da pflasterte ein hochrangiger Redakteur den Platz oben auf Seite 2 mit folgenden gedankenschweren Äußerungen zu: Bremens beabsichtigte Verbote von Atomtransporten über Bremer Häfen, Affenversuche in der Uni und exotischen Tieren in Zirkussen seien zwar allesamt vor Gericht gescheitert. Aber der Senat habe trotzdem sinnvoll gehandelt, weil er ja auf diese Weise gesellschaftliche Debatten angestoßen habe. Ah ja. Experten hatten den Senat in allen drei Fällen - insbesondere bei der Änderung des Hafenbetriebsgesetzes - vor den juristischen Fallstricken gewarnt. 


Jedoch: Der politische Wille (man kann auch Ideologie sagen) war stärker. Und die Gerichtsverfahren samt extrem teurer anwaltlicher Vertretung haben ja auch nix gekostet… 

Offen gesagt: Ich hätte mir gewünscht, der ohnehin eingeschränkte Kommentar-Platz wäre an diesem Tag genutzt worden, um sich dort beispielsweise dem Unsinns-Radweg und der irren Mehrkosten zu widmen.

Woran mag es bloß liegen, dass mir leider schon wieder  Posemuckel in den Sinn kommt?


Munter bleiben!


Herzlichst ihr as

Axel Schuller



Hamburgs Bildung wird besser, die Bremer nicht. Warum? Ein Beispiel aus dem richtigen Leben(8. 6. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser, ich warne Sie vorsichtshalber mal vor: Heute müssen Sie nämlich echt tapfer sein. Für Empfindsame: Legen Sie sich ein paar Papier-Taschen-Tücher zur Seite.

Heute geht’s um die Bildung. Und was man besser machen könnte, es aber nicht tut. Es ist - gelinde gesagt - zum Heulen.


Bremen will eine Ausbildungsabgabe einführen, liefert den Betrieben aber Schüler, denen es sogar an den Grundfertigkeiten mangelt. Ja, und dazu gehören auch so Basics wie Pflichtbewusstsein (pünktlich am Ausbildungsplatz zu erscheinen). Gelte jetzt vermutlich als total uncool. Kenne aber das richtige Leben, liebe Wirklichkeits-Theoretiker.


Zur Einstimmung - und damit Sie nicht denken, ich würde maßlos übertreiben - zitiere ich aus Unternehmer-Leserbriefen. Da schreibt einer: „Die Ausbildung an den Schulen hat so stark nachgelassen, dass viele Unternehmen nicht ausbilden, weil sie keine Zeit haben, die mangelhafte schulische Ausbildung auszugleichen.“ Es fehle „nicht nur an Mathematik-Kenntnissen, sondern an elementarem Grundwissen… Die Schulbehörde hat darauf mit unsinnigen Projekten, wie keine Noten, kein Sitzenbleiben, Abschaffung von Haupt- und Realschulen reagiert.“ 

Ein anderer Unternehmer merkt an: „Die Bremer Kandidaten scheitern fast immer an sehr einfachen Dreisatz-Aufgaben. Deswegen stellen wir vornehmlich Niedersachsen ein.“ 


Bremens Bildungspolitiker haben dafür stets zwei Antworten parat: „Wir tun ja alles Erdenkliche, aber die hohe Zahl von Schülern mit migrantischem Hintergrund und aus armen Haushalten machen halt alle Bemühungen zunichte.“


Auf diese feige - ja, weil seit Jahrzehnten benutzte - eigentlich schon freche Ausrede gibt es spätesten jetzt eine Antwort. Und die ist zugleich eine schallende Ohrfeige für Bremens Bildungspolitiker. Noch schlimmer: Diese Antwort kann fast vor der Haustür bestaunt und nachgemacht werden. In Hamburg existiert eine Grundschule, die es geschafft hat, die bereits von Haus aus Abgehängten fit zu machen. 


Liebe Leserinnen und Leser, reagieren Sie jetzt bitte nicht wie viele Bürgerschaftsabgeordnete m/w/d in meiner aktiven Zeit als Parlaments-Berichterstatter, wenn es in der Bürgerschaft um das Thema Bildung ging: Flucht aus dem Plenarsaal hinüber in die Lobby: schnacken, telefonieren, rauchen (dafür müssen die Armen mittlerweile vors Gebäude gehen). Also, bleiben Sie bitte bei mir. Es lohnt sich. Nicht nur, weil es um die Zukunft unserer Gesellschaft geht.


In Hamburg existiert eine Schule in einem sozialen Brennpunkt. Davon haben wir in Bremen bekanntlich mehr als uns lieb ist. In dieser Hamburger Grundschule in Kirchdorf (Teil von Wilhelmsburg, nahe der A1 Raststätte Stillhorn) haben 90 Prozent der Kinder einen migrantischen Hintergrund, rund 50 Prozent der Familien leben von staatlicher Unterstützung.

Kommt Ihnen bekannt vor? Ein Bremer Lehrer berichtet beispielsweise auf „LinkedIn“ von seiner 5. Klasse in einem Bremer sozialen Brennpunkt: Alle Kinder haben einen Migrationshintergrund, kommen aus ca. 80 Nationen, ca. 2/3 der Familien bekommen staatliche Hilfen. Wir sehen: Hamburg ist in Bremen. Mit einem Unterschied: Die Bildungsbehörde in Hamburg kümmert sich um die Weiterentwicklung der Bildung. In Bremen ist es dagegen - einfach zum Heulen.


Falls Sie, geneigte Leserinnen und Leser, jetzt keinen Bock mehr haben, meine Nacherzählung zu lesen, empfehle ich Ihnen die Lektüre eines Artikels. Der hat mich regelrecht angerührt. „Was Kinder an Brennpunktschulen wirklich brauchen“; erschienen im SPIEGEL Nr. 21/2022. Die Überschrift ist verheißungsvoll: „Lesen, ordnen, fordern“.


So, für jene, die noch Lust auf meine grobe  Zusammenfassung der Infos haben: In der Schule Kirchdorf hat eine regelrechte Leistungs-Explosion stattgefunden. Und  das - wie ich finde - dank relativ einfacher Mittel. Mit der Folge, dass mittlerweile Kinder aus direkt benachbarten Mittelklasse- (und noch besser gestellten) Haushalten in dieser einst verpönten staatlichen Grundschule angemeldet werden.


Das Rezept der „Musterschule“ grob zusammengefasst: Die Grundschulzeit wird um ein Jahr ausgedehnt - nach vorn, also vor den vier Schuljahren wird zur Schul-Vorbereitung eine Vorklasse eingeführt. Morgens um 8.50 Uhr ist Lesezeit in allen Klassen. Jeweils 20 Minuten lang. Durchs bessere Leseverständnis steigern sich die Kinder im Fach Rechnen - klar, sie kapieren die Aufgaben besser.

Alle Lehrerinnen und Lehrer haben Mini-Xylofone (groß wie ne Tafel Schokolade). Sobald störende Unruhe in den Klassen aufkommt, streichen die Pädagogen über die „Schokolade“. Und: Augenblicklich kehrt Ruhe ein. Alle Kinder sitzen stets auf ihrem festen Platz. Auf den Tischen liegt nur das, was gebraucht wird. Jacken hänge an den Garderoben - und nur dort. Mülleimer sind geleert, die Fenster sind stets geputzt. Wer etwas sagen möchte, meldet sich und spricht, wenn ihm das Wort erteilt ist. Ich weiß, klingt total spießig, wirkt aber.


Weiterer Kern des Konzepts: Alle Lehrerinnen und Lehrer besprechen haarklein, wie sie auf „Vorkommnisse“ reagieren. Alle gleich! Das fördert laut dem hoch-engagierten Schulleiter die Verlässlichkeit. Ordnung und Routine - heißt es in dem SPIEGEL-Artikel - vermittelten den Kindern Sicherheit. Erziehungswissenschaftler erklären weiter. Es gäbe nichts Verheerenderes als ständig wechselnde Regeln. Eine Regel ist beispielsweise, dass die Lehrkräfte von ihren Schülern mit einem „Guten Morgen“ begrüßt werden. 

Die Hamburger Pädagogen m/w schwören auf den neuen Weg. Deshalb gibt’s auch kein Murren, dass die Klassenzimmer-Türen stets offen sind und Kollegen und Schulleiter stets hören können, ob’s - wie geplant und besprochen - läuft

Ich vermute, dies ist die Basis des Projekts: Lehrer und Lehrerinnen machen sich frei von der Individualisten-Denke, die Lehrkräfte häufig gerne pflegen. 


Und jetzt das Dollste: Das neue Konzept geht auf. Die Kinder schaffen deutlich bessere Leistungen, ihr Weg ins Leben wird sich leichter gestalten. Die alte ur-sozialdemokratische Lehre, wonach jeder alles werden kann, scheint in Hamburg in Erfüllung zu gehen. Inzwischen arbeiten an der Elbe 40 Schulen nach diesem Konzept, das ich natürlich nur sehr unzureichend darstellen konnte. Sonst wäre es ein Doppel- bis Dreifach-Blog geworden.


Liebe Leserinnen und Leser, ich merke gerade, wie mir das Herz aufgeht. Konnte ich Ihren Appetit wecken, auf eine neue, zukunftsweisende Art der Schule? Bei Interesse: Besorgen Sie sich genannten SPIEGEL-Artikel. Sie werden Ihre Freude daran haben.


Den bislang aufgrund ihrer Herkunft abgehängten Kindern wäre schon geholfen, wenn sich die zuständigen Bremer Bildungspolitiker - bitte, bitte - einmal mit diesem Bildungs-Ansatz beschäftigen würden. Und endlich den Willen aufbrächten, das eigene (erfolglose) System ohne jedes Tabu auf den Prüfstand zu stellen.


Sollten die Dienstfahrten nach Hamburg zu teuer sein (geht per 9-Euro-Ticket), melden Sie sich bitte übers Kontaktfeld meiner Seite. Ich initiiere dann eine Spendenaktion. Ehrlich. Ich wünsche mir so sehr, dass die unzähligen benachteiligten Kinder unserer Stadt endlich eine Chance für die Zukunft erhalten. Dass dies keine Utopie ist, macht uns Hamburg eindrucksvoll vor.


Bleiben Sie munter!


Herzlichst 

Ihr as

Axel Schuller  

Bonus-Material: Presseerklärung der Hamburger Schulbehörde zu neuen Bildungsplänen -   (8. 6. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser, nachdem ich mich so ausführlich mit dem neuen Hamburger Weg in der Grundschul-Bildung beschäftigt habe, und Sie so ausdauernd dabei geblieben sind, liefere ich Ihnen - UND den Bremer Bildungspolitikern - noch etwas Bonus-Material: Eine Presseerklärung des Hamburger „Senators für Schule und Berufsbildung“, Ties Rabe (SPD), die am 1. Juni veröffentlicht wurde. Und in der stehen einige Überraschungen, die - so meine Befürchtung - auf Bremen ebenfalls zutreffen. (Das Hervorheben durch Fetten stammt von mir - damit Sie sich nicht umgewöhnen müssen) :-))


Also, bitte sehr:


PRESSEERKLÄRUNG der hamburgischen Bildungsbehörde, 1. Juni 2022:


Wir dürfen uns beim Thema „Leistung“ nicht wegmogeln“


Hamburgs Schulsenator Ties Rabe wirbt für die neuen Bildungspläne

 

„Schulsenator Ties Rabe hat in der Hamburgischen Bürgerschaft für die neuen Bildungspläne geworben: „Hamburgs Schülerinnen und Schüler haben sich in den letzten elf Jahren im bundesweiten Vergleich Schritt für Schritt verbessert. Diese Leistungssteigerung basiert auf einer Schulpolitik, die den Unterricht verbessert und Leistung klug und umsichtig fördert und fordert. Gute Bildung und Leistung gehören untrennbar zusammen. Das ist manchmal unbequem, aber richtig – und vor allem ist es sozial gerecht. Die neuen Bildungsplanentwürfe setzen diese erfolgreiche Politik fort.“

 

Rabe stellte klar: „Wir werden uns nicht damit abfinden, dass Hamburger Schulabgänger in bundesweiten Vergleichen zwar aufgeholt haben, aber noch immer im Mittelfeld stecken. Wir werden uns nicht damit abfinden, dass zu viele Schülerinnen und Schüler bei Bewerbungsprüfungen an Rechtschreibtests scheitern, im Studium abgehängt werden, keinen Ausbildungsplatz finden oder nach Klasse 4 so schlecht lesen, dass sie schon am Schulbuch scheitern. Diese Ungerechtigkeiten beenden wir nicht, in dem wir Leistungsstandards bekämpfen, Klausuren weglassen und uns bei bundesweiten Prüfungen wegmogeln.“

 

Rabe weiter: „Wir wollen unsere Schülerinnen und Schüler auf das Leben in und auf eine Teilhabe an unserer Leistungsgesellschaft besser vorbereiten. Mit den neuen Bildungsplänen werden wir unsere Kinder und Jugendlichen liebevoll und klug fördern – und fordern. Für Kinder ist es ein großes Glück, wenn sie sich weiterentwickeln können, über sich hinauswachsen und neue Horizonte erreichen. Es macht Freude, Neues zu lernen und die eigene Wissbegier und Neugier zu entdecken. Leistung mag anstrengend sein, aber sie macht großen Spaß und öffnet die Zukunft. Darum geht es in unseren neuen Bildungsplänen.“

 

Erstmals werden deshalb die von der Kultusministerkonferenz vorgegebenen bundesweiten Bildungsstandards auch in den Hamburger Bildungsplänen berücksichtigt. Erstmals wird verbindlich geregelt, welche Themen in allen Schulen im Unterricht aufgegriffen werden sollen. Zudem sollen künftig weniger Klausuren ausfallen und ersetzt werden, die Rechtschreibung soll besser geübt und die Digitalisierung im Unterricht umgesetzt werden. Es geht aber auch um soziale Orientierung: Das Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und das Thema eines gelingenden Zusammenlebens mit Werten wie Toleranz, Gleichberechtigung und Solidarität zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bildungspläne.

 

Rabe stellte aber auch klar: „Wir haben jetzt Entwürfe vorgelegt. Es sind gute Entwürfe. Aber es sind Entwürfe. Nichts ist in Stein gemeißelt. Wir haben über 150 Verbände zum Dialog eingeladen und um Verbesserungsvorschläge gebeten. Wir wollen diesen Dialog. Und wir werden mit Sicherheit auch Verbesserungsvorschläge übernehmen. Aber wir werden uns nicht abbringen lassen von unserem Ziel, Hamburgs Kinder und Jugendliche mit einer guten und anspruchsvollen Schulbildung auf das Leben in und die erfolgreiche Teilhabe an unserer Gesellschaft bestmöglich vorzubereiten. Und nach den Erfahrungen mit unseren bisherigen Bildungsreformen bin ich sicher, dass wir in zwei Jahren rückwirkend sagen: Eigentlich war es genau richtig.“

 

Weiter geht’s in der Presseerklärung der Hamburger Behörde.


„Hintergrund:

Die Überarbeitung der Bildungspläne war von SPD, Grünen, CDU und FDP im Rahmen des sogenannten „Schulstrukturfriedens“ einvernehmlich beschlossen worden. Das einvernehmliche Ziel war es, erstmals auch klare Inhalte für den Unterricht festzulegen und dadurch die bisherige abstrakte „Kompetenzorientierung“ mit klareren Vorgaben zu ergänzen. Entsprechend dieses Beschlusses hat die Hamburger Schulbehörde im März Entwürfe für neue Bildungspläne vorgelegt, die vor allem die neuen bundesweiten Standardvorgaben der Kultusministerkonferenz für alle Bundesländer auch in Hamburg berücksichtigen. Eingeflossen sind unter anderem auch Empfehlungen führender bundesdeutscher Bildungswissenschaftler, die in der Hamburger Mathematik-Expertenkommission Verbesserungsvorschläge für Unterricht und Klausurenpraxis erarbeitet hatten.“


Meinungsteil des Blogs „Bremen so gesehen“:


Boah, so ticken die in Hamburg. Warum geht in Bremen nicht, was an der Elbe möglich ist? Dazu von einem sozialdemokratischen Schulsenator angeschoben. So einen benötigen wir in Bremen

Vermutlich müsste dieser Mensch auf einen Schlag den kompletten Apparat der Bildungsbehörde (also nicht die Lehrerinnen und Lehrer) von jetzt auf sofort in den Ruhestand versetzen. Bloß raus, weg von den entscheidenden Hebeln der bremischen Bildungspolitik! Würde ein irres Geld kosten, wäre aber unterm Strich bestimmt günstiger als mit den derzeit vorhandenen Apparatschiks weiter herumzustümpern. Die Hauptprofiteure wären unsere KINDER, aber auch Ausbildungsbetriebe und die ganze Gesellschaft!


So, liebe Leserinnen und Leser, spontan denken Sie jetzt vielleicht: Völlig durchgeknallt, der Schuller. Nein, bin ich nicht. Ich denke bloß, die Bremer Bildungspolitik muss radikal anders werden. Ansonsten versündigen wir uns an den Kindern der Stadt - und bleiben bei Vergleichstests Dauerträger der roten Laterne. Wollen wir das? 


Munter bleiben!


Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller


P.S.: Wer die komplette Rede des Hamburger Schulsenators lesen möchte (doppelt so lang wie seine Presseerklärung, aber eben auch ausführlicher) kann sich gerne (via „Kontakt“ auf meiner Website) bei mir melden. Ich schicke Ihnen den Text dann zu.

 

Themen zum Wundern: Uni-Zwangs-Umsiedlung / Mindestlohn bedroht Spargel-Bauern / Bremer Unikat: Zwangs-Abgabe für Betriebe -   (6. 6. '22)

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Pfingstmontag, „Dank“ Feiertag keine Tageszeitung in Bremen. Keine Bange: „Bremen so gesehen“ hilft Ihnen durchs Tal der Tränen! :-)) 


Jetzt ernsthaft: Liebe Leserinnen und Leser, da sitzt man die Woche über morgens gemütlich beim Kaffee und liest: Zeitungen gedruckt und elektronisch - und dann prasseln die Themen fast schon wie ein Sturzregen auf einen ein. Ging Ihnen das an den vergangenen Tagen auch so? Haben Sie Lust, dass wir uns mal eben austauschen?


Also, los geht’s! Die Universität soll mit einem Teil in die Ex-Sparkasse am Brill ziehen. Das hat sich der Senat in den Kopf gesetzt. Ich frag mich: Was soll die Aktion, außer dem Sterben der City entgegenzuwirken? Manchmal ist es ganz gut, einen Blick zurück zu werfen. Erinnern wir uns: Die Sparkasse ist Ende 2020 an die Uni gezogen, um - so die offizielle Lesart - dort ein offenes Arbeits- und Personal-Konzept realisieren zu können. Und: Um näher am IT-Potenzial der Generation Zukunft zu sein. Zwecks gegenseitiger Befruchtung und so. Tatsächlich ist die Sparkasse aber auch dem energetisch unterirdisch schlechten Gebäude (größtenteils jedenfalls) entflohen: Marode Bausubstanz, die Wärme wird zu den Fenstern und durch die Mauern raus geheizt.


Die Idee der neuen Eigentümer, am Brill alles bis aufs historisch Wertvolle wegzuhauen und einen gewissen Daniel Libeskind mal was völlig Neues, architektonisch Aufregendes in den Himmel ragen zu lassen, scheiterte - seien wir ehrlich - am Bremer Kleinmut

Und nu? Sparkasse weg, Libeskind abgeblasen, Bausenatorin - ach, Schwamm drüber. Hat eh keinen Zweck. 

Nun soll die Uni dafür herhalten, den Totentanz am Brill zu beenden. Die Bildungseinrichtung ist derart begeistert, dass sie seit Monaten intern hin und her berät, welchen Fachbereich man denn für die City-Lage auswählen könnte. Bislang hat kein einziger „HURRA, WIR“ gerufen.


Gibt ja auch mehrere, gute Gründe dafür, also dagegen zu sein. Die olle Sparkasse müsste für (angeblich) schlappe 80 Millionen Tacken auf einen technisch-energetisch akzeptablen Stand gebracht werden. 80 Millionen! Ach ja, und einen Hörsaal braucht so ne Uni-Dependance ja auch, müsste also noch mal eben fix gebaut - und finanziert - werden. 


Bremens Universität weist als Neugründung (vor erst 51 Jahren) im Vergleich zu vielen anderen uralten Unis einen wesentlichen Vorteil auf: Alles befindet sich auf dem Campus, einem Riesen-Gründstück zwischen Universitätsallee und A 27. Würden jetzt zwei Fachbereiche, oder - in Bremen mag man’s ja gerne immer etwas irrer - würden jetzt also fünf halbe Fachbereiche mit rund 9.000 Studies und 1.000 Menschen des unterrichtenden sowie verwaltenden Personals an den Brill verfrachtet, könnten die in ihren Pausen zwar prima das Durchschnittsalter in der Obernstraße senken. Aber: Die Profs, wissenschaftlichen Mitarbeiter usw. würden vermutlich Ausgleichsstunden für das bestimmt sehr anstrengende Pendeln zwischen Uni und Brill beanspruchen. Für die Fahrten müsste ein Shuttledienst eingerichtet werden, und was weiß ich noch alles. Das Bremische Personalvertretungsgesetz lässt vorab schon mal herzlich grüßen…

Menschen, die eigentlich gar nichtumziehen“ wollen, finden immer viele Gründe, um nichts ändern zu müssen.


Der Oberhammer wäre übrigens, wenn die Informatiker und Künstliche-Intelligenz-Experten von der Uni in die City verpflanzt würden. Dann gingen der Sparkasse im Technologiepark plötzlich ihre Gesprächspartner verloren. Kaum vorstellbar - aber  in Bremen leider irgendwie schon.

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Das jüngste Knallerthema stand am Wochenende gleich doppelt auf der Titelseite der Heimatzeitung: Der „MINDESTLOHN“. Auf einem Foto grinsen sich vier  Menschen nen Wolf und sollen offenbar symbolisieren, dass die von der Bundes-Ampel beschlossene Erhöhung des Mindestlohnes auf 12 Euro ganz famos sei. 

Einschub: Es ist grundsätzlich klasse, wenn Menschen einen höheren Lohn erhalten. Doof ist nur, dass die Politik eine Erhöhung  beschließt, andere aber dafür blechen müssen. Unter anderem - wir alle.

Über die praktische Auswirkung von Mindestlöhnen konnte man sich direkt unter dem Jubelfoto informieren. Die Spargel- und Erdbeerbauern beklagen da, dass sie (bereits) aufgrund des aktuellen Mindestlohnes von 9,82 Euro im Vergleich zu Spargelproduzenten in Spanien (Löhne: knapp über 6 Euro) oder gar in Peru (Löhne: 1,16 Euro) nicht mithalten könnten. Die Folge: Supermärkte drückten die Preise massiv, kauften billigen Spargel und Erdbeeren in Spanien, Italien und sonstwo. Und die Hersteller in der Region gerieten so massiv unter Druck.


Toll, die Lohn- und Sozialstandards in der EU klaffen soweit auseinander, dass hiesige regionale - an staatlich verordnete Mindestlöhne gebundene - Produzenten in existenzielle Not geraten. Ein Bauer im Münsterland hat jetzt sogar sein gesamtes Erdbeerfeld samt saftig süßen Früchten abgemäht/totgemacht, weil der Großhandel ihm bloß noch einen Euro pro Pfund Erdbeeren zahlen wollte.

Auch dies gehört zum Thema Mindestlohn in Saison-Arbeiter-Branchen. 

Herr Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir, wär doch mal ein Feld, auf dem es sich für Sie lohnen würde, zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger zu ackern.


Übrigens: Der Weser-Kurier selbst ist auch Opfer des Mindestlohnes. Er muss seinen Trägern ab Oktober 12 Euro pro Stunde zahlen, wenn die morgens in der Früh mit der Heimatzeitung lostigern. Und jetzt raten Sie bitte, wer am Ende für die deftige Preissteigerung aufkommen wird: 

S I E. Für alle Träumer in der Politik: Zeitungsträger dürfen seit mehreren Jahren nicht mehr nach der jeweils verteilten Stückzahl bezahlt werden, sondern nach der tatsächlich dafür aufgebrachten Zeit. Peng!


Unsere Bremer Zauber-Regierung hat noch einen drauf gesetzt und den Landes-Mindestlohn mal eben auf 13 Euro festgezurrt. So viel zahlt nun das (ja eigentlich pleite) Bremen künftig an Menschen, die für Vater Staat tätig werden. Und Firmen, die einen staatlichen Auftrag ergattern möchten, müssen ihren Putz-, Wach- und sonstigen Service-Leuten mindestens 13 Euro zahlen. 

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Bremen wär nicht Bremen, wenn die Landesregierung, bzw. die sie tragenden Parteien, nicht noch was Anderes in petto hätte. Die Agentur für Arbeit meldete diese Woche zwar, aktuell seien 3.078 Lehrstellen (bei 2.308 noch „unversorgten Bewerbern“) in Bremen unbesetzt. Gleichzeitig will Rot-Grün-Rot eine - dann bundesweit einmalige - Ausbildungsabgabe einführen. Passt gut zusammen - oder etwa doch nicht? Betriebe mit Aussicht auf ein nagelneues Zwangsabgaben-Unikat stehen bestimmt schon Schlange an der Landesgrenze. Ich höre sie geradezu flehen: Lasst uns bitte, bitte in Bremen ansiedeln! Oder hab ich mal wieder nicht kapiert, was unsere allwissenden, von der Mehrheit gewählten Regierenden uns Gutes angedeihen lassen wollen? 

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Und die selbsternannten bremischen Leit-Medien? Sie verschweigen uns doch glatt ihre Meinung/Standpunkte zu diesem offensichtlichen widersprüchlichen Thema. Da müssen dann wieder Leserbrief-Schreiber im WK für die Einordnung sorgen. Zwei Unternehmer beschreiben und beklagen darin die völlig ungenügende Vor-Bildung vieler Lehrstellen-Bewerber. Besonders jener, die in Bremen die Schulen besucht haben. 

Frau Bildungssenatorin Sascha Aulepp, Frau Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt, Herr Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte - endlich den Schuss gehört? 


So, liebe Leserinnen und Leser, haben Sie im heutigen Blog-Stück einige Themen in unserem gemeinsamen Abgleich gefunden, die auch Sie den Kopf bis an die Schmerzgrenze haben schütteln lassen?


Bleiben Sie munter!


Herzlichst und unverdrossen Ihr as

Axel Schuller

 
















Damit Sie mal was lernen: Martinistraße-Trallala per "Unterschwellenvergabeverordnung"  (2. 6. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser, jetzt mal Klartext. Das geht wirklich nicht: Sie machen es sich schön muckelig, während ich ein Knaller-Thema nach dem anderen ausgrabe, recherchiere und - mit viel Liebe - formuliere. Deshalb müssen Sie sich heute auch mal an der anstrengenden Kärrnerarbeit eines Schreiberlings beteiligen - na ja, als Leserin und Leser.

Denken Sie jetzt: Laber, Rhabarber? Na ja, ich versuche Sie gerade auf das Kleinklein einer Recherche einzustimmen. Damit Sie bei mir bleiben, ein Ergebnis vorweg:

Sie können heute mal erfahren, wie öffentliche Gelder unters Volk - oder so… - kommen.


Das Thema: Martinistraße, Transformartini - wie läuft so etwas eigentlich? Die „Bespielung“ der Durchgangsstraße hatte der Verein „Sternkultur“ übernommen. Deren Chefinnen sind zugleich Vorstände des Vereins Autofreier StadTraum. Zweit genannter Verein hat einen einflussreichen Mit-Vorstand: Den Grünen Bürgerschaftsabgeordneten und Verkehrspolitiker Ralph Saxe


Ach ja, StadTraum will uns - schon mal für Ihren Kalender - am 18. September - mit einem neuen Großprojekt beglücken: Quer durch Bremen - von Ost nach West - soll „die längste Tafel der Welt“ auf den Straßen aufgebaut werden. 14 Kilometer lang. Heißa, da dürfen Sie dann Platz nehmen, schnacken, Kaffee Kuchen und so. Der Weser-Kurier freut sich bereits nen Loch in den Bauch: „14 Kilometer Feiermeile“.


Statt uns aber jetzt schon der besinnungslosen Vorfreude auf die 7.000 bis 14.000 aneinandergereihten Tische (je nach Größe) hinzugeben, bleiben wir bitte erst noch mal in der Nachbetrachtung des was-auch-immer-Versuchs  Martinistraße.

Sternkultur“ hatte - so die Recherche - 72.000 Euro von der Behörde der Grünen Mobilitätsenatorin Dr. Maike Schaefer für Konzept, Planung, Durchführung erhalten.


Warum eigentlich „Sternkultur“? Weil die Herrn Saxe so gut kennen? Nein, wo denken Sie denn hin! Die hatten eine Ausschreibung von SKUMS (Sie erinnern: Das ist der Laden, über den Frau Schaefer „verfügt“) gewonnen. Die Ausschreibung war jetzt keine, wie Sie die als Bürger erwarten würden. Ne, SKUMS (Klima, Umweltschutz, Mobilität und Stadtentwicklung) hat ein Vergabeverfahren gewählt, das in der Umweltdeputation der Bremischen Bürgerschaft so beschrieben wurde: „Verhandlungsvergabe ohne Teilnahmewettbewerb nach Unterschwellenvergabeverordnung; es wurden drei Angebote angefragt, bei dem das Büro „Sternkultur“ den Zuschlag erhalten hat.“ 

Dieses Verfahren ist - so habe ich erfahren - laut des Bremischen Gesetzes zur Erleichterung von Investitionen  bis zu einem geschätzten Auftragswert von 100.000 Euro netto erlaubt

Sternkultur“ hatte nach Abschluss der Straßen-Aktionen mit Surf-Welle, Aussichtstürmen, Gaia-Welt-Kugel und so online gefragt, wie denn die Innenstadt-Aktionen insgesamt gefallen hätten und ob in der Martinistraße - und da hakte es… Es gab ausschließlich positiv formulierte Antwort-Vorgaben. Nix Negatives. Und das bei dem Trallala auf der Durchgangsstraße. Nix Negatives. Hammer! Das musste dich erstmal trauen.

Die Mobilitätsbehörde erklärte auf meine Nachfrage: Nicht „Sternkultur“ habe den Inhalt der online-Umfrage formuliert. Nein, und jetzt kommt’s: „Fragen und Antworten der Umfrage sind von SKUMS erstellt und „Sternkultur“ zugeliefert worden.“ „Sternkultur“ wiederum hat eine Hamburger Agentur mit der Durchführung beauftragt. Macht die Sache bestimmt billiger… 

Die Abgeordneten der Bremischen Bürgerschaft sollen übrigens Ende Juni über die Ergebnisse der Online-„Umfrage“ informiert werden. (Mal schauen, ob unser Lokal-Blättchen dann doch einmal tiefschürfend über den „Vorgang“ berichten wird.)

Jetzt erstmal mein Zwischen-Resümee der Recherche: Dieses Mobilitätsressort ist noch schlimmer als ich dachte. Mitarbeiter dieses Ladens überziehen die Stadt mit teilweise Unsinns-Maßnahmen wie Trallala auf der Martinistraße und denken sich Fragen dazu aus, die ausschließlich positive Antworten zulassen. Und ich dachte, es seien ein paar Durchgeknallte einer Agentur, die auf solch eine schwachs… Idee kämen. Unglaublich. Unfassbar. So was von daneben. Wer muss für solch einen Stuss eigentlich geradestehen

Auch, wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, meine Meinung jetzt schon erahnen sollten :-)), möchte ich Ihnen noch zwei Fragen von mir an diese Behörde und deren Antworten nicht vorenthalten. Ja, ich weiß, ist Ihnen eigentlich zu viel Lese-Arbeit, muss aber sein:

Meine Frage an SKUMS: „Ist den Vertreterinnen und Vertretern von SKUMS bei der Auftrags-Vergabe an „Sternkultur“ bekannt gewesen, dass die beiden „Sternkultur“-Geschäftsführerinnen zugleich Vorstände des Vereins „Autofreier StadTraum“ sind, den der Grüne Abgeordnete Ralph Saxe gegründet hat und dessen Vorstand er angehört?


Die Antwort des Mobilitätsressort: „Der politischen Hausspitze ist bekannt, dass Ralph Saxe einer der Mitbegründer des rein privaten und gemeinnützigen Vereins Autofreier StadTraum ist und er zusammen mit Frau von Essen und Frau Melinkat dort im Vorstand sitzt.“


Meine weitere Frage an SKUMS: Erhält der Verein „Autofreier StadTraum“ Zuwendungen des Ressorts SKUMS?


Ja, der Verein wird über BINGO-Mittel gefördert. Die Entscheidung fällt der zuständige Ausschuss der Deputation. Bei Interessenkonflikten zwischen Antrag stellenden Vereinen oder Institutionen und Abgeordneten ist es Usus, dass diese für die Abstimmung den Raum verlassen und nicht mitstimmen.“


Na, jetzt bin ich ja beruhigt. Herr Saxe geht also raus, wenn über seinen Verein abgestimmt wird. Und alle anderen Abgeordneten - insbesondere die Grünen - denken keine Millli-Sekunde lang daran, dass ihr „abwesender“ Kollege schon gern etwas Knete hätte…


BINGO ist übrigens ein spannendes Thema. Darüber werd’ ich später noch mal berichten - ob Sie wollen oder nicht!


Munter bleiben!


Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller

Weser-Kurier schreibt von einem "Projekt" und meint bloß eines: KOSTEN EINSPAREN  (29. 5. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser, Sie kennen mich ja inzwischen ein wenig: faktenorientiert; realistisch; ans Gute im Menschen glaubend; aber auch skeptisch und ärgerlich, wenn Journalisten bloß treudoof nacherzählen statt einzuordnen; immer zu einem Spässle bereit - genug: den Rest müssen Sie sich schon mal selbst ausdenken.


Heute, ja heute, sitze ich vor der Tastatur und überlege, ob ich einen Text im Weser-Kurier richtig verstanden habe. Auf Seite 2, oben links, der Kommentar-Pool-Position des Blattes, war vorige Woche zu lesen, Verlag und Redaktion arbeiteten intensiv an einem „Projekt“ und teilten mit, dieses werde nach den Sommerferien umgesetzt. 

In meine Worte übersetzt: Leute, wir bieten euch künftig eine Ausgabe weniger, aber: Das bedeutet für euch in Wahrheit ein Mehr! Puh, Hegel und Marx hätten sich beim Wettstreit um die richtige Definition von „Dialektik“ einen Wolf diskutiert…  


Ich sag’s mal frank und frei: Diese Verlagsmitteilung hätte einen anderen Namen verdient: „Projekt no Go“!

Der Weser-Kurier wird die Sonntags-Ausgabe einstellen. Ohne Wenn und Aber. Und das ganze machen sie - jetzt halten Sie sich bitte fest - FÜR UNS! Zeitungen entwickelten sich im Laufe der Zeit, schwadroniert da irgendjemand aus Redaktion und Verlag, der Trend gehe zur umfassenden Wochenendausgabe, Blabla. Ach ja, die Bundesliga-Berichterstattung werde natürlich jeweils aktuell sichergestellt - online. Auf Papier könne man die erste Liga dann montags ausführlich nachlesen. Mag ja sein, dass Meinungsforscher beim Kurier am Sonntag eine geringere Akzeptanz bei den Leserinnen und Lesern festgestellt haben mögen. Bloß, liegt dies am Erscheinungstag oder am Inhalt und an der deutlich schlechteren Zustellqualität?


Sie, liebe Leserinnen und Leser, erinnern sich: Nichts ahnend hatte ich erst am 25. Mai in meinem Blog die Frage aufgeworfen, ob der WK todgeweiht sei. Mit Fragezeichen. Was soll ich nach der jüngsten Ankündigung jetzt wohl denken?


Wer in aller Welt hat dem Schreiberling/Schmieristen m/w/d in „Verlag und Redaktion“ die Formulierung in die Fingerkuppen einschießen lassen, den ganzen Spar-Sums als „Projekt“ auszugeben?


Hätten sie in diesem Laden so etwas wie einen „Hintern in der Hose“, dann hätten sie geschrieben: Liebe Leute, wir haben fertig. Rettung ist nur denkbar, wenn ihr Leserinnen und Leser auf ein Siebtel des Zeitungs-Angebotes verzichtet. Die Reduzierung von sieben auf sechs Ausgaben hilft nämlich, richtig doll Kosten einzusparen:

Für 101.274 verkaufte Druck-Exemplare Papier weder einzukaufen noch zu bedrucken. 101.274 verkaufte Druck-Ausgaben nicht mehr - am Sonntag - teuer verteilen zu müssen. Dazu kommt: Die neuen Bundes-Regenten werden zum 1. Oktober den Mindestlohn (gilt auch für Träger) auf 12 Euro erhöhen. Dabei haben die Schlau-Köpfe in Berlin jedoch vergessen, die Minijob-Verdienstgrenze anzuheben. Bedeutet: Die Träger kriegen die gleiche Kohle, dürfen aber nur weniger Stunden dafür arbeiten. Ergo werden zusätzliche Träger benötigt. 

Außerdem: Sonnabends dürfen Schüler austragen, sonntags weiterhin - und blödsinnigerweise - nur Volljährige ab 18. Die sind sonntags bei Ausfall (krank, Kater, Unlust) extrem schwer zu ersetzen

Find mal nen Erwachsenen, der sonntags spontan losdackelt, um Zeitungen auszutragen… 


Diese Argumentation wäre ehrlich gewesen. Und die Überschrift dieses WK-Offenbarungseides hätte auch besser „In eigener Sache“ statt (wie jetzt gewählt) „Liebe Leserinnen und lieber Leser“ gelautet. Übrigens: Haben die tatsächlich nur noch einen „lieber Leser“ - oder eher ein Korrektorat außerhalb des deutschen Sprachraumes?


Break: Überlege gerade, ob der Schriftbildhauer dieser legendären Leser-Ansprache durch Form und Inhalt seinen heimlichen Protest gegen die Verlags-Spar-Entscheidung andeuten wollte. Bei Redakteurinnen und Redakteuren - Ausbünden des Individualismus - durchaus denk-, aber nicht belegbar.


Die Reduktion der Ausgaben-Zahl pro Woche birgt eine Pikanterie der besonderen Art: Werder Bremen steigt in die 1. Bundesliga auf und die örtliche Tageszeitung stellt die sonntägliche Print-Berichterstattung über dieses Bremer Top-Thema ein. Der gleichzeitige Hinweis, Leute ihr könnt alles über die Grün-Weißen weiterhin sonntags lesen - aber eben nur online - könnte den Weg in die Zukunft aufzeigen: Weshalb soll man das Blatt überhaupt noch teuer drucken und verteilen, werte Leserschaft? Lest den ganzen Kram doch online!

Der Kurier am Sonntag - so heißen ja Weser-Kurier und Bremer Nachrichten sonntags - ist vor rund 40 Jahren ins Leben gerufen worden, um ein Gegengewicht zum damals extrem Anzeigen-starken Weser Report zu schaffen.  Seinerzeit belegte Karstadt jeden Sonntag mehrere Seiten im WR. Zugleich reifte im WK die Erkenntnis, dass der Sonntag ein famoser Lesetag sei - siehe Welt am Sonntag, Bild am Sonntag, zeitweise auch FAZ am Sonntag.

Bei den danach folgenden Abopreis-Erhöhungen wies der WK stets stolz darauf hin, man beglücke die Damen und Herren Leser - anders als in anderen deutschen Großstädten üblich - ja auch sonntags mit Lesestoff.

Lautet der Umkehrschluss ab 1. Oktober: Liebe Leserinnen und Leser, eine Ausgabe pro Woche weniger, also reduzieren wir den Abo-Preis selbstverständlich um 1/7? Bin gespannt wie ein Flitzebogen… - nicht wirklich.


Liebe Blog-Leserinnen und Leser, für Häme ist nicht die richtige Zeit. Der Weser-Kurier - und mit ihm alle gedruckten Tageszeitungen - kämpfen auf dem Weg ins Digital-Zeitalter um die Zukunft. Früher extrem einträgliche Anzeigenmärkte sind von den Zeitungen fast oder ganz ins Internet gewandert: Stellen, Immobilien, Fahrzeuge, Kleinanzeigen. Ein Beispiel zur Anschauung: Vor Anbruch des Internet-Zeitalters hatte die FAZ sonnabends einen Stellen-Anzeigenteil von 100 und mehr Seiten. Dagegen heute: eher Katzenjammer.


Der Weser-Kurier hat vor rund 40 Jahren - als die Millionen wie von allein auf die Verlagskonten und anschließend zu den zwei Eigentümer-Familien schwappten - aus Hochmut (?) eine falsche Grundsatz-Entscheidung getroffen. Man gründete als Gegengewicht zum kostenfreien Weser Report eine Bezahl-Sonntags-Ausgabe, statt wie andere Blätter ein an alle Haushalte verteiltes Kostenlos-Blatt.

Erst später rüstete der Weser-Kurier seinen (Bezahl-)Kurier-am-Sonntag um eine kostenlose Variante (Kurier der Woche) auf. Mit fatalen Folgen: Die Träger mussten bei der Zustellung mühsam unterscheiden zwischen zahlenden Abonnenten von „Kurier am Sonntag“ und „Kurier der Woche“. Das war die Zeit, als WK-Abonnenten plötzlich ungefragt kleine blaue WK-Punkte (schweinemäßig fest klebend) auf ihren Briefkästen hatten.

Der „KdW“ soll laut Branchenkennern am Ende angeblich jährlich 2,5 Millionen Euro Verlust gemacht haben. Deshalb gibt es ihn seit Ende vorigen Jahres nicht mehr. Der Kurier am Sonntag soll ebenfalls defizitär sein. Sein Wegfall, so Kenner, dürfte die Bilanz um weitere zwei Millionen Euro entlasten.



Liebe Leserinnen und Leser, Sie merken, ich kann aus meiner Haut als ursprünglicher Tageszeitungs-Mensch nicht raus. Aus diesem Grund kann ich die angekündigte Sparaktion intellektuell nachvollziehen - ohne sie aber gutzuheißen. Immerhin ist der Abo-Preis vor nicht langer Zeit erneut erhöht worden.

Und vor allem: Dieses elende Herumgelaber vom „Projekt“ und blablabla, das - um es druckreif auszudrücken - elendet mich an! Das ganze wird zudem so früh angekündigt, damit der Ärger bis Oktober halbwegs verraucht ist - und weniger Menschen das Abo kündigen

Nun sind Sie dran! Brauchen Sie diese Zeitung (so wie sie aktuell gemacht wird) noch? Sind Ihnen mittlerweile die Sonnabend-Anzeigen doch am wichtigsten - wer nicht mehr unter uns Lebenden weilt? Oder bremisch ausgedrückt: Interessiert Sie möglicherweise bloß noch, wer nicht mehr bei Karstadt einkauft? 


Bleiben Sie munter!

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller

    

Der Bremer Weser-Kurier - nur behäbig oder vielleicht doch schon todgeweiht?  (25. 5. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser des Blogs „Bremen so gesehen“, heute müsste es eigentlich heißen: Liebe Kolleginnen und Kollegen. Hä? Jetzt schreibt er wieder über seinen Berufsstand? Ne, schlimmer. Heute setze ich mich mit Bremens führender (weil einziger) bremischen Tageszeitung auseinander. Auslöser war die - wie ich finde - blutleere Art, wie der WK jüngst mit dem Thema Ausbildungsfonds (ehrlicher: Ausbildungsabgabe) umgegangen ist. Und ich sage es gleich: Das Thema ist verdammt ernst. Da ist heute nix mit locker oder flockig. Immerhin haben Sie, geneigte Leserschaft, heute mehr Zeit als sonst - heute gibt's ja keinen "frischen" WK.


Vorab ein paar wenige, grundsätzliche Gedanken: Zeitungen, die bloß stumpf berichten, die Leser und Leserinnen bei der Einordnung der immer unübersichtlicheren Welt - auch im Lokalen - allein lassen sowie inhaltlich, äußerlich und in direkter Beziehung zur Leserschaft nix Überraschendes (wie Aktionen) mehr bieten - solche Zeitungen sind aus meiner Sicht  auf Dauer todgeweiht. Besonders anfällig für Behäbigkeit und Selbstzufriedenheit sind Monopolblätter.


Liebe Leserinnen und Leser, ich will Ihnen heute Ihren Weser Kurier nicht madig machen. Aber, ich möchte Sie auf ein paar Dinge hinweisen, die Sie nicht verdient haben. Und ich höre auch immer wieder unzufriedenes Rumoren von (natürlich nur) einzelnen Leserinnen und Lesern. Hab ja schließlich kein Meinungsforschungsinstitut.

Einige Beispiele, bei denen ich mir gewünscht hätte, das Blatt hätte deutlicher oder überhaupt Stellung bezogen. Schließlich verstehen sich Medien in diesem Land doch als „vierte Gewalt“, nicht als Protokollanten der Regierenden.


Wer in Russland, China oder Nord-Korea seine unerwünschte (falsche) Meinung äußert, wandert in den Knast, oder an noch viel schlimmere Orte. Aber bei uns? Hier kann jeder alles schreiben und senden, solange es nicht die Grenzen des strafrechtlichen Relevanten überschreitet.


Ich nenn’ mal aktuelle Beispiele, bei denen es vom Gewicht her um extrem unterschiedliche Themen geht. Gleichwohl hat der WK (nach meinem Medienverständnis) auch die Aufgabe, Themen beispielsweise per Kommentar einzuordnen.


Das Oberlandesgericht musste drei mutmaßliche Mörder wegen Überschreitung der zulässigen Zeit aus der Untersuchungshaft entlassen.

Der Richterbund maunzte umgehend, man könne nix dafür, schließlich sei man personell ja völlig unterbesetzt und damit überlastet. Grundsätzlich: Bremens öffentlicher Dienst ist laut Analyse des Steuerzahlerbundes im Vergleich zu den anderen Bundesländern am besten besetzt. Könnte es vielleicht sein, dass die bremische Verwaltung einfach bloß schlecht, oder falsch organisiert ist? Fragen, denen „unsere“ Tageszeitung bislang nicht nachgeht.


Im Gegensatz dazu völlig harmlos, aber überraschend: Die Frauenbeauftragte legt sich für „freie Brust für alle Menschen" in öffentlichen Schwimmbädern ins Zeug, dass man überlegt: Ist das jetzt das Wichtigste, Frau Frauenbeauftragte?


Die Linken - assistiert von der SPD - kämpfen geradezu verbissen für eine bislang einzigartige Ausbildungsabgabe in Bremen - obwohl hier sogar händeringend Azubis für freie Lehrstellen gesucht werden. Gibt es möglicherweise zu viele Schulabsolventen, noch schlimmer, Schul-Verlasser, die auf eine Ausbildung völlig ungenügend vorbereitet sind?


Kunden und Anlieger des Bahnhofs sowie Umsteiger der Straßenbahn AG an diesem zentralen Ort der Stadt klagen über Vermüllung, aggressive Bettler, herumlungernde Drogen-Abhängige sowie dreckige und zum Teil leider auch stinkende Kreaturen auf den Sitzbänken. Wer sieht das Thema außer den Betroffenen? Der Innensenator, der im Senat einen nahezu einsamen Kampf kämpft. 


Und jetzt kommt’s: Wie ordnet der Weser-Kurier diese Themen ein? Zaghaft, meist gar nicht.


Wie kann man mit der kostbaren Freiheit, gesellschaftliche Themen aktiv zu begleiten, bloß so zurückhaltend umgehen? Kommentare liest man dann beispielsweise eher zur bundesweiten Verkehrswende, zu Corona in Nord-Korea oder den Zuständen in Syrien oder Libyen. Am schlimmsten sind „Kommentare“, die eigentlich Nacherzählungen des auf einer anderen Seite stehenden Berichtes sind. Meinungslos, zahnlos.


Haben wir Leser und Leserinnen das wirklich verdient? Haben wir es verdient, für diese Art des - aus meiner Sicht - unterentwickelten, nicht mehr zeitgemäßen Journalismus’ jährlich zu immer höheren Abo-Preisen gedungen zu werden?


Nehmen Mitglieder der WK-Redaktion am wirklichen Leben teil, oder sind sie insgeheim Mitglieder der grün-roten Blase, die bevorzugt in Milieus namens Viertel, Steintor oder der  Neustadt lebt?


Es gibt Themen, die nimmt die Redaktion erst wahr und an, wenn sich Leserinnen und Leser in Zuschriften massiv zu Wort melden. Ich rate immer wieder: Wer etwas breiter informiert sein will, schaut am besten auf die Seite „Lesermeinung“. Beispiele gefällig? Massen-Fällen von Bäumen, Drangsalieren der Verkehrsteilnehmer, endlich reparierte statt neue, unsinnige Radwege. Oder drastische, teils verdeckte Erhöhung der Müllgebühren.


Sollten Redaktionsmitglieder fürchten, sich mit konträren Kommentaren (zum Regierungs-Mainstream) in ihren Kreisen  unbeliebt zu machen, oder wenn sie möglicherweise (als am Stadtleben nicht sehr Beteiligte) meinungslos sein sollten, oder wenn sie ihren Beruf nicht als Berufung verstehen, dann sollten sie wenigstens zu Kunstmitteln greifen. Die gibt es, ohne dass man sich aus dem Fenster lehnen oder selbst die Finger (vermeintlich) schmutzig machen muss. 

Kollegen und Kolleginnen, holen Sie - noch mit Aufmerksamkeit der Leserschaft gesegnete Redaktionsmitglieder - doch einfach zwei Meinungen profunder Kenner von Themen ein und gießen diese - beispielsweise - in die Form eines pro & contra. Das ist kein Hexenwerk, bietet uns Lesern und Leserinnen aber die Chance, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Das ist allemal besser als das aktuell Gebotene. 


Dass die WK-Redaktion durchaus über eigene Meinungen verfügt, blitzt immer wieder in Kommentaren und Standpunkten auf. Häufig aber zu Themen, die für die Bevölkerung nicht unbedingt lebens-relevant sind. Und Meinungen werden uns - subtil in Berichten und Interviews - unerwünscht unter die Lesekost gemischt. Und, nicht zu vergessen, durch Nicht-Abdruck von Leserbriefen.


Wer meint, er müsse die Zeitung bloß mit einem Stecker versehen und ins Internet rüberschieben, wird damit Kosten verursachen, aber keinen Blumentopf gewinnen. Gefragt sind als erstes Redaktions-Antennen für drängende Themen, Sorgen, Unsicherheiten der Leserschaft. Gefragt ist engagierte Berichterstattung, die über das reine Nacherzählen hinausgeht.


Dass sich der WK seine heutige Umgangsart mit den Leserinnen und Lesern überhaupt noch leisten kann, ist lediglich einem Umstand geschuldet: dem Monopol. Dies aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist auf Dauer zu wenig. Viel zu wenig. 


Und sollten Sie, Journalistinnen und Journalisten, jetzt diesen Text darauf hin absuchen und bestimmt auch etwas finden, wo ich Unrecht habe, erfreuen Sie sich nicht an der Trophäe des Mangels, nutzen Sie den Text bitte zur Selbst-Reflexion. Am Ende geht es nämlich - um Ihre Arbeitsplätze.


Eines sollten Sie wissen: Viele Menschen in der Stadt sind wie auch ich weiterhin Anhänger der Gattung Tageszeitung. Sie muss aber bitte anders sein, als Sie sie uns WK-Lesern und Leserinnen aktuell auf den Frühstückstisch legen (lassen).


Bleiben Sie - liebe Leserinnen und Leser - munter!

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller



Wahnsinn - die staatliche bremische Frauenbeauftragte und die unverhüllten Frauen-Brüste  (22. 5. '22)

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Russland zerbombt die Ukraine weiter ohne jede Gnade für Zivilisten. Bei uns steigt die Inflation in einem Maß, dass zunehmend viele Arme - und damit auch Alte - mit ihrem Geld nicht über die Runden kommen, mithin die „Tafeln“ überrennen. Jugendliche finden keinen Ausbildungsplatz, weil sie die Schule ohne Abschluss verlassen haben; ihnen in Wahrheit viele Fertigkeiten fehlen, um überhaupt eine Lehre anzutreten. Die Natur ächzt unter den Folgen des Klimawandels - und wir in Bremen diskutieren darüber, ob Frauen, Queere und Trans endlich, ja endlich ohne Oberteil im Frei- und Hallenbad schwimmen dürfen. 


Einen deutlicheren Beleg für die Degeneration unserer Gesellschaft hätte es nicht geben können. Beachtenswert auch, wer diese aktuell so „lebensnotwendige“ Debatte losgetreten hat: Linke und Grüne. Die Linken - laut Sahra Wagenknecht sind viele von ihnen „Lifestyle-Linke“ - kümmern sich heute intensiver um alternative Kultur sowie um das Wohlergehen von Lesben, Schwulen und Queeren als um die gerechtere Verteilung des wirtschaftlichen Gewinns. Karl Marx würde sich seinen Rauschebart haarweise einzeln ausrupfen

Zu diesen Linken (mit dieser Politik aktuell nicht so rasend erfolgreich) gesellen sich Grüne.

Die Grünen, einst Öko-Partei, haben sich eben doch zur Klientelpartei entwickelt: der urbanen Ich-will-aber-Menschen; der Menschen, die Armut nur aus Büchern kennen; der Menschen, die sich mehr um den Parkplatz fürs Lastenrad sorgen als um das Bezahlen des nächsten Einkaufs; der Menschen, die viel Grips darauf verwenden, wie lange sie denn das eigene Schicki-Micki-Auto stehen lassen müssen, um den nächsten Trip zum Pinguin-Foto-Shooting in die Antarktis in der eigenen Öko-Bilanz unterzukriegen - wenn überhaupt. 


Puh, arme Leserinnen und Leser - ich weiß, das hat jetzt einigen weh getan. Nützt aber nix. Und Sie sind ja tolerant und für andere Meinungen stets zugänglich. Welch ein Glück!


Und dann gibt’s da Bremens Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm. Laut Stellenbeschreibung soll sie dafür sorgen, dass Frauen im öffentlichen Dienst nicht benachteiligt werden. Wilhelm -  Achtung: keine Realsatire - geißelt die Verhüllungspflicht für weibliche Brüste in den städtischen Bädern als „diskriminierend und nicht mehr zeitgemäß“. Was wohl, nur mal als Beispiel, soll Sozialsenatorin Anja Stahmann davon halten? Die muss auf Teufel komm raus Plätze für immer neue Flüchtlinge an Land ziehen. Die muss zusehen, dass sie Frauen und Männer in den Notunterkünften möglichst voneinander trennt, weil sonst Halligalli droht. Ob Frau Stahmann wohl gerade intensiv darüber nachdenkt, wann sie endlich im Mono- statt im Bikini baden gehen zu darf?


Bettina Wilhelm, einmal in Fahrt, geht noch weiter. Sämtliche  Regeln, nach denen „bestimmte  Oberkörper in der Öffentlichkeit bedeckt" werden müssten, andere aber nicht, entsprächen einer "veralteten Moralvorstellung". Nämlich jener, „die weibliche Brüste sexualisiert und weibliche Körper in der Öffentlichkeit kontrolliert“, vertraute sie dem Weser-Kurier an. 

Und, wenn sie schon mal gefragt wird, gibt’s kein Halten. Nicht bloß Frauen seien von dem völlig überholten Verdikt getroffen, nein auch Transpersonen oder nicht-binäre Menschen, die sich nicht ausschließlich als männlich oder weiblich betrachten, hätten nach klassischer Sichtweise keinen Platz und könnten „sich deshalb nur ‚falsch‘ verhalten“. 


Oh, my goodness!


Was macht Frau Wilhelm eigentlich demnächst, wenn sich - endlich in der neuen Zeit angekommen - ein Installateur entscheidet, auf seinem Lieferwagen eine Frau mit nackter Brust für den Einbau einer neuen Dusche werben zu lassen? Folgt dann ein Schwall der Empörung „über sexistische Werbung“ aus dem Haus der Frauenbeauftragten? 


Liebe Leserinnen, die Sie mit ihren Brüsten hoffentlich im Reinen sind, und Leser, die den Frauen selbstverständlich als erstes in die Augen schauen - kurzum, Sie de-sexualisierten Menschen: Zu Ihrer besseren Einordnung dessen, was ich zuvor geschrieben habe, ein paar Hinweise aus meiner Vita


Ich bin, 1954 geboren, in einer Zeit zur Schule gegangen, als sich die Klassenkameradinnen in der Oberstufe gerade sexuell „befreiten“. Einige wurden sich der Macht ihrer Körper bewusst. Also, dass ihre Brüste auf männliche Lehrer irgendwie doch anders wirkten als die ihrer männlichen Mitschüler. Ich erinnere mich an einen Latein-Lehrer, der die nur fünf Mädchen - es war der erste koedukative Jahrgang am bislang reinen Jungen-Gymnasium - in die erste Reihe setzte. Sein Schlüsselbund fiel ihm ungewöhnlich häufig aus den Händen, wenn er in der ersten Reihe patroulierte. Die Röcke damals waren häufig super-kurz. Bauchfreie Tops gab’s noch nicht. Dafür aber durchsichtige Blusen - und der einzige BH war ab und zu halt in der Wäsche...

Was soll ich sagen: Die junge, weibliche Brust erwies sich natürlich nicht als Sexual-Lockmittel der Natur. Die Lehrer, insbesondere die älteren, vielleicht auch schon etwas entwöhnten, zeigten sich völlig unbeeindruckt. Fragen Sie mal meine (damals in mehrerer Hinsicht) neidischen Klassenkameraden. HaHaHa - muss gerade gegen einen Lachkrampf ankämpfen……..


Aber das ist heute ja alles völlig anders. Männliche Brust, quere Brust, weibliche Brust - alle sind gleich, haben mit Sexualität zum Glück üüüberhaupt nix mehr zu tun.


Frau Wilhelm, kämpfen Sie aktuell wirklich für die Gleichstellung, oder befinden Sie sich gerade vielleicht doch ein klein wenig auf gedanklichen Abwegen, im Wolkuckucksheim, wo es so  ist, wie Sie es sich wünschen, dass es doch schön wär, wenn es so wäre? Ich frag ja bloß.


Frau Wilhelm, wenn Sie tatsächlich von Ihrem Tun tief überzeugt sind, erwarte ich umgehend folgende Forderungen von Ihnen:
Frauen müssen auf dem Bau oder bei der Autobahnmeisterei endlich wie die Männer behandelt werden - die arbeiten im Sommer (auch wenn's natürlich gesundheitsschädigend ist) häufig mit freiem Oberkörper. Profi-Boxer übrigens auch. Gleiches Textil-frei-Recht für alle!


P.S.: Frau Wilhelm, nackt baden ist herrlich. Im See, im Meer, da wo es möglich ist, ohne Gaffer, Spanner und natürlich ohne Gafferinnen und Spannerinnen anzulocken. Aber Oben-Ohne im Frei- und Hallenbad ist nicht nur eine Befreiung der weiblichen, binären oder Trans-Brust vom textilen Halt, sondern setzt - so befürchte ich - junge Mädchen und Frauen unter Druck, das dann auch tun zu „müssen“. Obwohl sie sich „in ihrer Haut“ vielleicht gerade nicht so wohl fühlen. Man nennt das auch Gruppendruck. Frau/werdende Frau will ja nicht als altbacksch, prüde, und unmodern gelten. Gerade junge Mädchen - siehe Essstörungen...


Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller 

Unglaublich - SPD: Alle Auszubildenden übernehmen! Und mehr Geld müssen die auch kriegen!   (19. 5. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser, manchmal schenk ich Ihnen ja - fürs Durchhalten - am Ende meines Blogs ein kleines Goodie. Heute mal andersherum: Zum humorvollen Einstimmen auf ein ganz und gar nicht leichtes Thema.


Also: Wie haben es die meisten von uns noch gelernt? „Amtssprache ist Deutsch“. Dieses „Dogma“ ist zumindest in Bremen abgeschafft. Einer Ankündigung des Beirates Borgfeld entnahm ich jüngst: Eingeladen sei Frau Soundso, „Leiterin der Abteilung für Straßenerhaltung, Pavement-Management-System und öffentliche Beleuchtung“ beim Amt für Straßen und Verkehr.

Wow! „Pavement-Management-System“. Bevor sie’s jetzt selbst nachgucken: Das englische Wort „Pavement“ bedeutet in unserer Sprache: „Gehweg“.
Hossa, „G e h w e g“! 

Dieses ur-deutsche Wort „Gehweg“ würde den „Borgfelder an sich“ - ach, was sag ich da - jeden Normal-Bewohner (w/d) unserer Stadt vermutlich gnadenlos überfordern… Armes Deutschland!

Der Irrsinn fängt bekanntlich im Kleinen an.


Genug an „Vorspeise“. Ich könnte Ihnen jetzt mit einem Juso-Schnack von früher kommen. Der lautete: „Wer nicht ausbildet, wird umgelegt.“ „Früher“ zielt übrigens nicht auf die Zeit eines einst ruppigen Juso-Chefs, späteren Bundeskanzlers und mittlerweile fast schon mitleiderregenden Gas-Mannes - Sie wissen schon…  Nein. Der möglicherweise Angst einflößende Spruch stammt von den Bremer Jusos, zuletzt  2021 verbreitet.


Sprung in die Jetzt-Zeit: Der SPD-Landesparteitag hat jüngst die rot-grün-rote Koalition aufgefordert: „BREMENS AUSBILDUNG STÄRKEN“. Vorsichtshalber war alles in Großbuchstaben geschrieben. Da kann man weniger falsch machen. Ich verspreche Ihnen bereits jetzt: Zum Schluss gibt’s noch ein Sprach-Schmankerl aus dem SPD-Antrag.


Auf zehn Din-A-4-Seiten hatten engagierte Sozialdemokraten dargelegt, im Land Bremen müsse unbedingt ein Ausbildungsfonds eingerichtet werden. Übrigens: Bremen wäre das erste Bundesland. Ist ja auch logisch: Wer in der Bildung immer vorne mitmischt, will diese Meriten natürlich auch auf dem Feld der Ausbildung einheimsen. Halt, halt, jetzt hab ich grad irgendwas durcheinander gebracht…


Die SPD moniert in ihrem Antrag: Es gibt weniger Lehrstellen als Ausbildungswillige. Ein Blick in die Statistik der Agentur für Arbeit offenbart für das kommenden Ausbildungsjahr jedoch das Gegenteil. Demnach hat die Wirtschaft im Land Bremen 4.813 offene Lehrstellen gemeldet, bei der Agentur haben sich bislang aber bloß 3.962 Bewerber und Bewerberinnen registrieren lassen. 

Jetzt wird aber der Hund aber in der Pfanne verrückt…


Laut SPD (prominentes Vereins-Mitglied: Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte) gibt es weitaus mehr Bewerber als Ausbildungsstellen; steht im einstimmig beschlossenen Papier.

Das größte Problem auf dem Ausbildungsmarkt wird nur am Rand angesprochen: Viele Jugendliche (insbesondere aus Bremer)  Schulen verfügen nicht über das notwendige Rüstzeug für eine Ausbildung. Betriebe müssen die jungen Frauen und Männer in den „Fächern“ Rechnen, Schreiben, Pünktlichkeit, Disziplin und haste nicht gesehen „nachschulen“.

Da hat man als Unternehmen - vielleicht auch noch als kleiner Handwerksbetrieb - aber so was von Bock auf Auszubildende. Firmen - große wie kleine - nehmen diese an sich unzumutbare Prozedur nur auf sich, weil sie für die Zukunft unbedingt Personal benötigen.

Ungelogen: Es gibt Handwerksbetriebe, da ruft die Frau vom Chef morgens notfalls bei einzelnen Lehrlingen an und sagt: „Steh auf, komm in die Firma, sonst mach ich dir Beine!“ So viel zum Thema  „Disziplin“.


Glauben Sie nicht? Sprechen Sie gern einen Menschen an, der gerade versucht, den berühmten „goldenen Boden“ (des Handwerks) zu bestellen.


Die Sozialdemokraten kennen diese Problematik. Die sind ja nicht doof. Deshalb werden in dem besagten Antrag fröhlich viele, viele teure Forderungen zum besseren Gelingen aufgestellt. Benötigt würden „Berufsausbildungs-Campusse“, ausgestattet mit „multiprofessionellen Teams“. Darunter verstehen die Sozis: Schulsozialarbeiter, Schulpsychologen, Ansprechpartner der Jugendberufsagentur, des Jugendamtes - ja, alle m/w/d - und dann wird’s ein bisschen „verräterisch“: „…oder der Arbeitnehmerkammer“. Nachtigall, ich hör dir trapsen.

Wissen Sie, wer bei der Arbeitnehmerkammer als eine Art Edelreferent für politische Kontakte beschäftigt ist? Dr. Carsten Sieling, 2019 mit 24,9 Prozent (-7,9) krachend gescheiterter SPD-Bürgermeister, der vor seiner Rückkehr ins Arbeitnehmerkammer-Glied den Koalitionsvertrag mit Grünen und Linken federführend ausgehandelt hat. Der Kreis schließt sich in Bremen halt irgendwie immer. Grusig.


Um das Antrags-Elend abzukürzen. Welche Unternehmen (die schon ausbilden, oder die nicht oder ungenügend ausbilden) in den neuen Fonds einzahlen müssen, wie hoch die Gebühr pro fehlender Lehrstelle sein soll, wer wie viele Stellen vorhalten muss, welcher neue Verwaltungs-Moloch - ja, das war jetzt ausnahmeweise mal polemisch:-) - die Abgabe verwalten soll - all das soll jetzt die (arme)  Wirtschaftssenatorin (Kristina Vogt von den Linken) klären. 

Na, die wird sich freuen. So ne Sozi-Torte auf dem Auge zu haben, ist bestimmt ne schicke Sache. Noch was: Alle Azubis sollen natürlich grundsätzlich übernommen werden. Leistung wird ja sowieso gnadenlos überbewertet… 


Übrigens: Die Sozialdemokraten waren beim Formulieren ihres Antrages dermaßen Glücks-trunken, dass sie sich (wie im Rausch) gleich noch weitere schicke Forderungen ausgedacht haben: Bremen soll auf Bundesebene eine „Mindestausbildungsvergütung“ für Lehrlinge durchsetzen. Und weil das erwartungsgemäß nicht so gaaanz einfach sein dürfte, schlagen die Bremer Sozen vorsichtshalber eine „Landesmindest-Ausbildungsvergütung“ in Höhe von monatlich 861 Euro vor - soviel wie der Bafög-Höchstsatz.
Ein Blick in die Statistik des „Bundesinstitut für Berufsbildung“ fördert freilich zu Tage: Die durchschnittliche Ausbildungsvergütung beträgt in Bremen (Stand 2020) durchschnittlich 965 Euro. Zum besseren Einordnen dieser Zahl: Im mit vermutlich deutlich niedrigen Lebenshaltungskosten (haha) gesegneten Hamburg gibt’s: 963 Euro. Niedersachsen: 958 Euro; NRW: 946 Euro; Hessen: 953 Euro; Brandenburg: 934 Euro. Lediglich Baden-Württemberg sticht mit 1.017 Euro heraus.
Höre ich da jetzt etwa einige Sozialdemokraten, die sich gerade fragen, ob sie das richtige Pferd reiten?


Wundersamerweise haben die Sozialdemokraten in ihrem Antrag  einen anderen, neuerdings in Bremen wichtigen Aspekt vergessen: Ich finde, nach der Inthronisierung einer öffentlichen Pop-Beauftragten, eines Tierschutz- und einer Polizei-Beauftragten sollten wir uns ruhig - bevor Bremen ganz pleite ist - noch einen Landes-Ausbildungs-Beauftragten leisten. Immerhin: Das hat  nicht jeder, also kein anderes Land.


In Hessen würde man jetzt sagen: Isch bin mit de Nervve ferdisch… (mit den Nerven fertig - also: Am Ende meines Verständnisses).


Deshalb noch das zu Beginn versprochene Sprach-„Dessert“: Auf Seite 8 des Antrages an den SPD-Landesparteitag findet sich folgende wunderschöne Formulierung: „Um am Zahn der Zeit zu bleiben…“ Und ich dachte, es hieße: „Der Puls nagt an der Bildung“ - oder so ähnlich. Ich weiß, das war jetzt eklig. Aber irgendwie muss man ja schließlich zehnseitige Anträge verdauen…


Bleiben Sie munter!

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller

Kessel Buntes: Senats-Fettnapf-Queen / Abgehängter Hafen / Rettet Neumann die Sixdays?  (15. 5. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser, vorab - also vor dem Start - ein paar Sätze zu den zurückliegenden Wahlen: Die FDP kriegt’s gerade knüppeldick ab. Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Im Gegenteil: Selber schuld. Das Geheule in der Berliner FDP-Zentrale ist groß. Dabei liegen aus meiner Sicht einige Gründe auf der Hand. Die FDP entwickelt sich zur Nein-Sager-Partei mit Freiheits-Anstrich: Sie ist gegen ein Tempo-Limit, gegen (aus meiner Sicht) vernünftige Corona-Politik, gegen Überarbeitung von Erbschafts- und Vermögenssteuer - aber für immer neue Schulden, ohne die laufenden Ausgaben auch nur einmal auf den Prüfstand zu stellen. 

 

 

So, genug der Gedanken zur Bundespolitik, hin zum Bremischen

 

Liebe Leserinnen und Leser, heute wird’s mal wieder bunt, möglicherweise werden Sie am Ende sogar denken: kunterbunt. Sie kennen das ja schon: Der Themenhof steht voll, muss mal wieder gekehrt werden. Los geht’s. 

 

Solange die Grüne Dr. Maike Schaefer dem Senat angehört, lässt es sich leider nicht vermeiden, dass ich Ihre Leidensfähigkeit immer mal wieder aufs Neue auslote. Dabei verspreche ich Ihnen hoch und heilig: Ich habe diese Grüne Frau nicht auf dem Kieker. Es ist bloß so, dass Schaefer mittlerweile unumstritten die Fettnapf-Queen des Bremer Senats ist. 

 

Ich gebe Ihnen die Chance, den aktuellen „Fall“ selbst zu beurteilen, indem ich die Quelle des Leidens offenlege. Die Freie Hansestadt Bremen, Untertitel „Rathaus Bremen“, unterhält auf dem Portal LinkedIn einen eigenen Kanal. Dort können Sie das Elend Wort für Wort selbst nachlesen. 

 

Genug der Vorrede. Die Rahmenfakten: Einmal im Jahr treffen sich  Mitglieder des Senats mit führenden Vertretern der Handelskammer zum Meinungsaustausch. Der Bürgermeister - aktuell Dr. Andreas Bovenschulte (SPD) - und der Präses - aktuell Eduard Dubbers-Albrecht - sprechen dann zusammen mit ihrem jeweiligen Gefolge über Themen, welche die Wirtschaft bewegen und von der Bremer Politik beeinflussbar sind. 

 

Kürzlich war’s wieder mal soweit. Bovenschulte und Dubbers-Albrecht äußerten sich auf dem Rathaus-Kanal anschließend staatsmännisch/staatstragend. Wie gut und wichtig es doch sei, sich auszutauschen. Und, dass diese Zusammenarbeit in Bremen etwas ganz Besonderes und deshalb eben so Wertvolles sei. 

 

Veröffentlicht wurden auf der LinkedIn-Seite auch Statements der mit am Tisch sitzenden Umwelt- und der Wirtschaftssenatorin. Und wer hat dabei mal wieder den Vogel abgeschossen? Zu einfache Frage, sagen Sie jetzt? Mag sein. Ich „verrate“ es trotzdem: „Unsere“ Umwelt-/Mobilitäts-/und-sonst-noch-was-Senatorin Dr. Maike Schaefer

 

Sie verewigte sich auf dem Rathaus-Account mit den nun folgenden Sätzen (die ich ungekürzt inklusive der Schaefer-eigenen Hervorhebungen zitiere). O-Ton Umweltressort-Chefin: 

 

„Es ist mir wichtig, dass wir als Bremer Stadtgesellschaft den Angriffskrieg Putins auf die Ukraine gemeinsam auf das Schärfste verurteilen. Zugleich ist es natürlich auch unsere Aufgabe, Bremen versorgungssicher und unabhängig von russischen Energieimporten aufzustellen. Das wird uns nur mit dem massiven Ausbau regenerativer Energien gelingen, wo auch die Bremer Wirtschaft in den Bereichen Photovoltaik und auch Windkraftanlagen speziell in Gewerbegebieten gefragt ist. 

Das Thema Photovoltaik gilt natürlich auch für die Innenstadtentwicklung, insbesondere bei größeren Bauprojekten. Zusammen mit dem künftigen Ausbau zusätzlich durch Wohnen, Gastronomie oder Kultur und einer klaren Verkehrswende können wir unserer City und unserer Stadt dann eine wahrlich nachhaltige Stärkung attestieren.“ 

Senatorin 

Dr. Maike Schaefer 

 

Diese Senatorin ist wirklich immer (mal wieder) ein Angriff auf die Lachmuskeln! Da „gelingt“ es dem Bremer Staat innerhalb der ersten drei Jahre der rot-grün-roten Regentschaft, auf den unzähligen staatseigenen Gebäuden e i n e einzige Photovoltaikanlage installieren zu lassen, und dann besitzt die zuständige Umwelt-Senatorin die Kühnheit, die Wirtschaft aber so was von in die Pflicht zu nehmen. Hammer! 

Das muss du erst mal bringen! 

 

Mir kam spontan ein Spruch meiner badischen Schwiegermutter in den Sinn: Kei Zahn im Muul, aber La Paloma pfiffe.“ 

Auf Hochdeutsch: „Kein Zahn im Mund, aber La Paloma pfeifen.“ 

 

Und sage mir jetzt niemand: Vor der Installation von Photovoltaik-Anlagen müsse man ja erst einmal ganz genau untersuchen, welche Dächer sich dafür eignen. Immerhin befindet sich das Bremer Umweltressort seit 2007 ununterbrochen in Grünen Händen. 

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Nun zu einem Thema, dessen Brisanz und Bedeutung möglicherweise noch nicht ausreichend vielen Hansestädtern  bewusst ist: Der technologische Ist-Zustand des Hafens. Bremen plustert sich gerne immer noch als „weltoffener Hafenstandort“ auf. KPMG-Gutachter haben jüngst eine vernichtende Analyse unserer bremischen „Lebensader“ veröffentlicht. Die Experten: Die bremischen Häfen hinken auf dem Feld der Digitalisierung hinter ihren Konkurrenten Hamburg, Rotterdam und Antwerpen - jetzt müssen Sie wirklich tapfer sein - um „fünf bis zehn Jahre“ hinterher

 

Liebe Leserinnen und Leser, können Sie diesen nahezu zukunfts-tödlichen Befund, diesen unglaublichen Brocken, einfach runterschlucken? Wenn ich an die Entwicklung der weltweiten Schifffahrt und an unser offensichtlich extrem rückständiges Bremen denke, wird’s mir ganz anders. 

 

Während die europäischen Konkurrenten das Anlaufen, Festmachen im Hafen, Entladen, Beladen, Betreuen, Weitermelden an den nächsten Anlauf-Hafen der Ozeanriesen mit digitaler Hilfe bis hin zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz be- und vorantreiben, zehren wir an der Weser noch immer genüsslich von der Besonderheit, dass europaweit der erste Container in Bremen entladen wurde. Leute, aufwachen: Das war 1966! Wer sich in der wohligen Gemütlichkeit der Vergangenheit suhlt, dem kann leicht der Blick für Notwendigkeiten und für Chancen der Zukunft verloren gehen. 

 

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So, liebe Leserinnen und Leser, bis hierher war’s - wie man in Bremen sagt - starker Tobak, mit dem ich Sie möglicherweise gequält habe. Deshalb jetzt ein leichtes, fröhliches, für den Bremen-Tourismus gleichwohl nicht zu unterschätzendes Thema

 

Die Macher der Sixdays hatten einen nahezu genialen Einfall: Die Mixtur aus Party und Sport wird im kommenden Januar auf vier Tage eingedampft. Motto: Weniger ist mehr. Super. Der Auftakt-Donnerstag, der stets mit Unmengen Freikarten angekurbelt werden musste, entfällt. Freitags kommt bei vielen Menschen einfach leichter Feierlaune auf. Und das Dienstags-Ende wird auf Montag vorgezogen. Klasse! Der sogenannte Friseusen-Tag (darf man vermutlich weder denken noch sagen! Also: Haar-Kreative, bitte nicht sauer sein!) wird durch das sportliche Highlight des Schluss-Spurtes der Rennfahrer aufgewertet

 

Ein Problem lässt sich freilich nicht einfach wegkürzen: Bremen ist zwar eine lebenswerte Großstadt mit provinziellen Charme. Sie verfügt aber - anders als Hamburg oder Berlin - weiterhin über nahezu keine Promis; jedenfalls solche, die über ausreichend exhibitionistisches Potenzial verfügt, um sich im Hallen-Oval begaffen, sorry, bewundern zu lassen. „Echte’“ Promis müssen stets für teuer Geld eingekauft werden. Aber, Geistesblitz vom ollen Schuller: Vielleicht kann Bernd Neumann - ist mit seinen 80 Lenzen immer noch Präsident der Filmförderungsanstalt, also so was wie der Pate des deutschen Films - einige „seiner“ Stars, notfalls auch Sternchen, mit freundlichen Worten an die Weser lotsen

 

Ach, und noch was, liebe Sixdays-Macher! Bitte schreiben Sie in den Verträgen mit den fürs Vergnügen zuständigen Pächtern vor: Der Abbau der Stände und Bühnen darf erst beginnen, wenn am Montagabend die (aller)letzten Gäste gegangen sind. Keine Minute früher! Die Dienstagabende waren in der Vergangenheit in den Nebenhallen sowas von ungemütlich, ja unerträglich! Da kam bloß Depri-Stimmung und sonst gar nichts auf. 

 

Am schönsten - noch so’n vielleicht abseitiger Wunsch - wäre es übrigens, wenn die Sixdays unter dem Strich mal wieder Geld verdienen - statt verbrennen würden… 

 

Bleiben Sie munter! Wir sehen uns hoffentlich spätestens bei den Sixdays. 

 

Herzlichst 

Ihr as 

Axel Schuller 

 

 

 



Anti-Politiker Meyer-Heder will Chef bleiben - derweil wird Imhoff Montag CDU-Spitzenkandidat (12. 5. '22)

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Wie sag' ich’s (m)einem (Polit-)Kinde? Tja, das ist heute eine durchaus schwierige Eingangsfrage. Sie, geneigte Leserinnen und Leser, wissen natürlich, dass ich bei keiner, aber wirklich keiner Bremer Partei die Finger in der Suppe habe. Gleichwohl treibt mich das eine oder andere Thema in dieser Stadt um. Keine Bange: Umweltsenatorin Schaefer hat heute in meinem Blog frei :-).


Also, wie Bremer sagen: nützt ja nix. Deshalb vorab die Zusammenfassung: Carsten Meyer-Heder, kann bekanntlich nicht Politik, will aber am 21. Mai partout wieder CDU-Landesvorsitzender werden. Warum bloß? Am Erfolg kann’s nicht liegen. Hat sich die Bremer CDU bereits jetzt, ein Jahr vor der kommenden Bürgerschaftswahl im Mai 2023, aufgegeben? Darüber wird der CDU-Landesvorstand am kommenden Montag (16. Mai) beraten - und übrigens Bürgerschafts-Präsident Frank Imhoff zum Spitzenkandidaten küren.


Nun die Langversion: Carsten Meyer-Heder, agiler IT-Unternehmer, Mann mit geschäftlichen Visionen, auch in der Pandemie-Krise erfolgreich, freundlich, sympathisch, aber in der Politik fehl am Platze - Luft holen - CMH (wie er intern abkürzt genannt wird) hat 2019 als seiteneinsteigender CDU-Spitzenkandidat das damals in Bremen schier Undenkbare geschafft: Er bescherte der Union erstmals in Bremen den Wahlsieg; in Form von mehr Stimmen, als die SPD erhielt. Boah, ej.


Anschließend machten die Linken in dieser Stadt aber, was sie am liebsten tun: Der eindeutige Wahlverlierer SPD, die Grünen und die Linken verabredeten, an der Macht zu bleiben (jedenfalls SPD und Grüne) und schmiedeten eine Koalition. Und, das muss man so sagen, sie haben den Vorteil, dass Corona kam und alle anderen Themen an den Rand drückte. So konnte sich Rot-Grün-Rot bis heute irgendwie dahinschleppen


Und Meyer-Heder? Dieser kurzzeitig so strahlende Wahlsieger machte - politisch - zu wenig. Er überließ Thomas Röwekamp - mit dem die CDU 100pro nicht so viele Stimmen bekommen hätte - den CDU-Fraktionsvorsitz. CMH blieb CDU-Landesvorsitzender, fiel politisch nicht weiter auf und verkündete Anfang 2022: Spitzenkandidat wolle er 2023 zwar nicht erneut werden (seine Firma team neusta sei jetzt wichtiger), aber den Landesvorsitz, den möge er doch behalten. Begründung: Da sei noch viel zu tun, beispielsweise eine Frau als Spitzenkandidatin für die nächste Bürgerschaftswahl zu finden.


Zwischenfazit: Die von ihm ausgeguckte Topfrau (Vorstand bei OHB) hat ihm einen Korb gegeben. Der amtierende Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff wird am kommenden Montag vom Landesvorstand auf den Schild des CDU-Spitzenkandidaten gehoben. Merkwürdig nur: Meyer-Heder will beim CDU-Landesparteitag am 21. Mai dennoch erneut zum Landesvorsitzenden gewählt werden. Und das, obwohl die DNA des Mannes vermutlich kein Gen-Bauteilchen aufweist, das auch nur entfernt der Gruppe der „Polit“-Proteine (ui, ui, Chemie-Gelehrte bitte schnell weiterlesen!) zugeordnet werden könnte. 

Obwohl es ihm (sogar von außen sichtbar) körperliches Unbehagen bereitet, vor einer größeren Menschenmenge (und womöglich auch noch ohne Manuskript) zu reden. (Weiteres finden Sie in meinen Blogeinträgen vom 6.2.2022 und vom 1.2.2022).


Und die CDU? Die lässt ihn gewähren. Gegenkandidaten gibt es - Stand heute - nicht. Warum ist das so? Wie ich höre, hat sich in der CDU mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt: Die Wählerinnen und Wähler wollen alles, aber eines nicht: Streit zwischen Politikern. Da CMH nicht auf das Amt verzichtet, findet sich auch kein anderer Kandidat.


Dazu kommt: Aktuell fällt es selbst 100-prozentigen CDU-Parteigängern - sagen wir’s mal freundlich - nicht ganz leicht, an einen erneuten Sieg im kommenden Mai zu glauben. Und Frank Imhoff, durch das Bürgerschafts-Präsidentenamt in politisch engem Korsett, kann den SPD-Kandidaten Dr. Andreas Bovenschulte nicht so angehen, wie es im Wahlkampf notwendig ist. Also wird er sich - so hoffen die „Schwarzen“ - gut schlagen, aber aller Voraussicht nach verlieren. Die Schuld daran kann man dann gut bei CMH abladen, ihn im Mai 2023 dahin schicken, wo er herkam. Ein freundliches Dankeschön, warme Worte und Tschüss.


Die SPD befindet sich aktuell aus zwei Gründen im Vorteil: Andreas Bovenschulte macht nach außen als Bürgermeister eine passable Figur. Und: Die die SPD hat nach jahrzehntelangem Selbst-Zerfleischen kapiert, dass sie ihrem Spitzenmann nicht ständig Knüppel zwischen die Beine werfen darf. 

Einen dritten Grund hätte ich fast vergessen: Die CDU-Bürgerschaftsfraktion mit ihrem neuen Frontmann Heiko Strohmann verdient häufig nicht den Begriff „Opposition“. Die Christdemokraten ranzen sich teilweise auf nahezu selbstverleugnende Art an die Grünen ran, dass sich die Regierungs-Koalition intern ein Loch in den Bauch lachen dürfte.


Anders ausgedrückt: Union und auch FDP machen es dem rot-grün-roten Bündnis zu leicht. Dabei ist festzuhalten: Dieser rot-grün-rote Senat müsste endlich mal die Bremer Probleme angehen und lösen. Senatssitzungen dürfen nicht länger….


Ach, wissen Sie was? Das ist ein eigenes, lohnendes Thema. Dazu an dieser Stelle demnächst mehr. 


Bleiben Sie munter!


Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller 



Sparkasse Bremen darf die Alten nicht links liegen lassen - Beiräte und SPD motzen bereits (10. 5. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser, heute geht’s in Ihrem (mittlerweile hoffentlich Bremer) Lieblings-Blog schon wieder um Zahlen. Ja, ich weiß, mit dem vorigen Stück über den Bremer Haushalt hatte ich Sie schon damit traktiert.


Heutiges Thema (muss sein): Die Sparkasse Bremen. Das 1825 gegründete Geldinstitut verfügt (wie jede Medaille) über zwei krass gegensätzliche Seiten. Die Bank gehört einerseits bundesweit zur Spitzengruppe der gesündesten und in der Entwicklung am weitest gediehenen Sparkassen. Andererseits gibt es eine (aus meiner Sicht zu) große Gruppe unzufriedener Kunden. Vorstand, nicht gleich aufjaulen! Ich weiß, dass Kundenbefragungen einen Zufriedenheitsgrad von 51 Prozent ausweisen - bis 100 bleibt eine beachtliche Verbesserungs-Lücke


Zunächst zur Habenseite: Vorstandschef Dr. Tim Nesemann und insbesondere sein neuer Chief Digital Officer (CDO) und Vorstandskollege Pranjal Kothari trimmen d a s  Bremer Geldinstitut konsequent/brutal (je nach Sichtweise) auf digital und Zukunft. Die Sparkasse entwickelt sich zu einem Dienstleister, der notfalls auch Produkte anderer Anbieter vermittelt, statt leer auszugehen: Versicherungen, Baufinanzierungen, Fonds, ja selbst Gas und Strom.

Die Folge: Die Sparkasse hat im Pandemiejahr 2021 und trotz der verrückten EZB-Null-Zins-Politik einen Reingewinn von 48 Millionen Euro erwirtschaftet. 24 Millionen davon wanderten in die Rücklagen, so dass das Geldinstitut aktuell über ein Eigenkapital von 884,7 Millionen Euro verfügt. 


Dafür lassen sich die vier Vorstände mit 2,8 Millionen Euro  fürstlich entlohnen. Einfach gerechnet: 700.000 Euro pro Nase. Stimmt so aber nicht, weil der Vorstandschef deutlich mehr erhält, und die drei anderen entsprechend weniger

Nur mal so zum Vergleich: Deutschlands Bundeskanzler, auf dessen Schultern vielleicht doch ein klitzeklein bisschen mehr Verantwortung lastet, wird jährlich mit 314.348,40 Euro entlohnt. (Säße er nicht zusätzlich im Bundestag, wären es rund 254.000 Euro). 

Eigentlich irre, wie wir mit dem Spitzenpersonal unseres Staates umgehen.


Zurück zum Uni-Campus, wo die Sparkasse inzwischen höchstmodern residiert. Der Bremer Marktführer unterhält aktuell noch 60 Standorte der unterschiedlichsten Art. Neben dem Kundenzentrum in der Bahnhofsstraße und der Zentrale an der Uni gibt es 7 Stadtteil-Filialen (15 sollen es werden), personenbesetzte Zweigstellen in unterschiedlichen Stadtteilen und Automatenfilialen sowie „nackte“ Geldautomaten. Deutlich weniger als früher und meist mit erheblich weniger Automaten zum Überweisen und zum Kontoauszüge drucken.   


So, nun kommen wir zum Gegenstück der Habenseite, dem Soll. Zum Umgang der Sparkasse mit jenen Menschen, die sich bislang nicht entschließen können/wollen, ihre Geldgeschäfte online abzuwickeln. Beispielsweise, weil sie Angst haben, dass neben den Rechnern des Bundestages, großer Konzerne oder selbst von Krankenhäusern das Rechenzentrum der Sparkasse gehackt werden könnte. Oder auch, weil sie sich nicht noch weitere PINs, Transaktionszahlen oder sonst was merken möchten. 


Das Zahlenverhältnis: Von den rund 275.000 bei der Sparkasse Bremen geführten Konten werden fast 178.000 digital betrieben.  Umgekehrt bedeutet dies aber auch, dass rund 35 Prozent der Konten n i c h t mit Hilfe des eigenen Computers oder Handys bedient werden. Einige/viele (?) dieser vermutlich als „altbacksch“ angesehenen Kundinnen und Kunden fühlen sich von der Sparkasse so schlecht behandelt, dass inzwischen Stadtteil-Beiräte Osterholz (als Vorreiter) sowie möglicherweise in Findorff, Gröpelingen und Walle die Sparkasse auffordern (wollen), einen Sparkassen-Bus anzuschaffen. So sollen „unterversorgte“ Bremer Gebiete mit Geld und Bank-Dienstleistungen versorgt werden. Selbst die SPD-Bürgerschaftsfraktion ist auf diesen Zug aufgesprungen und fordert die Sparkasse auf, solch ein Gefährt einzusetzen. 


Diese Forderungs-Kulisse müsste der Sparkasse eigentlich hochnotpeinlich sein.


Ist es aber nicht, will man deren Sprecherin glauben. Das Geldinstitut versucht, dem Wunsch nach persönlicher Betreuung - also durch Menschen - auf andere Art als durch Busse oder betreutes Banking nachzukommen.


Inhaltlich hat das Geldinstitut aber offensichtlich Probleme, den an sich umfangreichen Service publik und schmackhaft zu machen. Kern des Angebots für Weiter-Nicht-Onliner: Wann immer man Bankgeschäfte (Überweisungen, Kontoauszüge, Bargeld) tätigen will - kann man dieses telefonisch tun.


Bargeld kriegt man, indem man die Bremer Telefonnummer 1790 wählt und den Wunsch äußert, Bares (max 500 Euro) nach Hause zu erhalten. Kostet freilich heftige 6,50 Euro an Gebühr. Ne Menge Geld, muss man beispielsweise als Klein-Rentnerin erst mal übrig haben. Vorteil: Es kann Ihnen niemand auf dem Weg von der Bank nach Hause die Moneten klauen.

Kontoauszüge schickt die Sparkasse auf Wunsch wöchentlich oder monatlich nach Hause. Achtung: kostet jeweils 85 Cent.


Nun zu den Überweisungen. Ich habe es für Sie, liebe Leserschaft, ausprobiert. Anruf bei 1790. Man kann tatsächlich bis zu 1.000 Euro telefonisch überweisen lassen. Damit nicht Unbefugte Geld von Ihrem Konto auf ein anderes schieben können, werden Ihnen von dem Sparkassen-Mitarbeitern ein paar Fragen gestellt, die nur Sie beantworten können - und ich jetzt bewusst nicht aufzähle. Technisch funktioniert’s

Angesichts immer wiederkehrender Meldungen - erst heute (10. Mai) auf der Titelseite Weser-Kurier - über Lumpen, die sich in Firmen-Systeme hacken, muss man freilich ganz fest darauf vertrauen, dass das Sparkassen-System auch sicher ist. Für Betagte, die von der Polizei permanent vor Enkeltrick und anderen menschlichen Sauereien gewarnt werden, eine Riesen-Herausforderung! 


Bleibt die Frage, ob dieses „Telefon-Banking“ der Ausweg für Helden ist, oder ob die 35 Prozent Online-Verweigerer einfach bloß weiter auf „ihre“ Sparkasse um die Ecke setzen. So hat das Institut in der Vergangenheit schließlich stets für sich geworben.


Die Sparkasse wäre aus meiner Sicht gut beraten, auf dem weiteren, vermutlich notwendigen, Weg ins digitale Morgen die 35 Prozent der (vielen) älteren Kunden nicht verloren zu geben, sondern sie intensiver zu informieren und zu umwerben. Ansonsten könnte sich da etwas zusammenbrauen.


Bleiben Sie munter!


Herzlichst Ihr as

Axel Schuller 


Für die Schreib-Hygiene: Ich bin eines der 684 Mitglieder der Sparkasse, anno Tobak von der Mitgliederversammlung in dieses Gremium gewählt. Seinerzeit war ich noch Chefredakteur des Weser Reports. Aber: Journalist  - mit eigenem, denkendem Schädel - bin ich trotzdem geblieben.   




Kaum zu glauben: 100-Millionen-Loch im Etat, aber der Senat aast mit den Steuergeldern herum (7. 5. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser, jetzt hätt’ ich fast  - „o Gott, o Gott“ - geschrieben. Gerade noch mal die Kurve gekriegt! Dabei muss man inzwischen wirklich gläubig werden, wenn man an den Haushalt des Landes Bremen denkt. Finanzsenator Dietmar Strehl (Grüne) sucht händeringend Geld. Viel Geld. Im 2022er Etat klafft ein Loch von sage und schreibe 100 Millionen Euro. Bei einem Haushalt von rund 5 Milliarden Euro. Und einer Schuldenlast von über 20 Milliarden Euro. Wir nähern uns dem Finanzstatus eines Dritte-Welt-Landes. Und zwar mit Sieben-Meilen Stiefeln…

Sie denken, ich übertreibe. Leider, nein! 


Bevor Sie jetzt aussteigen, „Finanzen sind nicht mein Ding“. „Ach herrje, ständig labern die über Finanzlücken, dabei geht’s doch immer irgendwie weiter“… Also: Bevor Sie gefrustet, überdrüssig oder was auch immer von dannen ziehen: Meine Bitte, mein Tipp: Bleiben Sie dran! Es lohnt sich. Sie werden zeitweise Ihren Augen nicht trauen.

Ich habe Fakten zusammengetragen, wo und wie der Senat und die ihn tragenden Parteien mit unseren Steuergeldern herumaasen. Außerdem habe ich ausgerechnet, wieviel Geld jeder Bürger für die Bürgerschaft aufwendet - im Vergleich zu anderen Bundesländern. Auch, um wieviele Bürger sich ein Bremer Abgeordneter (m/w/d) kümmern muss - und wie viele es anderswo sind.


Liebe Leserinnen und Leser, Sie sehen, ich habe mir an diesem Wochenende viel Mühe gegeben. Das dürfen Sie jetzt ruhig mit ein bisschen Ausdauer honorieren


Zurück zum Finanzsenator. Dietmar Strehl ist an der aktuellen misslichen Lage selbst mit schuld. Er hatte im Dezember 2021 zugelassen, dass die Bremische Bürgerschaft mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linken einen Doppelhaushalt für die Jahre 2022 und 2023 beschlossen hat, der bereits bei Beschlussfassung „Minderausgaben“ in Höhe von 100 Millionen Euro für 2022 und 70 Millionen für 2023 vorsah. 


Einschub: Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) betonte im Dezember 2021 übrigens wie auch andere Politiker von SPD, Grünen und Linken, laut Weser-Kurier: In Corona-Zeiten einen Haushalt aufzustellen, der im Vergleich zum aktuellen in keinem Fachbereich Kürzungen vorsehe, sei "eine große Leistung". Und - Verzeihung - noch großmäuliger: “Das schaffen andere Bundesländer nicht", sagte sie. 


Ich sage angesichts des aktuellen Haushalts-Lochs: Haha, selten so gewiehert, Frau Stahmann!


„Minderausgaben“ nennt man die Gelder, die im Laufe des Haushalts-Jahres eingespart werden müssen, damit der Etat (übrigens trotz neuer Kredite und Zuschüsse vom Bund) überhaupt ausgeglichen dasteht. Aktuell hat Strehl zwar ein Konzept vorgelegt, wie man 80 der 100 Millionen einsparen könnte, aber: Kein einziges Senatsressort will da mitmachen. Keins. Nada. Nullum.


Ich nenne jetzt mal ein paar Dinge, die Bremen viel Geld kosten - und trotzdem gemacht werden. Gerade so, als würde unser Ländchen im Geld schwimmen. Das Dauer-Finanzloch GeNo wird bis zur nächsten Wahl 140 Millionen Euro an Zuschüssen verschlingen. Benötigen wir wirklich alle vier staatlichen Krankenhäuser? Für Asylbewerber wird zehn Jahre lang ein als vier-Sterne-Haus geplantes Hotel am Breitenweg für 820.000 Euro Jahressalär angemietet. Wenige Meter daneben steht das ehemalige Männer-Wohnheim „Papageienhaus“ seit Jahren leer! Für die Erstaufnahme von Flüchtlingen hat Bremen in der Lindenstraße Wohnraum angemietet - Zehn-Jahres-Miete: 34 Millionen Euro. Für die Drogensüchtigen mietet Bremen in Bahnhofsnähe einen „Drogenkonsumraum“. Das klingt nach Container, ist aber eine 1.300 Quadratmeter große Halle. Kosten: 1,3 Millionen Euro pro Jahr. Um die Betreuung der Süchtigen werden sich dort - Achtung, ganz doll am Stuhl festhalten - umgerechnet 11 Vollzeit-Kräfte kümmern.  


Halten Sie es noch aus, können Sie noch ein paar Zahlen verkraften?


Das Gesundheitsressort zieht in einen Neubau mit kaum mehr Bürofläche als jetzt um. Jährliche Kosten - bei 25 jähriger Mietdauer - 1,07 Millionen Euro.

CDU-Finanzexperte Jens Eckhoff quält den Senat aktuell mit einer umfangreichen Anfrage: Nach seiner Kenntnis haben sich teilweise bis zu drei Behörden sowohl in der Überseestadt als auch im Kaffee-Quartier im jeweils selben Gebäude zu jeweils drei unterschiedlichen Raten eingemietet. Man fragt sich ernsthaft: Darf man diesen Behörden und Politikern weiterhin Steuergelder anvertrauen, oder muss mit den Verantwortlichen nicht doch etwas anderes geschehen?


Sorry, aber jetzt kommt noch ein Hammer: Die Senatsressorts verlangen aktuell mal wieder zusätzliches Personal. Begründung: Die Klima-Katastrophe erfordere weiteren Aufwand.

Der Bund der Steuerzahler sagt dazu: „Den von der Bundesbank veröffentlichten Haushaltskennzahlen der Länder (einschl. Gemeinden) für das Jahr 2020 ist zu entnehmen, dass das Land Bremen im Ländervergleich bereits jetzt über die üppigste Personalausstattung aller Bundesländer verfügt. Mit 44,5 Vollzeitäquivalenten je 1.000 Einwohner liegt die Personalausstattung in Bremen nicht nur deutlich über dem Wert sämtlicher Flächenländer, sondern auch beachtlich über den Werten der vergleichbaren Stadtstaaten Hamburg (39,2) und Berlin (41,9). Dies ein klarer Hinweis darauf, dass es in Bremen keinesfalls an Personalstellen mangelt, sondern dass das verfügbare Personal effizienter und wirkungsvoller eingesetzt werden kann und muss.“ Ende des Langzitats des Bundes der Steuerzahler. 


Liebe Leserinnen und Leser, ich hatte Sie vorgewarnt. Wenn Sie jetzt weiterlesen, könnte es Ihnen durchaus passieren, dass Ihnen Ihre Zehennägel hochklappen.  


Ich serviere Ihnen - frei Haus - einige Bremer Kennzahlen im Vergleich zum (kleinsten Flächenland) Saarland und dem größten Bundesland Nordrhein-Westfalen.

 

Land Bremen: 680.130 Einwohner, verfügt über 84 Bürgerschafts- also Landtagsabgeordnete - offiziell Halbtags-Parlamentarier! Abgeordnetendiät: 5154,42 Euro plus 822,53 Euro Zuschuss zur Altersversorgung. Senat: 9 Mitglieder inklusive des Präsidenten des Senats. Landesetat: rund 5 Milliarden Euro. Ein Bremer Abgeordneter ist für 8.097 Bürger zuständig. Jeder Bremer Bürger zahlt jährlich 8,86 Euro für die Bürgerschaft.


Saarland: 983.991 Einwohner, 51 Landtagsabgeordnete. Abgeordnetendiät: 6.238 Euro. Landeskabinett: 7 Ministerinnen und Minister inklusive der Ministerpräsidentin. Landesetat: 5,1 Milliarden Euro. Ein Abgeordneter ist für 19.294 Bürger zuständig. Jeder Bürger zahlt jährlich 3,88 Euro für das "Gehalt" der Landtagsabgeordneten.


Nordrhein-Westfalen: 17,91 Millionen Einwohner. Aktuell 199 (mindestens: 181) Abgeordnete. Diäten: 9.330,22 Euro plus 2.290,29 Euro für die private Altersvorsorge. Kabinett: 15 Ministerinnen und Minister inklusive Ministerpräsident. Landesetet: 87,5 Milliarden Euro. Ein Abgeordneter ist für 90.000 Bürger zuständig. Jeder NRW-Bürger zahlt jährlich  1,55 Euro für die Diäten.



Mögliches Fazit: Würde die Bremische Bürgerschaft auf Saarland-Größe schrumpfen, könnten 33 Abgeordnete entfallen. Allein an Diäten und Altersversorgung könnten 2,37 Millionen Euro gespart werden; plus Büro- und Fraktionskosten.


Auch, wenn’s jetzt schwer fällt: Bleiben Sie munter!

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller














Trotz verständigem Osterholzer Beirat: Der Krieg der Russen ist einfach nur niederträchtig (5. 5. '22)

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Mamamia, es hält mich nicht mehr. Meine Denke ist vermutlich mal wieder politisch nicht korrekt. Ist mir egal! Leider spielt heute die Weltpolitik eine gewichtige Rolle. Die allerdings wirkt bis in den Bremer Stadtteil Osterholz. Überzeugen Sie sich selbst, liebe Leserinnen und Leser.


Der Beirat Osterholz, namentlich alle darin vertretenen Parteien - SPD, CDU, Grüne, Linke und FDP - haben auf Initiative des sonst besonnenen, rührigen Ortsamtsleiters einstimmig eine Resolution zum Krieg in der Ukraine beschlossen.


Und ich sage Ihnen, das Teil hat es in sich. Unglaublich. Der Beirat äußert sich „tief bestürzt über die kriegerischen Auseinandersetzungen“ in der Ukraine. Die brächten großes  Unglück für Frauen und Kinder und Männer, die „auf Seiten der Ukraine und auch der russischen Föderation in einen … Krieg eingebunden sind“. 


Hallo, geht’s noch? „Kriegerische Auseinandersetzungen“ - wer hat denn die Ukraine überfallen? Nachdem Putin wochenlang herumgelogen und von einem Manöver an der ukrainischen Grenze gefaselt hatte. Wer zieht mordend, vergewaltigend, auf niederträchtigste Art durch die Ukraine? Wer verschleppt Menschen, ja sogar Kinder, nach Russland?

Und: Männer “auch der russischen Föderation“ seien in den Krieg „eingebunden“? Die armen Soldaten der Roten Armee. Die werden zu den Gräueltaten gezwungen, oder was? Und: Leider scheint das zur Kriegsführung nach Russen-Art zu gehören: Auch in Syrien und Tschetschenien haben sich russische Soldaten in übelster, menschenverachtender Weise an der Zivilbevölkerung vergangen, haben Kindergärten, Krankenhäuser, Wohnblocks teils mit geächteten Waffen unter Beschuss genommen.

Och menno, ich vergaß: Die armen Rot-Armisten können gar nicht anders, weil die das schon immer so gemacht haben… Ich kann’s nur so platt sagen: Pfui Teufel


Das bestimmt gut gemeinte Beirats-Traktat geht aber noch weiter. Man solle in Osterholz lebende Menschen mit russischen Wurzeln „nicht für das Verhalten und Handeln von Herrn Putin in Haftung nehmen“. Und wer in Osterholz russisch spreche, dürfe nicht diskriminiert werden. Schließlich gebe es bei uns ja auch Menschen aus der russischen Föderation, die in Bremen gegen den Krieg in der Ukraine protestierten.


Ja, die gibt es. Aber es gab auch Bremer Russen, die partout einen pro-Putin-Autokorso an der Weser veranstalten wollten. Ausgerechnet am kommenden Sonntag, dem 8. Mai! (Für historisch nicht so Interessierte: Das Datum 8. Mai 1945 war der Tag der Befreiung Deutschlands vom Faschismus). 


Und Leute, wir sollten uns endlich von der Irrsicht verabschieden, dass „Herr Putin“ der einzige russische Gangster ist. Der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche - der angeblich auf eine Gefolgschaft von 70 Prozent aller Russen zählen kann - unterstützt den Krieg gegen die Ukraine. (Ja, ich weiß: Dazu kommt die staatliche Propaganda. Und ja, ich weiß, die katholische und evangelische Kirche haben sich im Nazi-Reich auch nicht mit Ruhm bekleckert.) 


Nochmal nach Osterholz: In dieser Beirats-Resolution wird mit keinem Wort erwähnt, dass beispielsweise Autos mit ukrainischen Kennzeichen in Bremen (von Unbekannten) demoliert wurden. 


Break 


Einzige Teil-Entschuldigung für dieses Beirats-Werk: Es wurde bereits in der ersten Kriegs-Woche verabschiedet. Und zwar aus der verständlichen Sorge der Ortspolitiker heraus, die rund 4.800 russisch sprechenden Menschen in Osterholz könnten für den Krieg in der Ukraine verantwortlich gemacht werden. Allerdings waren Beirat und Ortsamtsleiter so stolz über ihren Resolutions-Geistesblitz, dass sie das Teil an andere Beiräte zur Nachahmung weiterleiteten - und bis heute nicht zurückgezogen haben.


Was mich endgültig wirklich zornig macht: Putins Mehrheits-Russen lassen aktuell 400.000 Tonnen Getreide aus ukrainischen Lagern abtransportieren. Was ist das für ein widerlich brutales Gehabe eines Landes

Man kann es aus den Geschichtsbüchern kennen: „Herr“ Josef Stalin ließ 1932 Getreide aus der Ukraine klauen, mit der Folge, dass dort etwa vier Millionen Menschen jämmerlich verhungerten

Und der Beirat Osterholz meint… - ich sag jetzt nix mehr.



Bleiben Sie bitte - irgendwie - trotzdem munter!

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller  


Teilweise wütende User-Kommentare auf der WK-Instagram-Site zur Martinistraße (2. 5. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser,

heute mal wieder etwas Neues in "Ihrem" Blog „Bremen so gesehen“. Die heimische Tageszeitung neigt nach meiner Einschätzung dazu, die Themen Innenstadt-Entwicklung und verkehrliche Erschließung häufig durch eine grün-rosa-Brille zu betrachten. Einige (viele?) Leserinnen und Leser der Zeitung, haben möglicherweise eine andere Sicht

Zu finden beispielsweise auf dem Instagram-Account des Weser-Kurier. Eigenwerbung auf dieser WK-Site: „Was in Bremen und umzu wichtig ist, lest ihr hier.“ Oha, große Worte. Nimmt die Print-Redaktion diese Seite eigentlich auch wahr?


Damit Sie, liebe Blog-Leserinnen und Leser, sich jetzt nicht die Mühe machen müssen, diesen Auftritt zu besuchen, beschäftige ich mich heute damit. Stets zu Ihren Diensten, liebe Leserschaft :-))


Ich habe auf der WK-Insta-Site zum seit Monaten heiß diskutierten Thema Verkehrsversuch Martinistraße nachgeschaut. Diese WK-Redaktion beschreibt den ganzen „Salat“ und endet: „Wir haben noch einmal einen Blick zurückgeworfen und zeigen euch die interessantesten Bilder der letzten acht Monate. 

„Bremen so gesehen“, liebe Leserinnen und Leser, zeigt Ihnen jetzt keine wohlfeilen Bilder von der wunderbaren Surfwelle, Konzerten und Wachtürmen, sondern einen Ausschnitt aus User-Kommentaren von der Weser-Kurier-Instagram-Seite. Und die haben es teilweise in sich. 


Polemischer Einschub: Ach, wäre es schön, wenn sich die Redaktion der Print-Ausgabe mal auf Instagram tummeln und feststellen würde, was Nutzer und Nutzerinnen der eigenen Site über „Transformartini“ so denken… 


Es müsste die Köpfe einiger Redaktionsmitglieder und insbesondere den der Chefredakteurin zum qualmenden Nachdenken bringen. 

Müsste, aber wir leben ja in Bremens Monopol-Landschaft des immer mal wieder „Uneigentlichen“


So, nun können Sie, liebe Leserinnen und Leser des Blogs bremensogesehen.de, in die Gedankenwelt von WK-Insta-Usern eintauchen.


Ich zitiere, habe aber die Profil-Bilder der Kommentatoren und Kommentatorinnen weggelassen. Es schreiben:

"claus.s_51
Steuerverschwendung in Bildern.

bea_bremen
Dieser Verkehrs'versuch' ist von Inkompetenz und Geldvernichtung gekennzeichnet.


 kapitanimhafen
Bullerbü in einer Großstadt. Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Nie traf der Spruch besser zu.



gerhardsw495
Punkt 5 war von Anbeginn unter allen Beteiligten konsensfaehig. Die 1,3 Mio. Steuergelder sind sinnlos verbrannt worden 👎🙈


 hartmflo
Hat die meisten nur genervt oder ?

hochleistungsvideothekar
Verkehrsversuch? Eher verkehrsfiasko 🤷


kinjelo1
Einfach nur ne Katastrophe was da abging…



 katja_kanning
lieber dort die Straßenbahn...


andr_praha
Den finanziellen Schaden sollten die verantwortlichen Politiker selber bezahlen!

michael81hb
Mit dem Geld, was das gekostet hat, hätte man echt was sinnvolleres machen können! Was für eine Verschwendung für so einen Blödsinn!

butenbrema
Und auf 3.. 2.. 1.. kommen alle Verkehrsspezialisten bei Nacht, die zwar keine Ahnung haben, aber aufgrund des Konsums der Bild-Zeitung und ähnlichem denken irgendwas über dieses Thema zu wissen 😁 ---> jetzt:

holgerkauffeld
Ich kann den Kommentaren einfach nur zustimmen, immer nur StopandGo , "super" für was weiß ich. Mir wird einfach nur übel… Übel, übel fand der Dübel und verschwand in der Wand...😂

dani_ruch
Schade um das Geld

petraafflerbach
🤮

andree_klostermann
Eindeutig zu viel Grüne Politik in Bremen... Wie kann eine Stadt sich insbesondere für Auswärtige so unattraktiv machen? Natürlich muss der Autoverkehr in einer Stadt wie Bremen vernünftig geregelt werden, aber doch nicht in dem Hauptverkehrsstraßen verkleinert und dadurch der stop and go verkehr
 
jassix82
So ein Schwachsinn...🙄🙄🙄

nordlicht.2019
Kann man da endlich wieder normal durchfahren?


ruediistaufreisen
Geldverschwendung in Bildern… Hier wird Inkompetenz sichtbar!
 
 
sebastianfbg

Tolles Projekt, gerne mehr davon in Bremen 👏
 
 speedlinkde
KINDERGARTEN!

rene.buechel
Also diese Fahrradstraße..😂🤦‍♂️

slicerplayer
Tempo 20 !!!!!! In der Martinistrasse. Sowas von daneben. Zufahrtswege in die City müssen attraktiver werden. Eben NICHT überall Tempo 30 sondern normaler 50 Stadtverkehr und attraktive Parkmöglichkeiten. Dann mag man auch mal wieder in die City fahren und nicht in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln.


stefanie_6502
Wir haben die Weserpromenade, den Osterdeich und die Wallanlagen um die ganze Innenstadt herum. Ich habe es nicht so ganz verstanden, warum man nun ausgerechnet in der Steinwüste verweilen soll. 

Ich bin für mehr Platz für Fahrräder und Öffis. Das Auto kann sich gerne dünne machen.
 
 snemelck
Unglaublich, in Bremen Nord brauchen wir teilweise Geländewagen, weil die Straßen derart kaputt sind und nur Notdürftig geflickt werden


 oberst_skrtl
Grüne Steuergeldverschwendung. Politiker die Steuergelder mutwillig oder aus Dummheit verschwenden gehören in den Knast sonst wird das nie enden.

dennisdufeu
Schlimm!!!! … und lächerlich!!! 😂😂😂“

Soweit User-Kommentare von der WK-Instagram-Site.


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Liebe WK-Redaktion

möglicherweise lohnt es sich auch für Sie, die eigene, verkaufte Print-Auflage im Blick zu behalten und darüber nachzudenken, ob die Zeitung mit einem erweiterten Blick auf Vorkommnisse und Fakten in Bremen doch noch den Trend zur sinkenden Auflage drehen oder zumindest abbremsen kann. 

Obgleich Gabor Steingart (Media Pioneer) die Gattung der gedruckten  Zeitung gerade feinsinnig als „die Höhlenmalerei des Mediengeschäfts“ charakterisiert hat.  


Die verkaufte WK-Auflage im Quartal 1/2022 (jüngst bei ivw veröffentlicht) beträgt 118.837 Exemplare (inkl. 17.563 ePaper). 

Im 1. Quartal 2021 waren es noch 123.447 verkaufte Exemplare, inkl. 17.040 ePaper. Das kann nicht nur an wegsterbenden Abonnenten liegen.

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Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller
 



Integrationsministerin Stahmann übergeht Senat und fordert Asylrecht für Klimaflüchtlinge (29. 4. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser, speziell Grünen-Wähler und Sympathisantinnen unter Ihnen: Versprechen Sie mir bitte, nicht aus dem Text auszusteigen. Auch, wenn Sie denken sollten, der alte, weiße Mann ist so einfühlsam wie ein Boxsack. Bin ich nicht! Und wenn Sie über Ihre Entsetzens-Klippe hinweg gesprungen sind, können Sie meine Sicht vielleicht ein bisschen besser nachvollziehen. Bitte, geben Sie mir eine Chance.


Meine These: Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) weiß entweder nicht, was sie verbal so vom Stapel lässt. Oder aber, bald noch schlimmer: Sie macht auf Landesmutti, ist tatsächlich aber zutiefst abgebrüht.


Wie ich dazu komme? Radio Bremen hat mich am Donnerstagmorgen mit einer Meldung mal wieder an der (Politiker-)Welt zweifeln lassen. Die Überschrift lautete: „Auch Klimafolgen sollen Asylgrund sein.“ Urheberin dieser unglaublichen Zeile war jene Anja Stahmann. Zusammen mit Brandenburg wolle sie dafür sorgen, dass Menschen, die ihre Heimat wegen des Klimawandels verlassen müssten, Asyl bekommen.


Was der Heimatsender anschließend versemmelt hat, war ein Teil der Fakten. Radio Bremen meldete, „Bremen bringt diese Forderung in die Konferenz der Integrationsminister ein.“ Und: Das Bundesland Bremen fordert eine Änderung des Asylrechts, um die Folgen des Klimawandels als Fluchtgrund anzuerkennen.“ Die Deutsche Presseagentur (dpa) - bislang Hort seriöser Meldungen - intonierte ähnlich lautend. Die vermeintlich korrekte Meldung landete umgehend im Weser-Kurier vom heutigen Freitag. 


Tatsache ist: Sozialsenatorin Stahmann hat diese Forderung jüngst in die Runde der am Mittwoch und Donnerstag in Hamburg tagenden Integrationsminister eingebracht. Nicht aber Bremen! Der Senat hat sich mit dem Thema weder beschäftigt, geschweige denn je darüber abgestimmt. Das war mit Minimal-Aufwand, nämlich einem Anruf, zu klären. Hab sogar ich oller Rentner noch hingekriegt.

Den Hammer zu dem Thema - verspreche ich Ihnen schon jetzt mal - zum Schluss!


Liebe Grünen-Wählerinnen und -Wähler, mir ist bewusst, dass die frühere Öko-Partei bei der Bürgerschaftswahl 2019 unglaubliche 17,4 Prozent der Stimmen erhalten hat. Bei der Bundestagswahl 2021 waren es in einigen Stadtteilen - wie Schwachhausen - sogar rund 30 Prozent.


Ich sage trotzdem: Frau Stahmann redet entweder dummes Zeug, oder aber sie will ihre Gefolgschaft - und das wäre abgebrüht - mit Appellen ans Gute in den Menschen für die kommende Bürgerschaftswahl 2023 ein bisschen froh stimmen. Wohl wissend, dass die Forderung - zumindest im Kreis der noch ernstzunehmenden Länderchefs und Chefinnen - keine Mehrheit finden wird. Stahmanns Fensterrede dürfte inzwischen wieder an einem sicheren Ort - zwischen zwei Papp-Deckeln - gelandet sein. 


Leute, es macht mich kirre, wenn Politiker zwischendurch nach Bullerbü, oder zumindest nach Wolkenkuckucks-Hausen ziehen. Statt sich um die aktuellen Probleme zu kümmern. 


Frau Stahmann ist eine freundliche, den Menschen zugewandte Frau. Die „liebe Anja“ (wie sie in ihrer Behörde und bei den Grünen genannt wird) ist Katzenliebhaberin und zeichnet in ihrer Freizeit nette Cartoons. Das macht sie wirklich fein.


Schauen wir uns jedoch einmal in der bremischen Realität um: Bremen hat gerade jetzt alle Hände voll damit zu tun, für die inzwischen über 7.000 Flüchtlinge aus der Ukraine Wohnraum aufzutreiben. Den Unterricht der vielen ukrainischen Kinder zu organisieren. Die Kitas entsprechend auszustatten. Den geflüchteten Erwachsenen Arbeit zu vermitteln. Sich perspektivisch um die Ausbildung halbwüchsiger Jugendlicher aus der Ukraine zu bemühen. 


Und dann kommt, sorry, Mutti Stahmann daher und spricht frauhaft unser derzeit „drängendstes“ Problem an. Die Senatorin erhebt Deutschlands Verantwortung für Klimaflüchtlinge zum Konferenzthema. Unser hochindustrialisiertes Land mit einem deutlichen überdurchschnittlichen Treibhausgas-Ausstoß, so die Grüne, müsse sich ganz besonders um die vor Klimakatastrophen Fliehenden kümmern. Laut UN würden dies bis 2050 weltweit mehr als 200 Millionen Menschen sein. 

Als Quelle zitiert Stahmann den UN-Menschenrechtsausschuss, mithin ein Gremium, das stets viel fordern kann und nix in der Praxis umsetzen muss.


Liebe Grün-Wählerinnen, Grün-Fühlenden, Menschen mit großem Herz: Ja, wir, denen es im Vergleich zu der riesigen Mehrheit der Weltbevölkerung fast schon obszön gut geht, wir können nicht allen Menschen helfen. Zumal ja nicht nur den Ukrainern Fürsorge zuteil werden muss, die vor dem von Russen angezettelten Krieg fliehen. Sondern auch Afghanen, die vor den irren, menschen-verachten Taliban flüchten. Die stehen bei den Bremer Linken und Grünen ebenfalls ganz oben auf der to-do-list des sozial Notwendigen.


Damit Sie, liebe Leserinnen und Leser, jetzt nicht meinen, bloß ich sei so ein herzloser Mensch mit Blick für die Realität, zitiere ich an dieser Stelle einen wirklich guten, honorigen Menschen: „Das Herz ist weit, doch unsere Möglichkeiten sind endlich.“ Ja, richtig, Sie haben’s natürlich erkannt. Der Autor dieser Worte war nicht nur Pfarrer, sondern von 2012 bis 2017 Bundespräsident unseres Landes: Joachim Gauck.


Wollten wir auch Klimaflüchtlingen den besonderen deutschen Asylstatus zusprechen, wen wollen wir dann außerdem noch ins Herz schließen? Unser Sozialstaat, Frau Sozialsenatorin Stahmann, steht gerade bekanntlich auf nicht so ganz richtig festem Fundament. Hierzulande wird mittlerweile Rentnern der Zuschuss zur warmen Behausung verwehrt. 

Wollen Sie, Frau Stahmann, alle Geschundenen, Unterdrückten, Unglücklichen zur Übersiedlung einladen? Bitte bedenken Sie: Die Liste von Horror-Ländern der unterschiedlichsten Art wird ständig länger.


So, und nun - weil Sie so tapfer durchgehalten haben - zum Schluss der Hammer: Die Integrationsministerinnen haben den Stahmann-Antrag während der jüngsten Konferenz in Hamburg mit 13:0 Stimmen angenommen. Es gibt eben doch noch gute Menschen…


Bleiben Sie munter!

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller

Bürger fühlen sich von Senatorin "verarscht" / Polit-Dampfplauderer und zu schnelle StraBas (26. 4. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser, heute mal wieder ein Ritt über einzelne Politik- und Gesellschaftsfelder. Los geht’s, festhalten!


Wahnsinn! Bremen, Untere Rathaushalle: Eine Ansammlung von - meiner Einschätzung nach - überdurchschnittlich denkenden und engagierten Menschen. Einige davon - zumindest früher - dem Grünen Gedankengut gegenüber vermutlich nicht ganz abgeneigt. Und jetzt? Unverständnis, Entsetzen, Verachtung. Hätten Vertreter der  Grünen Basis am Wochenende die Ausstellung von 17 Bürgerinitiativen besucht, sie hätten vermutlich mayday, mayday an ihre Parteioberen/Oberinnen(?) gefunkt. 


Die Initiativen mit sehr unterschiedlichen Zielen, haben eines gemeinsam: Sie haben mit dem Senatsressort der Maike Schaefer zu tun. Und diese Großbehörde hat einen saumäßig schlechten Ruf. Hauptkritikpunkt: Dieses Ressort nimmt stets das Wort Bürgerbeteiligung in den Mund, doch wenn es ernst wird, fühlen sich die Betroffenen an die Seite gedrängt, ungehört, Ja, auch, ich zitiere, „verarscht“. Vertreter der Initiativen berichteten von ungezählten Fällen, in denen die Mega-Behörde der Frau ungeliebten Senatorin - SKUMS abgekürzt - „sowieso gemacht hat, was sie wollte. Der mittlerweile verfestigte Eindruck: Bürgerbeteiligung läuft immer so lange, wie die Menschen der Grünen SKUMS-Behörde nicht in die Quere kommen.

Jüngstes Beispiel: Die Senatorin kündigte vor zweieinhalb Wochen in einem WK-Interview an, die Platanen am linken Weserufer in Höhe des Teerhofes müssten auf jeden Fall gefällt werden. Dabei war für die laufende Woche noch ein „runder Tisch“ mit jener Bürgerinitiative anberaumt, welche die Bäume retten möchte. Die Bürgerinnen und Bürger waren so sauer, dass sie den Gesprächstermin absagten.


Übrigens: Worüber man sich als Normalsterblicher nicht so unbedingt Gedanken macht: Will eine Bürgerinitiative sich bei Behörden Gehör verschaffen, muss sie meist für teuer Geld und auf eigene Kappe gutachterlichen Beistand und juristischen Rat einkaufen. 

Während der beiden Tage der Initiativen in der Unteren Rathaushalle wurde auch immer wieder die Frage nach der fachlichen Eignung von Politikerinnen und Politikern laut. Insbesondere das häufige „Abnicken“ von Bebauungsplänen in Deputationen und im Parlament ist den Frauen und Männern ein Dorn im Auge.


Offenbar nimmt dieser Politiker-Typus, der sich auf die Vorarbeit der Behörden verlässt, rasant zu. Diese Spezies ist häufig in jenen parlamentarischen Gremien anzutreffen, die über Bebauungspläne, Verkehrsplanungen etc. zu befinden haben. Leider entsteht vermehrt der Eindruck, dass Abgeordnete Behörden-Pläne durchwinken, ohne sich ein eigenes Bild von der Wirklichkeit in den betreffenden Straßen zu machen. Beispiele: Geplanter Rückbau der Martinistraße und Einbahn-Regelung auf dem Wall zugunsten eines überflüssigen Radweges.


Ich frage mich, durchaus anklagend: Haben sich die Beteiligten, also Planer, Behördenmenschen, Politiker (inklusive der zuweilen leider nur sogenannten Opposition) und die stets auf Mitsprache bedachte Handelskammer auch nur ein einziges Mal vor Ort informiert? Wenn ja, hätten alle Beteiligten feststellen können/müssen, dass der gemeine Bremer Radfahrer und Radfahrerin - auf Hügel nicht bgerade erpicht - den Wall meidet und durch die Anlagen am Wallgraben fährt. 


Ähnliches gilt für die Martinistraße. Welcher Entscheider hat sich die Auswirkung der aktuell einspurigen Regelung pro Fahrtrichtung in der Rush-Hour-Praxis angeschaut? Staus, soweit das Auge reicht! Schlimmer Verdacht: Vielleicht will Schaefers Behörde die aus ihrer Sicht assozialen Autofahrer - ungeliebten Raben gleich -  vergrämen.


Bevor ich’s vergesse. Neben diesen super-routinierten Politikern und Funktionären wächst ein weiterer Polit-Typ, der Erfahrungs-schwache Kopf-Politiker, heran. Nehmen wir - als ein Beispiel - Anna Fischer (24). Sie hat Politik- und Kommunikationswissenschaften studiert. Aktuell ist die junge Frau neben Christoph Spehr Vorsitzende der Linken in Bremen. 

Ich gestehe: Menschen wie diese Polit-Akademikerin, lösen in mir Unbehagen und Sorgen aus. Im Interview mit dem Weser-Kurier redet die junge Frau unentwegt - ohne etwas zu sagen. In Redaktionen gibt es für solche Worthülsen-Produzenten einen beliebten Schnack: „Laber, Rhabarber“. 


Diese politisierenden Gerade-Fertig-Studierten sind häufig erschütternd oberflächlich, beherrschen dafür aber das luftig-schaumige Blabla. Furchteinflößend der Gedanke, dass solche Lebens-Theoretiker in absehbarer Zeit Bürgerschaftsabgeordnete und vielleicht viel mehr werden. 

Liebe Leserinnen und Leser, Sie sind ob meines harschen Urteils skeptisch? Dann verschaffen Sie sich bitte einen eigenen Eindruck: WK vom 24. April 2022, Seite 9.


Selbst anzuschauen empfiehlt sich - dann kommen wir zum Ende des wilden Ritts über Politik- und Gesellschaftsfelder - auch dem Vorstand der Bremer Straßenbahn AG. Die Endlos-Debatte über „Straßenbahn in der Obernstraße drinnen lassen oder raus damit“, befeuern täglich, stündlich, manchmal sogar viertelstündlich - unbewusst - die BSAG-Fahrer und -Fahrerinnen selbst. Sie fahren sehr häufig viel zu schnell durch die Obernstraße. Sobald kein Fußgänger vor ihnen auf den Schienen zu sehen sind, schieben sie den Joystick so weit nach vorne, dass ihr tonnenschweres Gefährt auf 30 oder gar 40km/h (jedenfalls gefühlt; ich verfüge über kein Laserradar!) beschleunigt. Glauben Sie mir: Touristen gucken dann sorgenvoll aus der Wäsche, und Einkaufsfeeling kommt nur unter größten Anstrengungen auf. 


Der BSAG-Vorstand hat es in der Hand, Tempo 10, maximal Tempo 15 km/h zu verordnen und die Einhaltung dieser Regel zu kontrollieren. Mimimi-Ausreden werden nicht akzeptiert: Alle Bahnen sind mit dem Zentralrechner digital verbunden! Damit das Fahrpersonal am Ende nicht die Doofen bei der Nummer sind, müssten natürlich die Fahrpläne entsprechend gestrickt werden.


Solange die Bimmelbahn aber so schnell durch die Fußgängerzone heizt, kann man nur raten: Leute, fahrt in die Einkaufszentren oder gleich nach Oldenburg. Da ist's gemütlicher.


Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller

Radio Bremen ist unter Mitarbeitern der beliebteste ÖR-Sender - woran könnte es liegen? (24. 4. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser, heute die bereits angekündigte Fortbildung in Sachen öffentlich-rechtlicher Rundfunk am Beispiel von Radio Bremen - dem angeblich besten Arbeitgeber aller Öffentlich-Rechtlichen. Ich verspreche Ihnen: Sie werden sich heute schon das eine oder andere Mal wundern. Dafür müssen Sie dieses Mal aber auch ein bisschen mehr Lese-Ausdauer mitbringen. 


Bremen, oh du armes Bremen. Dauer-rote-Laterne bei Bildungsvergleichen. Unter allen Ländern die wenigsten dualen Studenten, obwohl die Art der Ausbildung d i e Chance für gesellschaftliche Aufsteiger darstellt. (Wenn das Willy Brandt noch erleben würde). Und: Eine Mobilitätssenatorin, die es eher aufgrund eines merkwürdigen Staats-Verständnisses bis in überregionale Medien schaffte. 


Dann endlich, ein Lichtblick. Radio Bremen. Reiben Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich etwa gerade verwundert die Äuglein? Nicht doch! Der Medien-Fachdienst kress pro (Magazin für Führungskräfte in Medien) hat in Zusammenarbeit mit dem Firmen-Bewertungsportal Kununu Radio Bremen zum „besten Arbeitgeber in der Rubrik TV/Hörfunk öffentlich-rechtlich“ gekürt. Der sogenannte Kununu-Score (so wie bei Hotel-Bewertungen) beträgt 4,34 von 5 möglichen Sternen und mündet in der Weiterempfehlungsrate von traumhaften 100 Prozent

Der kleinste ARD-Sender distanziert den Rest der anderen ÖR deutlich, schreibt kress - „bei allerdings 16 Votings“. Boah, das klingt nach einer verwegen schmalen Bewertungsbasis.


Zu den anderen Sendern: Der benachbarte Norddeutsche Rundfunk wird von den eigenen Mitarbeitern bloß zu 42,3 Prozent weiterempfohlen. Das ZDF schafft 61,1 Prozent. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) kommt mit 93,1 Prozent fast an RB heran. Die noch relativ neue Radio-Bremen-Intendantin, Dr. Yvette Gerner (kam 2019 vom ZDF), ist ob des kress-Zeugnisses verständlicherweise stolz


Wie kann es bloß sein, dass Radio Bremen unter Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen - auch wenn jetzt nicht so überragend viele mitgemacht haben - einen derart sagenhaften Ruf genießt? Das wird mehrere Gründe haben. Einer davon ist sicher der sehr soziale Umgang mit dem Personal.


Doch zunächst zur wirtschaftlichen Basis des kleinsten ARD-Senders. Laut Geschäftsbericht 2020 (bislang der letzt veröffentlichte) hat der Sender 43,8 Millionen Euro aus „Beiträgen“ eingenommen. Ketzer wie ich sprechen in diesem Zusammenhang auch unerhörterweise von Zwangs-Beiträgen. Aus dem ARD-Finanzausgleich kamen 50,4 Millionen oben drauf. Aus der Werbung stammen 3,7 Millionen Euro. Für Löhne und Gehälter der 220 Mitarbeiter flossen 17,4 Millionen ab, davon rund 280.000 Euro für die Intendantin. 


Bisschen seltsam ist es ja schon: Der kleinste Sender, zur Hälfte vom ARD-Finanzausgleich abhängig, leistet sich das sechst-höchste Chefinnen-Gehalt der ÖR-Anstalten. Der zweit-kleinste Sender, der Saarländische Rundfunk, entlohnt seinen Intendanten immerhin noch mit 257.000 Euro.

Radio Bremen kann dank einer Art Landesbürgschaft nie pleite gehen. Dafür steht der Gesetzgeber, die Bremische Bürgerschaft, ein. Deren Boss, der Bürgerschaftspräsident, wird  - bloß zur besseren Einordnung - mit 2,5 Diäten entlohnt - macht monatlich 12.886 Euro plus 843 Euro Zuschuss zur Altersvorsorge. Bremens Bürgermeister, in anderen Ländern Ministerpräsident genannt - erhält B 11 plus Bürgermeisterzulage, jährlich rund 176.700 Euro. 

Bleiben wir bei einigen RB-Kennzahlen. Die Sender-Altersversorgung schlug in der Bilanz mit stolzen 16 Millionen Euro zu Buche. Zur Erklärung: Viele Öffentlich-Rechtliche mit „Altverträgen“ kriegen Pensionen in Beamten-/Politiker-Höhe, um die 70 Prozent’). Zum „Materialaufwand“ in Höhe von 55,4 Millionen Euro zählen auch die Honorare für 235 feste freie Mitarbeiter. Ganz unten in der Bilanz tauchte 2020 nach Entnahme aus der Gewinnrücklage ein Verlust von 143.386 Euro auf. 

Diese Zahl sorgt dann in Summe aller ÖR-Anstalten dafür, dass alle paar Jahre um Gebühren-Erhöhungen gerungen wird.


Zurück zum Sozialen. Radio Bremen hat in der Pandemie kein Kurzarbeitergeld beantragt. Die durchschnittlich 235 „freien mitarbeitenden arbeitnehmerähnlichen Personen“, so werden feste Freie genannt, mussten aber nicht darben. Der Sender stockte die Honorare auf 80 Prozent der Vorjahres-Vergütungen auf. Na ja, eigentlich haben wir alle, denen der Rundfunkbeitrag abgezogen wird, dafür bezahlt. Sind Mitarbeiter über 55 Jahre alt und mindestens 15 Jahre ununterbrochen für Radio Bremen tätig, so steigt die Aufstocker-Grenze auf 90 Prozent. Grundsätzlich übernimmt der Sender für die „festen Freien“ - wie Firmen für ihre Angestellten - die Hälfte der Abgaben für Rente und Arbeitslosen- sowie Krankenversicherung. Feste Freie werden pro Beitrag und dessen jeweiliger Länge bezahlt. Also, faule Haut und so, ist nicht.


Unterm Strich: Radio Bremen ist auch dank stetig  abgebuchter Gebühren ein super Arbeitgeber. Das merkt man übrigens auch daran, dass in der jüngeren Vergangenheit eine ganze Reihe von Weser-Kurier-Redaktionskollegen zu RB rüber gemacht hat.


Für Bildungshungrige noch ein paar Kennzahlen (Geschäftsbericht 2020): „buten un binnen“ erreicht um 19.30 Uhr in Bremen durchschnittlich 40,2 Prozent der in Bremen vor der Glotze sitzenden Menschen, in absoluten Zahlen: 87.000. Zum Vergleich: Der Weser-Kurier verfügt über eine verkaufte Auflage von 117.078 Exemplaren (IVW 4. Quartal 2021). Die RB-Hörfunkprogramme sammeln über den ganzen Tag insgesamt 239.000 Hörerinnen und Hörer ein. 3nach9 erreicht jeweils rund 400.000 Seherinnen und Seher in Norddeutschland.


Liebe Leserinnen und Leser, sollte Sie weiterer Wissensdurst über die Penunzen in den öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten quälen, können Sie im Internet ohne Ende nachtanken. Beispielsweise auf https://www.ard.de/die-ard/wie-wir-funktionieren/Gehaelter-und-Verguetungen-102

Diese Übersicht könnte nicht bloß Tageszeitungs-Redakteure, die teilweise schon lange nicht mehr nach Tarif bezahlt werden, ausrufen lassen: Hossa


Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfes der Öffentlich-Rechtlichen (KEF) hatte 2019 festgestellt, dass die neun ARD-Anstalten, das ZDF und DeutschlandRadio auf vergleichbaren Anforderungsfeldern deutlich höhere Gehälter als die öffentliche Verwaltung zahlen. 

Merke: Die Beliebtheit mancher  ARD-Sender beim Personal hängt wohl auch mit der finanziellen Ausgestaltung der Verträge zusammen.



Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller 




Datenschutz-Klatsche - haha - für Bürgermeister Andreas Bovenschulte  (22. 4. '22)

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Na Sie, treue, stets erwartungsfrohe „Kundinnen und Kunden“, von „Bremen so gesehen“. Schon unter-blogt? Heute gibt’s nen Happen zum Thema Sonderheiten des Datenschutzes, bevor ich Ihnen (wahrscheinlich am Wochenende) mit einem Info-Brocken zu unserer kleinen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt auf die Bude rücke. Das muss als Appetizer reichen. Los geht’s!


Rumms, das hat gesessen. Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte (SPD) und Senatssprecher Christian Dohle laufen vermutlich immer noch mit ner roten Backe, sorry, Wange rum. Der Grund: Die Herrin des bremischen Datenschutzes (offiziell: „Die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit“), Dr. Imke Sommer - nicht zu verwechseln mit Dr. Sommer - Sie wissen schon :-)) - hatte ausgeteilt. Die „Fan-Seite des Rathauses“ bei Facebook sei nicht Datenschutz-konform. Frau Sommer teilte mit, sie „werde daraufhin wirken, dass diese Facebook-Fanpages deaktiviert werden“. Bovenschulte und sein getreuer Dohle denken aktuell aber nicht im Entferntesten daran, die Seite vom Netz zu nehmen. Boah, die zwei sind aber mutig. Wenn man Frau Dr. kennt, könnte man sogar von tollkühn sprechen.


Die Datenschutzbeauftragte hatte gerade erst im März die Daten-Domina gegeben und der städtischen Wohnungsgesellschaft Brebau eine Geldbuße von 1,9 Millionen Euro übergebraten. Die Gesellschaft hatte - oh, oh - unerlaubt 9.500 Daten über Miet-Bewerber gesammelt - und laut Gutachten des Ex-Justiz-Staatsrates Matthias Stauch bei der Wohnungsvergabe nicht negativ eingesetzt.


Liebe Leserinnen und Leser des Blogs „Bremen so gesehen“, Sie wissen ja, dass ich Themen gerne möglichst breit ausleuchte. Deshalb darf und will ich Ihnen nicht verschweigen, dass Imke Sommer sich die Rathaus-Facebook-Attacke keineswegs allein ausgedacht hat. Nein, über dieses die Menschheit bewegende Thema haben die Datenschützer des Bundes und aller 16 Bundesländer ausführlichst während einer Tagung gebrütet . Herausgekommen ist ein 40(!)-seitiges „Kurzgutachten“. Dieses Werk enthält das konzentrierte Gehirnschmalz der deutschen Datenschutz-Elite. Facebook verwalte die Daten nicht sicher und transparent, sei deshalb als Kommunikationsweg unangebracht.


Mag ja sein, aber weltweit haben sich aktuell schlappe 2,7 Milliarden Menschen bei Facebook angemeldet - und das auch noch freiwillig. In Europa sind es 410 Millionen Personen, in Deutschland werden rund 32 Millionen Bürgerinnen und Bürger zur Schar der Facebooker gezählt. Alle so bemitleidenswerte Kreaturen, die Frau Sommer und Co vor den Untaten der Datenkrake „Meta“ retten wollen. „Meta“ ist der Mutterkonzern des Mark Zuckerberg, unter dessen Dach Facebook, WhatsApp und  Instagram vereint sind.


Übrigens: Selbst, wer nicht bei Facebook angemeldet ist, kann die Fotos und Texte aus dem Bremer Rathaus anschauen. Man muss bloß - wieder so ne Datenkrake - Google nutzen, dort Facebook und Rathaus Bremen eingeben, und schwupp kann man sich über das Treiben des Bürgermeisters informieren.


Liebe Leserinnen und Leser, ist Datenschutz für Sie ein eminent wichtiges Thema? Dann sollten Sie sich nicht den Spaß entgehen lassen, mal in das „Kurzgutachten“ der Datenschützer-Truppe  reinzuschauen. Eine meiner Lieblingsstellen befindet sich auf Seite 37. 

Da geht es um „Facebook-Mitglieder:innen“. Och nö, jetzt hält der neu-deutsche Sprach-Schwachsinn schon Einzug in amtliche Papiere. Das macht mir jetzt, offen gesagt, endgültig schlechte Laune. Damen und Herren „Datenschützende“ (oder wie Sie sich gerade fühlen): „Mitglied“, das, Substantiv, Neutrum, Plural Mitglieder. Das „Mitglied“ bedeutet laut „Digitales Wortbruch der deutschen Sprache“: „Glied, Angehöriger einer Gemeinschaft“. 


Bitte, Damen und Herren Datenschutzbeauftragte, besinnen Sie sich auf Ihr Fach, vermeiden Sie Sprach-Verhunzereien und konzentrieren Sie sich gerne auch auf das Wesentliche

Facebook-Mitglieder müssen Sie aus meiner Sicht nicht vor sich selbst und den Seiten von Regierungs-Zentralen schützen. Diese User haben sich zuvor mit ihren Daten angemeldet. Sie haben ihren Online-Versandhändlern, ihrem Telefon-Provider und und und bereits Unmengen an Daten offenbart und geliefert. Damen und Herren „Mitglieder:innen“, halten Sie mal kurz inne - bitte! 


Und Sie, liebe Leserinnen und Leser - bleiben Sie munter!


Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller 

   


 

Corona - müssen erst Tote vorm Rathaus liegen? / Und was macht Corona-King-Karl?  (19. 4. '22)

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Oh, oh, heute, liebe Leserinnen und Leser, müssen Sie mal wieder tapfer sein. Es geht um Bremen - und viel mehr.

Deshalb jetzt auch kein Vorspiel. Direkt mittenmang. Als unverdrossener Leser der Lokalzeitung nehme ich heute wahr: Einerseits offiziell sinkende Infektionszahlen und in Bremen eine niedrige Hospitalisierungsrate (ernste Fälle in den Krankenhäusern), andererseits aber: Aussagen von Vertretern Bremer Kliniken. Und die - Geno, Joseph-Stift, Roland-Klinik, Rotes Kreuz Krankenhaus - erklären, sie müssten Behandlungen, Operationen, sogar Krebs-OPs verschieben, da immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entweder an Corona erkrankt seien oder sich zumindest in Quarantäne befänden. Ähnliches war bereits vor den Osterferien in Schulen und Kindertagesstätten zu erfahren.

Und der Senat? Klammert sich an die niedrige Hospitalisierungsrate, sagt, man habe alles im Griff. Eine Landesregelung ohne Bundesgesetz sei so schwierig durchzusetzen. Aha, oder doch mimimi? Lediglich eine gestandene Frau in der Landesregierung, Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke), hatte vor den Osterferien geradezu gefleht, der Senat möge Bremen doch zum Hotspot erklären. Dann hätte sie notfalls - beispielsweise heute, einen Tag vor Schulbeginn - eine Maskenpflicht in Innenräumen, mithin auch für Schüler, sowie besondere Schutzmaßnahmen für Kita-Kinder, verfügen können.

Doch der Senat meinte, dies sei nicht möglich und nötig. Außerdem, so die SPD, müsse Bremen auf jeden Fall gerichtsfest entscheiden. Dies bedeutet in Deutschland: nichts entscheiden.


Erinnern Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich auch noch an den Präsidenten des Weltärztebundes, Prof. Frank Ulrich Montgomery, als der in seiner schieren Verzweiflung Ende 2021 ätzte: Und dann kämen da „kleine Richterlein“ und meinten, es besser zu wissen. Das war Ende 2021 der Fall, als das OLG Lüneburg die 2G+-Regelung im Einzelhandel kippte.

Seit dieser Entscheidung müssen die Kliniken erst Tote vors Rathaus legen, bevor unsere Landesregierung handelt. 

Ganz anders in Hamburg. Auch dort liegen relativ niedrige Infektionszahlen und ein geringe Hospitalisierungsrate, aber auch viele Krankheits- und Quarantänefälle beim Betreuungspersonal vor. Jedoch - wesentlicher Unterschied zur kleinen Hansestadt an der Weser - dort ist mit Peter Tschentscher ein Mediziner 

Regierungschef.


Vermutlich habe ich nur wenige, versprengte Leserinnen und Leser in NRW und Schleswig-Holstein, dennoch: Dort wird in Kürze gewählt. Und ich hoffe, dass die Wählerinnen und Wähler im entscheidenden Moment daran denken, wer dieses bundesweite Corona-Kuddelmuddel zu verantworten hat. Die FDP setzte im Bund durch, dass den Bürgern wieder mehr Eigenverantwortung zugebilligt wird. Also wurde die bundesweite Corona-Notlage für beendet erklärt, das Gesetz geändert und den Bundesländern die Aufgabe übergeben, eigene Regeln aufzustellen.


Denkfehler bei der ganzen Aktion: Dieses Handeln setzt eine Vielzahl mitdenkender, solidarischer und aufs Wohl der Schwächeren bedachten Bürgerinnen und Bürger voraus. Und davon leben in unserem Land leider nicht ausreichend viele Exemplare. Das „Ich“ rangiert in stark zunehmenden Maß vor dem „Wir“


Liebe Leserinnen und Leser, jetzt zucken Sie möglicherweise zusammen. Ja, ich halte es für eine der großen Untaten der FDP, dass sie die Corona-Regeln zu Fall gebracht und sich an der allgemeinen Impfpflicht versündigt haben.


Daraus resultiert übrigens die tiefe Fall von Corona-King-Karl. Gesundheitsminister Lauterbach eiert seitdem durch die Gegend, dass es fast schon nach Mitleid riecht. Erst trägt er den Unfug im Kabinett gegen seine Überzeugung mit, beugt sich zunächst sogar dem arbeitsökonomischen Wunsch der Gesundheitsämter, die Quarantäne nicht mehr zu überprüfen - um sich dann in einer Lanz-Talk-Show um 180 Grad zu wenden. Und weil ihm, dem medizinisch Versierten, alles zu entgleiten droht, macht er am vorigen Wochenende urplötzlich auf Alarmmelder. Faselt vom drohenden Killer-Virus, das uns noch in diesem Jahr heimsuchen könnte. 

Dabei rechnen Virologen fest damit, dass die Omicron-Variante und deren mögliche Mutationen (anders als die Delta-Ausführung) nicht mehr in die Tiefen der Lungenflügel vordringen und deshalb nicht mehr soviel Leid und Tod wie die Vorgänger-Varianten herbeiführen kann. Aber Karl der Große,Talk-Show-König von Deutschland, haut dennoch auf die größte Pauke, die ihm im Weg steht. Selbst auf die Gefahr hin, dass sich seine Prognose als haltlos erweisen kann. 


Armer Prof. Karl Lauterbach: Ahnen Sie eigentlich, dass Ihre Ministerzeit bereits - einer Eieruhr ähnlich - abläuft? So ist jedenfalls mein Eindruck.


Übrigens: Niedersachsen hat sich zwar - anders als Hamburg und Meck-Po - nicht zum Hotspot erklärt, gleichwohl gibt es dort vernunftbegabte Politiker. Kultusminister Hendrik Tonne hat seine Schülerinnen und Schüler eindringlich gebeten, nach Rückkehr aus den Osterferien in der Schule freiwillig Masken zu tragen. 


Und in Bremen, nicht so richtig weit entfernt von Niedersachsen? Schweigen im Walde. Das Ländchen verfügt zwar mit Sascha Aulepp (SPD) über eine Bildungssenatorin. Die ist zuständig für Schul- und für Kindergartenkinder. Toll. Und gibt diese Behörde eine Empfehlung heraus? Etwa der Art: In den ersten zwei Wochen ab Ferienende bitte in den Schulräumen Maske aufsetzen, täglich testen, nach zwei Wochen schauen wir weiter. Ne, Fehlanzeige.


Bremen ist so ober-schlau, erstmal wieder alles laufen zu lassen. Wenn dann „plötzlich und unerwartet“ viele Lehrerinnen und Lehrer (und vermutlich auch Schüler) in Quarantäne müssen - dann, ja dann, wird „mit Hockdruck“ an Plänen gearbeitet, wie die Lücken gefüllt werden können. Dann werden Eltern wieder Mails ihrer Kita- und Schulleitungen erhalten, das Kind am besten doch zu Hause zu behalten…


Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller   

WK-Chefredakteurin - von der Fragestellerin zur  Stichwortgeberin der Grünen Schaefer   (17. 4. '22)

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Ui, ui, ui, liebe Leserinnen und Leser, es ist mal wieder soweit. Heute brauch’ ich Ihre Hilfe. Ich begebe mich in vermeintlich vermintes Gelände. Muss aber sein. Die einen werden sagen: Muss er denn wirklich über seinen eigenen Berufsstand schreiben? Das macht man doch nicht. Andere denken hingegen möglicherweise: Endlich schreibt’s mal einer!


Zur Sache: Ostersonnabend las ich ein Interview im Weser-Kurier, das dessen Chefredakteurin mit Mobilitätssenatorin Dr. Maike Schaefer (Grüne) geführt hatte. Was soll ich sagen? Einfühlsam war’s, die Chefredakteurin Silke Hellwig trat fast schon wie eine Stichwortgeberin auf. Pointierte Nachfragen? Fehlanzeige. Und das vor dem Hintergrund, dass die Kollegin 13 Tage zuvor, derselben Senatorin zurecht ins Stammbuch geschrieben hatte: „Ein Königreich namens SKUMS“. Haaaaallooooo, wie kann so etwas sein? 


Bevor jetzt jemand versucht, mich in die Motzer-Ecke wahlweise in die des „Nestbeschmutzers“ zu schieben, will ich meine Kritik begründen. Außerdem: Kritik an Zeitungen ist in unserem Land zum Glück möglich. Schließlich verstehen sich Medien ja auch gerne - selbsternannt - als „vierte Gewalt“ im Staat. Das Problem: Sie werden dieser grandios wichtigen Rolle - vornehm ausgedrückt - nicht immer gerecht.


Nun zum „seichten“ (wie jemand auf Facebook schrieb) WK-Interview: Einfühlsam pirscht sich Kollegin Hellwig an die in letzter Zeit heftig unter Beschuss geratene Schaefer heran: „Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?“, „Sind Sie womöglich zu ungeduldig?“…

Schaefers Antworten auf WK-Fragen nach dem Programm auf der Martinistraße, nach dem Radweg auf dem Wall, nach ihrer Aufforderung an Mitarbeiter, an der Klima-Demo teilzunehmen - sie alle bleiben ohne Nachfragen der Redaktion einfach im Raum stehen.

Da kann die Grüne dann - Tschuldigung - munter losplappern. Und von Hellwig kommt keine Reaktion. Einfach zum Fremdschämen. Ehrlich!


Ein paar Kostproben des Elends: Schaefer behauptet allen Ernstes, die „Surfwelle“ im Rahmenprogramm der Martinistraße „hat junge Menschen…gezogen, sie wurde sehr gut angenommen, und war durchgängig ausgebucht“. In Facebook-Kommentaren fiel in diesem Zusammenhang das hässliche Wort, das mit „Lü“ anfängt und „ge" aufhört. Geäußert von Leuten, die in dieser Zeit immer wieder ihre Mittagspause nahe der Surfanlage verbracht hatten.


Richtig heavy eine Hellwig-„Frage“: „Sowohl mit der Lösung am Wall als auch mit der zweispurigen Martinistraße können sich inzwischen offenbar alle anfreunden.“ Punkt. Kein Fragezeichen! Da zieht’s mir dann endgültig die Schuhe aus. Die sonst auf ihre kritische Distanz bedachte Chefredakteurin als Stichwortgeberin.


Liebe Leserinnen und Leser, insbesondere die Umlandbewohner, die sich hin und wieder doch noch in der City verlieren: Sind Sie wirklich alle mit der zwei- statt vierspurigen Martinistraße einverstanden, mit dem Einbahn-Wall und dem künftig draufgepinselten Radweg? Hat Sie jemals jemand auf seriöse Art danach gefragt?

Auch so ein Punkt. Hellwig nagelt mit dem Interview in Zeiten der Papiernot eine komplette Seite mit dem Schaefer-Interview zu, stellt aber keine Frage - z.B. - danach, ob die Online-Befragung zu den „Erfolgen“ der Martini-Bespaßung durch dieselbe Agentur, welche die Straße bespielt hat, denn angemessen sei. Keine Frage nach dem Vergabeverfahren an die Agentur „Sternkultur“, keine Frage nach möglichen Verquickungen dieser Agentur mit dem Grünen Bürgerschaftsabgeordneten Ralph Saxe. Nix. Nullum. Peinlich.


Geradezu geschichtsklitternd wird’s, wenn Hellwig die Senatorin zu deren Mail an die eigene Behörde „befragt“, doch bitte an der Klima-Demo von FFF teilzunehmen. Da darf Schaefer wieder - noch mal sorry - losplappern: Ihre Mail sei ja gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen (Na sowas aber auch). Ja, das würde sie künftig anders regeln. Dann Schaefer O-Ton „Aber ich stehe weiterhin dazu, dass ich unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermögliche, an einer Klimaschutz- und Friedensdemo teilzunehmen…“ Frau Hellwig, aufgewacht! Vierte Gewalt im Staat, hallo! 

Schaefer hatte in ihrer Mitarbeiter-Mail nicht geschrieben, sie wolle die Demo-Teilnahme ermöglichen, sondern laut Weser-Kurier: „Deshalb würde ich mich freuen, wenn möglichst viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ressorts sowie zugehöriger Dienststellen an der Demonstration am Freitag teilnehmen würden.

Gibt es nach Lesart Grüner Sprachdrechseler keinen Unterschied mehr zwischen „ermöglichen“ und „Teilnahme wünschen“. Leute, geht’s noch? Ist ein solches Interview - auch an dieser Stelle erneut ohne Nachfrage - einer Lokal-Zeitung würdig? Muss man dafür wirklich Geld ausgeben?


Und Hellwigs Unterstellung (leider eben auch keine Frage), mit dem Fahrradweg auf dem Wall und der Einengung der Martinistraße könnten sich „offenbar alle anfreunden“ - Haaalloooo, Frau Kollegin: Arbeiten Sie noch im Pressehaus an der Martinistraße? Schauen Sie vielleicht mal während der Rushhour aus dem Fenster? Habe Sie dabei wenigstens einmal wahrgenommen, dass sich dort durch die zweispurige Führung  teilweise elend lange Staus bilden? Haben Sie… ach, ne, ich hab jetzt keinen Bock mehr, einer gestandenen Kollegin Recherche-Tipps aus dem Bereich „Basics“ zu geben.


Übrigens: Fragen an Maike Schaefer nach - zum Beispiel - der ungeheuerlichen Ausbaggerung eines Biotops an der Lesum als Ausgleich für die Versiegelung des Überseehafens vor über 20 Jahren und der anschließenden Verhohnepiepelung dieser Aktion im Satire-Magazin extra3 - wieder: nix. Oder zum Fällen von an die 200 Bäume zugunsten einer umstrittenen Straßenbahn-Querverbindung im Osten - bloß nicht. Der Platz einer kompletten Seite war ja auch wirklich zu knapp bemessen. Auweia, armes Bremchen.


Wissen Sie was? Versuchen Sie bitte, trotzdem munter zu bleiben. Irgendwann wird auch in Bremen einiges wieder besser.


Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller 



Seltsam: 180.000 Euro-Spende von einem Anonymus für von Ralph Saxe gegründeten Verein   (15. 4. '22)

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Mann, Mann, Mann, von mir aus auch: Frau, Frau, Frau. - Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser mich jetzt sehen könnten, Sie würden - zum Glück nur im übertragenen Sinn - ein paar ramponierte Zähne in meinem Journalistengebiss entdecken. Was hab ich mir die Zähne an Geldgebern von Ralph Saxes Verein ausgebissen! Saxe, Sie wissen, die graue Eminenz hinter einigem, was so an Wundersamem im Mobilitätsressort geschieht.

Im besten Fall erinnern Sie sich. In Kurzfassung: Die Mobilitätsbehörde hat die Firma Sternkultur (unter meines Wissens immer noch ungeklärten Umständen) mit dem „Verkehrsversuch“ Martinistraße beauftragt. Die führenden Köpfe von Sternkultur sind zum Teil personen-identisch mit der Spitze von Autofreier StadTraum. Dem Vorstand dieses Vereins gehört der Grüne Bürgerschaftsabgeordnete Ralph Saxe an. Zur Abrundung: Die Umfrage zum Verkehrsversuch „Transformartini“  führt Sternkultur jetzt (vorsichtshalber?) selbst durch. Zum intensiveren Nachlesen: Mein Blog vom 31.3.2022. 


Die Grünen fighten stets engagiert für Transparenz - zumindest, wenn’s andere betrifft (siehe Lobby-Register in Berlin und anderes).


Geht’s um die eigene Nase, wird man schnell schmallippig. Der Verein Autofreier StadTraum - Gründer, Vorstandsmitglied und „Ideengeber“ ist  Saxe - erhält in den Jahren 2020, 2021 und 2022 insgesamt 180.000 Euro aus einer Quelle, die sich nicht offenbaren will. 

Und da fängt dann leider das „Zähne-ausbeißen“ an.


Liebe Leserinnen und Leser, zum Glück stört Sie Ihre Lokalzeitung ja heute nicht mit einer frischen Ausgabe. So haben Sie (theoretisch) Zeit und möglicherweise Interesse, an meinen Recherche-Teil-Ergebnissen teilzuhaben. In Berlin residiert eine Firma, die sich „PHINEO gemeinnützige AG“ nennt. Diese Aktiengesellschaft beschreibt sich als „Initiative Mobilitätskultur“. Sie fördert bundesweit unter anderem „Projekte, die sich für umwelt­freund­li­che und nach­hal­ti­ge Lösun­gen für den Ver­kehrs­sek­tor stark machen.“ Darunter den Bremer Verein Autofreier StadTraum. 


Auf Anfrage teilte die Berliner Pressestelle mit: „Finanziert werden alle Projekte durch eine Einzelperson, die ihre Erb­schaft für eine neue Art der Mobi­li­tät ein­set­zen möch­te. Die Ein­zel­per­son zieht es der­zeit vor, anonym zu blei­ben. Sie ist kei­ne Per­son des öffent­li­chen Lebens.“ Mehr wollte PHINEO auch nicht auf Nachfragen offenbaren.

Schade, so’n Mist aber auch. 


Übrigens, überraschender Beifang der Recherche: Auf der PHINEO-Seite taucht die berühmte Quandt-Erbin Susanne Klatten auf. Auf der Seite  heißt es: „SKala ist eine Initiative der Unternehmerin Susanne Klatten und des gemeinnützigen Analyse- und Beratungshauses PHINEO. SKala fördert bundesweit 93 gemeinnützige Projekte mit insgesamt bis zu 100 Millionen Euro. Allerdings werden für SKala dann andere Förderschwerpunkte Schwerpunkte als Mobilität genannt. Möglicherweise gibt’s also noch andere Millionen-Spender.


Zurück nach unserm Bremchen. Wir, nein ich, halte fest: Ein Bremer Verein, in dem ein nicht zu unterschätzender Grüner im Vorstand sitzt, dessen Vereins-Vorstände zugleich Chefinnen der Firma Sternkultur sind, die Aufträge vom Grünen Mobilitätsressort erhalten hat — ein Glied dieses Konglomerats nimmt 180.000 Euro von einer Berliner Firma an, die das Geld eines Spenders verteilt, der - aktuell jedenfalls - um jeden Preis anonym bleiben will. Boah ej, das muss ich jetzt erstmal verdauen.


Liebe Leserinnen und Leser, stellen Sie sich jetzt mal folgendes Szenario vor: Ein Mensch findet die Arbeit eines (vielleicht) CDU-nahen Vereins zur Förderung des Automobilwesens so „spannend“, dass er dem Verein, sagen wir, für drei Jahre 180.000 Euro überweist. Dieser Verein lädt einmal im Jahr alle PS-Boliden - ab 450 PS aufwärts - auf den Domshof ein. Ziel: Dort soll mittels der mindestens acht Zylinder großen Motoren ein für Auto-Freaks nahezu erregendes „Konzert“ gegeben werden. Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser, würden die Grünen dieser Stadt und ihre mannigfachen Hilfstruppen wohl (zu recht) schäumen? Und: Sie würden vermutlich lauthals schimpfen, dass frecherweise ein Anonymus dieses Spektakel finanziert.


Einschub: Wenn Sie jetzt denken, der Schuller ist ja so was von nem kaputten Typ, wie kann der sich bloß so nen Schwachsinn ausdenken. Obacht, denken Sie nicht ganz so schlecht von mir. Gehen Sie in das legendäre Internet, und finden Sie dort - beispielsweise - zig Filmchen von Volvo-Fahrern, die ihre alten V8-Zylinder um die Wette röhren lassen. Gibt’s wirklich!


Also zurück zum (fiktiven) Anonymus, der irgendeinen Autoquatsch fördern will. Die Grünen würden wie gesagt zürnen und der CDU (der fiktive Verein steht dieser Partei im Fallbeispiel ja nahe - sowie StadTraum, Sternkultur und Co den Grünen nahe ist) Intransparenz vorwerfen. Und die Grünen würden fragen: Wie kann man bloß für ein  Projekt Geld annehmen, von dem man nicht weiß, wie es zuvor angehäuft wurde? Ist dieses Geld (Erbschaft) möglicherweise durch dem Verkauf von Plastiktüten, chemischen Dünger, oder noch schlimmer Waffen verdient worden?


Ja, ich spintisiere jetzt bewusst, um aufzuzeigen, auf welch seltsame, jedenfalls ungeklärte Finanzierungsbasis „Saxes Verein“ baut. Nichts Genaues weiß man nicht.


Ach, sorry, ich vergaß: Es sind ja die Grünen, da geschieht fast alles mit dem selbst erteilten moralischen Segen


Uff. Bleiben Sie munter!

Ihr as

Axel Schuller





Vernichtender Rechnungshofbericht - dürfen wir Bürger uns jetzt auch schludrig verhalten?  (13. 4. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser, ja ich weiß, einige von Ihnen befinden sich - neudeutsch ausgedrückt - im Urlaubsmodus. Mal sehen, ob es mir trotzdem gelingt, Ihre Aufmerksamkeit zu erheischen. Es geht um ein Thema, bei dem viele möglicherweise denken: Na ja, ist schon krass, heftig, unterirdisch - oder was auch immer - letzten Endes geht es um den Umgang mit unser aller Geld. Und um das wichtige Thema Gerechtigkeit.

Damit Sie trotz möglichen Urlaubs bei mir bleiben, drehe ich das Thema mal um:

Denken Sie ungeachtet des - natürlich - „guten Buches“, das Sie gerade am Wickel haben, mal ans Finanzamt.

Hab ich’s doch gewusst: Bei dem Wort mit dem großen F am Anfang kommt bei Ihnen Schwung in die Bude. Ja, das liebe Finanzamt. Es sammelt letztlich für den Staat (also uns alle) die vom Gesetzgeber beschlossenen Steuern ein. 


Dabei geht die Behörde zuweilen auch ruppig vor. Wehe man vergisst, Einnahmen zu versteuern oder die Vorauszahlung pünktlich zu leisten. Zack, dann hagelt’s Mahngebühren, Strafen, bei Verzug auch noch Zinsen, die wir Normalbürger bei der Sparkasse für Guthaben nie kriegen würden.

Geht’s sogar um eine Betriebsprüfung, dann oje, dann treten die Damen und Herren teilweise erbarmungslos auf. Wenn man da nicht jeden einzelnen Euro-Betrag fürs Geschäft als unabdingbare Ausgabe  nachweisen kann, wird’s ungemütlich.


Was haben wir miteinander bloß für ein Glück, dass ich kostenfrei für Sie, liebe Leserinnen und Leser, schreibe. Erstens für Sie, zweitens aber auch für mich. So muss ich dem Finanzamt nullkommanull melden. :-))


So, den langen Arm des Finanzamtes mit dem manchmal gnadenlosen und festen Griff habe ich wohl hinreichend beschrieben. Schon etwas anders sieht die Welt aus, wenn das Finanzamt zu viel eingezogen hat und Geld herausrücken muss. Das kann schon mal Monate dauern und Zinsen - so gut wie Pustekuchen.


Nun - selbst nach dem zweiten Caipi aufgepasst - begeben wir uns gedanklich mal auf die Ebene des Staates. Wie der so mit unserem Geld umgeht. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, das genauer wissen wollen, schauen Sie mal - als Bremer beispielsweise - in die Jahresberichte des Landesrechnungshofes. Ich verspreche Ihnen: Da können Sie alles empfinden - von Fassungslosigkeit über Ungläubigkeit bis hin zu Anwandlungen von Wut.


Rechnungshofpräsidentin Bettina Sokol und ihr Team tragen jährlich Missetaten und Missstände der öffentlichen Verwaltung in unglaublicher Fülle zusammen. Jüngst stellte Frau Sokol fest, ich zitiere aus Original-Unterlagen der obersten Kontrollbehörde:


„Die festzustellenden Fehler und Rechtsverstöße bei der Leistung öffentlicher Fördermittel werden nicht weniger, sie nehmen Jahr für Jahr leider eher noch zu.“ 

Erklärend fügte sie hinzu: „Vorschriften einzuhalten ist kein Selbstzweck, sondern der Garant für einen wirtschaftlichen und sparsamen Umgang mit den Haushaltsmitteln.“ Gut gebrüllt, „Löwin“. 

Und weiter heißt es: „Bremen gibt jährlich mehr als 500 Millionen Euro aus, um Einrichtungen und Projekte finanziell zu fördern. … Um der Verantwortung dafür gerecht zu werden, ist es umso notwendiger, dass die Verwaltung sorgfältig auf eine ordnungsgemäße Mittelvergabe und Mittelverwendung achtet. Daran mangelt es aber bedauerlicherweise viel zu oft.“ 

Bettina Sokol wird noch deutlicher: „So werden Anträge ohne vollständige Unterlagen bewilligt und Zuwendungen trotz vorhandener Eigenmittel über den eigentlichen Bedarf gewährt oder es kommt sogar zu einer Doppelförderung. Auf die Vorlage schriftlicher Unterlagen wird teilweise ebenso verzichtet wie auf vollständige Nachweise der zweckentsprechenden Mittelverwendung.“ …  „Mehr oder weniger schwerwiegende Mängel sind grundsätzlich bei so gut wie allen Ressorts zu verzeichnen…“

Wow. Stellen Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich einmal - nur ganz kurz - vor, Sie würden in ihrer Firma so arbeiten, wie der Rechnungshof zunehmende Behörden-Praxis des rot-grün-roten Senats beschreibt…

Vermutlich könnten Sie gar nicht lange drüber nachdenken, weil Sie zumindest eine fette Abmahnung auf Ihrem Platz vorfänden.

Wenn die Politik eine derartige schludrige Arbeit der ihr unterstellten Verwaltung und Eigenbetrieben der Stadt und des Landes duldet, verwundert es umso mehr, dass wir vom Staat ganz anders, nämlich konsequent rangenommen werden. Ein Wort fällt mir im Zusammenhang mit diesem Vergleich von einerseits Forderungen des Staates an uns und andererseits Ansprüchen der Exekutive an die Verwaltung grad nicht ein… Ach ja, doch - das lautet Gerechtigkeit.  

Und was geschieht jetzt mit dem Grusel-Katalog des Rechnungshofes, herausgegeben am 10. März 2022? Der parlamentarische Rechnungsprüfungsausschuss wird sich vermutlich erst im November dieses Jahres damit beschäftigen. Irre, ne? Das brisante Papier wird erst einmal geschlagene acht Monate lang im Parlament beguckt, getätschelt und gegossen - was? Im November endlich wird es dann im zuständigen Ausschuss beraten. Mal sehen, ob dann bloß die Opposition Konsequenzen aus den Feststellungen der obersten Rechnungsprüfer verlangt. Oder ob die Koalitionsfraktionen von SPD, Grüne und Linken daraus Folgen ableiten, um die von ihnen zu verantwortende Verwaltung auf Vordermann zu bringen.

Offen gesagt, liebe Leserinnen und Leser, meine Vorahnung sagt mir: Die Parlamentarier werden darüber sprechen. Und anschließend wandert der besorgniserregende Bericht vermutlich zu den vielen Vorgänger-Papieren der vergangenen -zig Jahre ins Archiv. Und nix wird sich ändern. 

Leider! Dieses Herumschludern der Verwaltungen kostet nämlich unser aller (Steuer-)Geld.


Bleiben Sie (trotzdem) munter!

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller





Setzen die Bremer Christdemokraten heimlich auf Verlust bei der NRW-Wahl?   (9. 4. '22)

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CMH, liebe Leserinnen und Leser, steht für „Christdemokraten Müssen Hoffen“. Nein, natürlich nicht. CMH ist das gebräuchliche Kürzel für Carsten Meyer-Heder. 2019 Spitzenkandidat der Bremer Union, wirtschaftspolitischer Sprecher der Partei in der Bremischen Bürgerschaft und noch Landesvorsitzender der Bremer CDU. Er will bei der nächsten Parlaments-Wahl zwar nicht erneut auf Platz eins stehen (sondern in sein Unternehmen neusta zurück), aber er will noch mitbestimmen, wer 2023 die Nummer 1 wird. Um darauf Einfluss zu behalten, will er - aus meiner Sicht widersinnigerweise - am 21. Mai 2022 erneut zum CDU-Landesvorsitzenden gewählt werden.


Das dürfte nicht ganz einfach werden. Meyer-Heder hat - keineswegs schmallippig - angekündigt, er suche auf jeden Fall noch eine Frau als Spitzenkandidatin. Dafür müsse er bis zur Bürgerschaftswahl an der CDU-Spitze bleiben.

Eine im Rennen befindliche Spitzenfrau hat ihm freilich in dieser Woche per Interview im Weser-Kurier einen Korb gegeben. Sie strebe mitnichten die CDU-Spitzenkandidatur (übrigens gegen den feststehenden SPD-Amtsinhaber Andreas Bovenschulte) an. Sabine von der Recke (40) hatte in Berlin als Chef-Lobbyistin der Bremer Raumfahrtfirma OHB offenbar einen überzeugend guten Job gemacht. So gut, dass OHB sie kurzerhand in seinen Vorstand berief.


Und nun? Angeblich hoffen einige CDU-Strategen jetzt insgeheim, dass die anstehende Wahl in NRW am 15. Mai für die CDU verloren geht. Im aktuellen CDU/FDP-Kabinett dient Ina Brandes (43) seit Oktober 2021als christdemokratische Verkehrsministerin. Verlöre die Union dort wie schon im Saarland die Regierung, wäre Frau Brandes frei, könnte folglich als Spitzenfrau (mit Regierungserfahrung im größten der 16 Bundesländer) im kleinsten - Bremen eben - antreten.

Ob’s so kommt, hängt erstens vom Wahlausgang in Düsseldorf ab. Zweitens ist aktuell unklar, ob Frau Brandes wirklich an die Weser wechseln würde, nachdem ihr Ehemann Kristian Tangermann (Bürgermeister von Lilienthal) jüngst gestorben ist. Ihr erster Wohnsitz ist zwar noch in Lilienthal, aber… 

Die Frau ist drittens klug. Vor dem Eintritt in NRW-Kabinett hat sie unter anderem als Geschäftsführerin für einen schwedischen Konzern gearbeitet, der Verkehrsprojekte plant. 


Um diese Top-Frau an die Weser zu locken, müsste die NRW-Wahl für die CDU verloren gehen, müsste sie nach Bremen ziehen - und müsste alle Bedenken überwinden, im Bremer Wahlkampf möglicherweise nur als Zugpferd zu dienen. 

So wie 2019 Carsten Meyer-Heder, der zwar für die Union erstmals mehr Stimmen holte als die SPD für sich verbuchen  konnte. Dann aber von Röwekamp und Co abserviert wurde. Wobei man Ina Brandes attestieren darf, dass sie - anders als CMH - über politische Erfahrung und Gestaltungswillen verfügt.


Eine dritte Frau, Miriam Benz, wird von interessierter Seite ab und zu als mögliche Kandidatin genannt, aber das wohl eher zur Ablenkung der Medien. Die junge Juristin Benz (32) drängt zwar mit Macht in die Politik, aber Spitzenkandidatur - nee, wirklich nicht. Bei der vorigen Bürgerschaftswahl 2019 schaffte sie nicht den Sprung in den Landtag. Dies könnte sich 2023 ändern. Frau Benz strebt nämlich am kommenden Montag, 11. April, den Vorsitz der Frauen-Union an. Bei der Wahl 2020 war sie Elisabeth Motschmann deutlich unterlegen. „Motsche“ tritt nun für dieses Amt nicht mehr an, da sie mittlerweile nach Schleswig-Holstein gezogen ist.


So, und wie geht’s jetzt weiter, Herr Meyer-Heder?

Seine Wiederwahl zum Landesvorsitzenden ist keineswegs sicher, zumal die (erste) Wunsch-Spitzenkandidatin von der Recke für ihn schmählich abgesagt hat. Ina Brandes müsste a) zur Verfügung stehen und b) bereit sein, sich mit der „Dreier-Bande“ der Bremer CDU auseinanderzusetzen - Thomas Röwekamp, Heiko Strohmann und Frank Imhoff.

Wäre die Spitzenkandidatur bereits in den nächsten Tagen zu entscheiden, hätte Frank Imhoff, der volksnahe Bürgerschaftspräsident und Landwirt, die größten Chancen.


Zunächst bleibt es wohl dabei: CMH - „Christdemokraten Müssen Hoffen“.


Munter bleiben!

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller

 

"Realer Irrsinn" - Lesum-Wiese wird für Fisch-Laich-Gebiet ausgebaggert   (8. 4. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser, eines muss ich heute ausdrücklich  vorweg sagen: Was jetzt kommt, entspricht den Tatsachen. Ich schwör’s! Dies muss ich vorweg schicken, weil Sie sonst wohlmöglich denken: Der Schuller hat nicht nur ein Rad ab, bei dem dreht sich gar nix mehr. Falsch, falsch und nochmal falsch! Bevor ich meiner Meinung freie Zügel lasse, versuche ich brutal sachlich zu reportieren.


Die NDR-Satiresendung „extra3“ hat am Mittwoch, 6.4.2022,  berichtet, die bremische Umweltbehörde wolle der Natur einen Ersatz für das 1998 zugeschüttete Überseehafen-Becken angedeihen lassen. Zu diesem Behufe macht sich die Behörde der Umweltsenatorin daran, eine Fläche an der Lesum - ein Landschaftsschutzgebiet - auszubaggern und zu fluten. Dort sollen künftig Fische ihre Kinderstube betreiben. Anwohner haben sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen, um das Feuchtgebiet (bei Extrem-Hochwasser als Überflutungsfläche  vorgesehen) vor Dr. Maike Schaefers (Grüne) Bagger-Truppe zu schützen.

„extra3“ bat die Behörde um ne Stellungnahme vor der Kamera, was leider, leider nicht vom Erfolg gekrönt war. Fakt ist: Die Umweltbehörde wird die nördlichen Wümme-Wiesen zu einer „Flachwasser- und Laichzone für Fische“ ausbaggern. Dieses Vorhaben ist „eine Ausgleichsmaßnahme“ für das von Menschenhand „verfüllte Hafenbecken“, auf dem mittlerweile unter anderem der Großmarkt seine Geschäfte abwickelt.

Das bisherige Landschaftsschutzgebiet an der Lesum gilt als hochwertiges Biotop.


Mitglieder der BI verstehen die Welt nicht mehr. Da gibt’s ne Feuchtwiese mit 160 unterschiedlichen Pflanzenarten, Pilzen und Insekten, die in dieser Kombi kein zweites Mal in Bremen und Umzug existieren soll. Und diese Wiese muss nun einem künstlich angelegten Laich-Gewässer weichen. Die Bürgerinitiative fuchst es besonders, dass die Umweltbehörde in der Vergangenheit nur dann Infos herausgerückt habe, wenn die Bürger und Bürgerinnen mit dem „Transparenzgesetz“ des Landes gedroht hätten.

Letzte sachliche Info: extra3 hat darüber in seiner Rubrik „Realer Irrsinn“ berichtet. 


So, nu is Schluss mit sachlich. Weil: Das kann man als normal denkender Mensch einfach nicht aushalten. Wie können sich - im Zweifelsfall studierte - Menschen am grünen Tisch soviel Unfug ausdenken? Wie kann sich ausgerechnet eine Grüne Politikerin so gnadenlos über die Interessen an der Anwohner hinwegsetzen? Wie kann der parlamentarische Haushaltsausschuss für dieses möglicherweise gutgemeinte, aber aus meiner Sicht eben doch eher an Schwachsinn grenzende Vorhaben unverschämte 1,85 Millionen Euro genehmigen? Wie, warum? - grrr…

Bevor ich jetzt ausflippe, leg ich mal lieber kalte Umschläge an die Handgelenke…


Ganz anderer Gedanke: extra3 müsste angesichts der Themen-Flut aus Bremen eigentlich Provisionen an Bremen zahlen. Ich hab mal im Archiv nachgeschaut:


2016: „Realer Irrsinn“ Gutachten (24.000 Euro) Concordia Tunnel, Fragestellung: Können auf zwei Spuren mehr Autos den Tunnel passieren als auf einer.


2016: „Realer Irrsinn“ Unterführung der Eisenbahn in Oberneuland, Tunnel zu schmal und zu flach.


2016: „Realer Irrsinn“ Gutachten darüber, weshalb unter den Urinalen im Haus der Bürgerschaft Flecken entstehen.


2017: „Realer Irrsinn“ Stephanibrücke. Die Verkehrsbehörde ließ eine Spur des unter der Weser-Brücke befindlichen Radweges sperren, um das marode Bauwerk zu entlasten. Der etwa 8 Tonnen schwere Zaun wurde später für 3.400 Euro abgebaut. Aber erst, nachdem die Tragfähigkeit der Brücke für - Achtung, festhalten - für 230.000 Euro begutachtet worden war.


2019: „Realer Irrsinn“, beim Bau des Weserwehres wurde Bauschrott auf einer Wiese zwischengelagert und später abtransportiert. Dabei wurde kurzerhand das Metall-Kunstwerk „Semi-Zirkel“ entsorgt. Der Künstler klagte auf 60.000 Euro Schadensersatz, erhielt im Rahmen eines Vergleichs 30.000 Euro.


2020: „Irrsinn der Woche“, 144 Stadtmusikanten-Piktogramme als Wegweiser aus allen Himmelsrichtungen zur City. Das aufgemalte Bremer Getier wurde rasch vom Regen weggewaschen. Kosten 50.000 Euro.


2022: „Realer Irrsinn“ Lesum-Wiese fluten, s.o.


Vorschlag für einen weiteren „realen Irrsinn“: In der Bremischen Bürgerschaft sitzen doch bestimmt auch eine Menge Abgeordnete m/w/d, denen die Förderung der Diversität am Herzen liegt. 100 Pro. Ich wette, wenn die jetzt eine eigene Gendertoilette einbauen ließen, kämen wir erneut ins NDR-Fernsehen.


Bitte, bitte, bleiben Sie munter!

Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller 

Hier der Link zur "extra3"-Sendung:
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/Realer-Irrsinn-Biotop-in-Bremen-wird-geflutet,extra20548.html   

 

Wie lange noch lassen sich SPD und Grüne von der FDP in Berlin vorführen?   (7. 4. '22)

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Liebe Leserinnen und Leser, heute schleppe ich Sie - ausnahmsweise - mal nach Berlin. Corona und kein Ende. Und dieses Virus wird uns noch eine Weile  nicht aus seinem Griff entlassen. In Deutschland ist dafür eine Partei deutlich mit-verantwortlich. Die FDP. Mit ihren 11,5 Prozent bestimmt sie in einer Art und Weise die Gesundheitspolitik der Ampel-Koalition, dass man sich bald täglich die Augen reiben muss. Zuletzt verhinderten in Wahrheit die Liberalen die Impfpflicht.

Die FDP ist in der Koalition die treibende Kraft, um die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger zu stärken. Vom theoretischen Ansatz ist dies auch richtig und nachvollziehbar. Bloß: Wohin führt diese Politik, wenn es um Corona geht? Wirklich zu mehr Freiheit, oder am Ende zur Rückkehr noch schlimmerer  Einschränkungen?


Ausgerechnet auf dem Höhepunkt von Neuinfektionen forderten die Liberalen Lockerungen: Keine Masken, keine Einschränkungen bei öffentlichen Veranstaltungen, keine generelle  Impfpflicht. Und Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) komplettiert diese unverantwortliche Politik mit einem Äußerungs-Wirrwarr, dass man denkt: Der Mann sollte seine Kräfte nicht überfordern, sondern sich ab und zu lieber mal ausruhen, entspannt nachdenken - statt in noch ne Talkshow zu hechten.


Seine Äußerungen, die Bürger sollten bei festgestellter Infektion in Eigenverantwortung in Quarantäne gehen, erinnert ans Irrlichtern seines Vorgängers Jens Spahn. Wie kann man als Gesundheitsminister bloß solch einen Unsinn in die Welt setzen und erst hinterher erschrocken feststellen, die Bevölkerung habe dies leider als Zeichen missdeutet, Corona habe seine Gefährlichkeit verloren? 

Noch schlimmer: Lauterbach ist mit seiner Ursprungsüberlegung ja nicht allein gewesen. Die Gesundheitsminister der Länder haben dieser neuen Linie zugestimmt. Jetzt muss diese Runde erneut zusammenkommen, um Lauterbachs Kehrtwende abzusegnen. Na, die Freude bei dieser Versammlung wird schier grenzenlos sein.

Oder steckt hinter dem Erst-Gedanken etwas ganz anderes? Nämlich die Absicht, die Bevölkerung jetzt flugs zu durchseuchen, damit dann endlich alles vorbei ist?


Wer diese Strategie verfolgt, sollte unbedingt bereits gemachte Erfahrungen besonders Leidgeplagter einbeziehen: Das Phänomen „Long-Covid“ mit teilweise verheerenden  Erscheinungen wie langfristige Konzentrations- und Leistungseinschränkungen wird uns nach Berichten von Medizinern und Reha-Experten noch deutlich intensiver  beschäftigen als uns lieb ist. Die Kosten für die langwierigen Behandlungen sollte man ebenfalls im Blick behalten. Außerdem: Das Robert-Koch-Institut liefert uns täglich wahre Horror-Zahlen von Menschen, die an und mit Covid gestorben sind. Täglich mehrere hundert Menschen. Am Mittwoch, 6. April, waren es 340! 

Welche Betroffenheits-Adressen gibt’s stets zu hören und zu lesen, wenn ein Flugzeug abgestürzt ist. Da sind 250 Tote - besonders, wenn Deutsche darunter sind - erschreckend viele. Auf die Corona-Todes-Zahlen gibt’s kaum noch Reaktionen. Dabei entsprechen diese täglich einem Flugzeug und mehr. Oder stimmt die Zuordnung „an und mit Corona“ nicht? Dann sollte Herr Lauterbach dies fix mal erhellen. 


Also, Ampel-Koalitionäre: Wenn Sie auf die Durchseuchung setzen, dann sagen Sie es endlich offen. Dann muss der Bund aber auch für die Folgekosten der Long-Covid-Schäden einstehen. Außerdem sollte dann allen Bürgerinnen und Bürgern auch reiner Wein eingeschenkt werden: Selbst wer mehrfach geimpft und danach trotzdem Corona bekommen hat - auch diese Menschen können sich Corona noch einmal einfangen. 

Was also spricht dagegen, weiterhin eine Maske aufzusetzen? Diese kann einen selbst und den Gegenüber schützen. Wo ist da das Problem

Übrigens: Wer sich weder durch Impfen nicht durchs Tragen von Masken schützen kann, sind alle Kleinkinder. An die darf sehr gerne auch gedacht werden, wenn es um Schutz von Mitmenschen geht.


Der Gedanke, die Bürger müssten wieder mehr Eigenverantwortung übernehmen, ist wie gesagt im Kern richtig. Aber im Fall von Corona kann man die Ergebnisse der „neuen Freiheit“ täglich studieren. Beispiel gefällig? Bis vor wenigen Tagen betraten maximal 2 Personen, mit Maske, die kleine Bäckerei um  die Ecke. Kaum ist die Maskenpflicht entfallen stehen gleich  mehrere Menschen in dem engen Raum - zunehmend ohne Masken. „Brauchen wir ja nicht mehr.“ Viele Menschen sind leider nur auf dem Weg von Verordnungen zu sinnvollem Tun für die Gemeinschaft zu bewegen. Schade, ist aber so. 


Auf Eigenverantwortung und sinnvolles Handeln setzt die FDP - unter anderem - auch beim Thema Tempolimit. Man muss doch  bloß auf der Autobahn „gehen“, um zu sehen, wie irrsinnig einige immer noch herumkajolen. In allen anderen Ländern gibt es Tempolimits. Nur wir Germanen brauchen das nicht? Gibt’s dafür irgendeine sinnvolle Erklärung? Sind wir genetisch weiter- und rückentwickelt? Bei halbwegs gleichem Tempo fährt es sich entspannter, entstehen weniger Schrecksekunden durch von hinten heranrasende „Tiefflieger“, wird deutlich weniger Bremsstaub emittiert. Sobald das autonome Fahren eingeführt wird, wird’s eh eine Max-Geschwindigkeit geben.  


Außerdem: Alle reden vom Energiesparen, um von dem Russen-Öl und -Gas unabhängig zu werden. Beim Autofahren spielt der Energieverbrauch aber keine Rolle? Obwohl jeder den Zusammenhang zwischen Tempo und Spritverbrauch kennt.

Sozialdemokraten und Grüne, welche Angst treibt Sie um, dass Sie der FDP auf den beiden Feldern Corona und Tempolimit stets und offenbar weiterhin ergeben sind?

Nur mal so zur Erinnerung: Bei der vorigen Bundestagswahl erzielten die SPD 25,7 Prozent, die Grünen 14,8 Prozent, die FDP 11,5 Prozent. Und trotzdem darf der Schwanz mit dem Hund wedeln?  


Auch wenn einige Leser und Leserinnen mich jetzt möglicherweise verdammen mögen - bleiben Sie munter!


Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller



















Aulepp: Bitte Reset-Taste für Bildung drücken / Lencke Wischhusen kurz vor der Heiligsprechung  (5. 4. '22)

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In Bremen kräht schon - eine Woche nach Bekanntwerden - kein Hahn mehr danach. Fakt ist, liebe Leserinnen und Leser, dass Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD) vor einem riesigen Scherbenhaufen steht. Da helfen auch die Osterferien nix. Aber auch gar nix

Vorige Woche fielen die Ergebnisse des sogenannten Lale-Schülertests wie Eisregen auf Bremen hernieder.

„Lale“ - Lernausgangslagen-Erhebung - förderte zu Tage: Drei Viertel der Fünfklässler in Problem-Stadtteilen haben große Schwierigkeiten beim Lesen eines Textes und können den Text nicht als Ganzes verstehen. Und Mathe? - katastrophal: 81 Prozent erreichen nicht den „Regel-Standard“.


Es ist zum Verzweifeln, oder wie die Bremer gerne sagen: zum Mäuse melken. Bremer Bildungssenatoren und Senatorinnen mühen sich nach Kräften ab, damit der Zwei-Städte-Staat endlich die rote Laterne bei Bildungs-Tests abgibt. Sozialdemokraten, die unter dem legendären Willy Brandt den zweiten Bildungsweg erfanden, um auch Arbeiterkindern die Chance zum Studium und damit zum gesellschaftlichen Aufstieg zu ermöglichen. Ausgerechnet jene Sozialdemokraten sind in Bremen seit über 70 Jahren für die inzwischen katastrophalen Ergebnisse an bremischen Schulen politisch verantwortlich.


Wenn in der Computerwelt nix mehr geht, drückt man die Reset- oder Neustart-Taste. Vorschlag: Lasst nach den Osterferien die unzähligen Menschen der Bildungsbehörde für ein halbes Jahr zu  Hause. Nur die notwendigsten kommen in die Behörde; Personaler, Rechnungswesen usw. Aber niemand, der sich im Unterrichtsinhalte kümmert.


Und die Senatorin soll - vorsichtshalber - auch nix machen. Die wird stattdessen zu einem Power-Lehrgang geschickt. Thema: „Wie finde ich passendes Führungspersonal?“ Dieses Trauerspiel um Aussuchen, Anheuern und nach vier Wochen wieder Rauswerfen einer Staatsrätin ist an Peinlichkeit kaum zu überbieten. Die Begründung, man habe unterschiedliche Auffassung von der Entwicklung und Führung der Groß-Behörde gehabt, klingt lächerlich.


Ich erinnere mich noch an meine aktive Zeit. Da hat man vor einer Stellenbesetzung Auswahlkriterien aufgestellt. Wenn man meinte, den oder die Richtige gefunden zu haben, hat man sich im persönlichen Gespräch „beschnuppert“ - falls man diesen Begriff noch verwenden darf.


Im vorliegenden Fall der Besetzung der obersten Verwaltungsstelle bei Bildung vier Wochen nach Anstellung zu merken, dass man nicht zueinander passt, spricht - ich sag’s mal ganz vorsichtig - nicht für Führungskompetenz. Also, Verantwortliche der Landesregierung: Denken Sie mal drüber nach, die Lehrerinnen und Lehrer nach den Ferien sechs Monate einfach machen zu lassen… Wer weiß, vielleicht löst dies einen Motivationsschub aus, die Lehrerinnen und Lehrer legen sich - auf andere Art als sonst - ins Zeug…. 

Und würde alles so bleiben wie bisher, könnte man zumindest den Schluss daraus ziehen: Dieser Riesen-Apparat, der Inhalte vorgibt, kontrolliert usw. ist überflüssig. Vielleicht sollte die Behördenspitze einfach nur Ziele vorgeben - und die Paukerschaft einfach machen lassen.


Liebe Leserinnen und Leser, Sie finden das spinnert? Mag sein, aber noch mal Jahrzehnte weitermachen wie bisher, wird das bremische Schulwesen auch nicht voranbringen. Leider.


Apropos voranbringen. Lencke Wischhusen, aktuell noch Fraktionsvorsitzende der FDP in der Bremischen Bürgerschaft,  scheidet zur nächsten Wahl im Mai 2023 aus der Politik aus. Sie darf sich zugute halten, die FDP 2015 in die Bürgerschaft zurückgeführt zu haben. Das ist so. Punkt. Die damalige Werbekampagne, erstmals mit der dominierenden Farbe Margenta“, war exzellent. Die junge Frau, Jüngeren aus der beliebten TV-Show „Höhle der Löwen“ bekannt, stand für eine junge und frisch auftretende FDP. Von Bremer Politik hatte sie zu diesem Zeitpunkt - Achtung: Ich bin kein Chauvi! - nahe null Ahnung. Der alte liberale Haudegen Horst-Jürgen Lahmann und weitere erfahrene Menschen mussten sie seinerzeit mit Details bremischer Themen bekannt und vertraut machen. Wischhusen nahm die neue Rolle als Fraktionsvorsitzende (logische Folge ihrer Spitzenkandidatur) ziemlich locker. 2019 schaffte die FDP mit ihr erneut den Sprung in die Bürgerschaft. Super Erfolg! Dass sie dann als neuer Bremer Stern in den FDP-Bundesvorstand gewählt wurde, grenzte an ein Wunder. Die damaligen drei liberalen Top-Frauen ließen sich medial hervorragend vermarkten: Katja Suding, Nicola Beer und Lencke Wischhusen (damals Steiner). Die „Gala“ betextete ein Foto mit der legendären Zeile „Drei Engel für die FDP“.

Doch all dies änderte wenig an Wischhusen Engagement für Politik. Gestern erklärte sie nun, sie wolle wieder Unternehmerin werden. Schaun mer mal.


Dass die Grünen nach der Bürgerschaftswahl 2019 keinen Bock auf „Jamaika“ mit CDU und FDP hatten, lag auch an Lencke Wischhusen, die seit gestern bei einigen Liberalen und wohlmeinenden Journalisten kurz vor der Heiligsprechung steht. Sie hatte vor der Wahl kundgetan, viele „migrantische Jungs“, gerade im Bremer Westen, fänden es super cool, wenn sie bei ihrem stramm-motorisierten BMW den Motor röhren lasse. Ein Auto müsse auf jeden Fall „richtig Bums“ haben. Bei den linksorientierten Bremer Ökos ein no-go.


Neuer starker Mann der FDP wird nach meiner Einschätzung Thore Schäck, Senkrechtstarter der Bremer FDP. Gerade mal 37 Jahre alt, vom Vorsitz der Julis vor zwei Jahren an die Landesspitze der FDP gesprungen. Politiker-schlau hat er sich in der Bürgerschaftsfraktion die Zuständigkeit für Finanzen, Verkehr und Bau gesichert. Wischhusen konnte sein Drängen an die Spitze nicht übersehen und zog jetzt die Konsequenzen.

Schäck ist ein kluger Kopf. Menschen für die liberale Ideen mitzureißen - muss er vermutlich erst noch lernen.


Munter bleiben!

Ihr as

Axel Schuller 

Senatorin Dr. Maike Schaefer - sie ist nicht bösartig, aber völlig ungeeignet, die Behörde zu leiten  (3. 4. '22)

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Wow, was pfiffige (Rechts-)Berater doch immer wieder hinkriegen: Mobilitätssenatorin Dr. Maike Schaefer (Grüne) hat jetzt pflichtschuldigst einen möglichen Fehler bei ihrem Aufruf, Ihre Behördenmitarbeiter und Mitarbeiterinnen mögen doch an der Klima-Demo von Fridays-for-Future teilnehmen, eingeräumt. Sie hätte, so ließ sie erklären, „präziser zum Ausdruck bringen müssen“, dass Ihr Behördenpersonal beim Verlassen und nach Rückkehr ins Amt sich hätten aus- und einstempeln müssen.  

Schaefers Sprecher erklärte, „den Mitarbeitenden“ sei „die Teilnahme an der Demonstration während der Dienstzeit als Pausenzeit von 10 bis 12 Uhr zur Entscheidung überlassen worden“.


Aha, es gibt also in der Umweltbehörde eine „Pausenzeit von 10 bis 12 Uhr“. Offiziell gehört dieser Zeitraum im öffentlichen Dienst zur „Kernarbeitszeit“


Weser-Kurier und Bild hatten noch am Freitag aus einer Mail der Senatorin zitiert: „Deshalb überlasse ich Ihnen die Entscheidung, an der Demonstration während der Dienstzeit von 10 bis 12 Uhr unter Sicherstellung der Aufrechterhaltung des Dienstbetriebs mitzuwirken.“ Dies war eindeutig der Beleg, dass Schaefer offenbar nicht einen Gedanken ans Aus- oder Einstempeln verschwendet hatte. 



Schaefers entschuldigende Erklärung, sie hätte „sich präziser“ äußern müssen, riecht so was von streng nach Beratung durch Verwaltungs- und/oder Rechtsberatern, dass mir ganz schwindelig wird. Einzige Erklärung: Der Staatsanwalt ist ihr auf den Fersen. Immerhin. 

Machen Sie sich jetzt aber nicht zu große Hoffnungen. Denn, schon das Internet weiß: „Anders als Richter, die bei ihrer Amtsführung nicht an Weisungen von Vorgesetzten gebunden sind, unterstehen Staatsanwälte in Deutschland der Behörden- und Ministerialhierarchie. Damit sind sie an die Weisungen ihrer jeweiligen Vorgesetzten gebunden.“ Vorgesetzte der Bremer Staatsanwaltschaft ist die Generalstaatsanwältin. Deren Chefin ist Schaefers Senats-Kollegin Dr. Claudia Schilling (SPD). 

Wobei ich nicht glauben mag, dass Schilling so töricht sein könnte, direkt einzugreifen. 

Außerdem: Schaefers Berater haben mit der Erklärung der Ressortchefin, sie habe sich leider unpräzise ausgedrückt, die Basis für einen „Freispruch“ zweiter Klasse gelegt: Veruntreuung von Steuergeldern (Aufruf zur bezahlten Demo-Zeit) kann rechtlich nur geahndet werden, wenn dem Verursacher - Schaefer - Vorsatz nachgewiesen werden kann. Fahrlässigkeit wird nicht ausreichen.


Weitere Gründe für meine Skepsis dem Schaefer-Verfahren gegenüber, liebe Leserinnen und Leser, werde ich Ihnen gerne weiter unten noch kurz erläutern. Ich hoffe, Sie bringen so viel Ausdauer auf. Aber: Ihre Heimatzeitung hat Sie am heutigen Sonntag mit püppigen 24 Seiten ja noch nicht überfordert, oder?


Bleiben wir in Bremen. Die Mobilitätssenatorin will laut Analyse des Weser-Kurier eigentlich das Beste, habe aber das Problem, „mit dem Kopf durch die Wand“ zu wollen. 

Ich glaube, es ist viel schlimmer: Die Senatorin entscheidet häufig einfach  aus dem Bauch heraus. Fakten spielen nicht immer ne Rolle. Sie denkt so bei sich: FFF-Demo ist doch total gut und total richtig, ich bin Behördenchefin, dann mach ich mal.


Dass ihr als politischer Leiterin des Großressorts für Stadtentwicklung, Umwelt- und Klimaschutz sowie für Mobilität staatliche Macht anvertraut ist, dass ihre Mitarbeiterinnen - insbesondere Beamte - klar definierte Neutralitätspflichten haben, dass die Senatorin kein Recht hat, Mitarbeiter zu ner Demo zu schicken - das alles findet nach meiner Einschätzung in Frau Schaefers Kopf einfach nicht statt. Und noch ein Aspekt: Fordert ein Chef seine Untergebenen auf, zu einer Demo zu gehen, und manch einer tut’s (aus den unterschiedlichsten Gründen) nicht, der erzeugt bei den in der Behörde Zurückgebliebenen den Eindruck, aus Sicht der Chefin ab sofort zu den „Falschen“ zu gehören. Verheerend! 

Liebe Leserinnen und Leser, ich kann es nicht anders formulieren: Dr. Maike Schaefer ist nicht fähig, eine Behörde zu leiten. Bei ihr herrscht eine bodenlose Verwaltungs- und Führungs-Unkenntnis vor.

Selbst, wenn sie sich jetzt noch einmal herauswinden sollte, prophezeie ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser: Die Grünen werden mit ihrer Spitzenkandidatin noch viel Spaß/Verdruss haben… Manch eine/r Grüne wird heimlich der früheren Grünen Profi-Frau namens Karoline Linnert eine Träne nachweinen.

Und der Senat? Er sollte bedenken, dass er in seiner Gesamtheit durch Frau Schaefer belastet wird.


So, jetzt noch fix nach Berlin und Rheinland-Pfalz. Zu: Annalena Baerbock und Robert Habeck, die ihre Jobs aktuell deutlich besser machen, als ihre Vorgänger, und durch den Russen-Krieg enorm gefordert sind. Die gewährten sich - noch als Grüne  Parteichefs - Corona-Prämien - und zahlten sie erst nach öffentlicher Empörung flugs zurück. Die Staatsanwaltschaft Berlin stellte nun die Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue ein.


Rheinland-Pfalz: Gegen die amtierende Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne) - zuvor Umweltministerin in Rheinland-Pfalz - nahm die Staatsanwaltschaft Koblenz gar nicht erst Vorermittlungen auf. Dabei waren in den Fluten des Ahrtales 134 Menschen jämmerlich ertrunken. Spiegels Ministerium hatte am 14. Juli 2021 zu Beginn der Flut eine Presseerklärung herausgegeben, worin es hieß, es sei kein Extrem-Hochwasser zu erwarten. Frau Spiegel traf sich dann zu einem Dinner, war den ganzen Abend nicht einmal für ihren Staatssekretär zu erreichen.

Ich empfehle dringend, zu diesem Fall Jan Fleischhauers „Schwarzen Kanal“ im Netz nachzulesen. 


Und die Koblenzer Staatsanwaltschaft? Die leitete grundsätzlich keine Ermittlungen gegen Mitglieder der rheinland-pfälzischen Landesregierung ein, weil die Ministerinnen und Minister ja nix Konkretes über die heranrollende Flut gewusst hätten. Im aktuell tagenden Untersuchungsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtages kam man zu anderen Befunden.



Was soll man da noch sagen? Nicht verzagen, munter bleiben!


Herzlichst

Ihr as

Axel Schuller 




Mobilitätssenatorin treibt es auf die Spitze / Welche Rolle spielt der Abgeordnete Ralph Saxe? (31. 3. '22)

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Jetz is aba ma genuch. Verzeihen Sie, liebe Leserinnen und Leser, angesichts der Fakten, Merkwürdigkeiten und am Ende, ja: des Skandals, bin ich versehentlich in den Slang abgerutscht. Auf Hessisch könnt isch auch sache: Es will mir net in Kopp enei, wie kann die Frau noch Senatorin sei?

Sie ahnen meine Nöte, oder? Diese Mobilitätssenatorin kann einen wirklich zum Wahnsinn treiben.

Zur besseren Übersicht

Das Grüne Regierungsmitglied hat jüngst ihre „Mitarbeitenden“  aufgefordert, an der Fridays-for-future-Demo teilzunehmen. In Ihrer Mail an die Angestellten und Beamten des Ressorts schrieb sie: „Deshalb überlasse ich Ihnen die Entscheidung, an der Demonstration während der Dienstzeit von 10 bis 12 Uhr unter Sicherstellung der Aufrechterhaltung des Dienstbetriebs mitzuwirken.“ (Quelle: Weser-Kurier, Bild). 

Im buten un binnen-Interview ging die Senatorin (möglicherweise trotz mehrmaliger Fragen) nicht auf die umstrittene Äußerung („während der Dienstzeit“) ein, sondern gab lieber zu Protokoll, Klima und Frieden seien doch Ziele, hinter denen sich alle versammeln könnten.

Ich will hier nicht den Besserwisser geben, aber zwei kurze Anmerkungen: 1. Die Beamten unter den demonstrierenden Behördenmenschen hätten dies schon aus Gründen des Beamtenrechts nicht tun dürfen. Beamte sind während der Dienstzeit strikt zur Neutralität verpflichtet. Deshalb demonstriert der gute Beamte eben auch in seiner Freizeit.

2. „Mitarbeitende“ ist im Deutschen das Partizip I des Verbes „mitarbeiten“. Auch die substantivierte Form des Partizip I drückt eine aktive Handlung aus. Beim Besuch der Demo haben die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Senatorin nachweislich nicht gearbeitet...

Sorry, liebe Leserinnen und Leser, dieser kurze Ausflug in die deutsche Sprache  musste jetzt mal sein. Ich sag bloß noch: "Studierende"... Also, vielleicht haben Sie ja recht: Der Herr Blogger ist eben doch ein mauliger Klugscheißer. Darum soll’s jetzt aber - bitte - nicht gehen.


Sondern um die Grüne Dame. Also, die ruft - aus meiner Sicht - widerrechtlich zur Demo-Teilnahme während der - übrigens von uns Steuerzahlern bezahlten  - Arbeitszeit auf. Ganz so, als sei der Staat bereits in ihren Besitz übergegangen. CDU und FDP haben endlich die Fährte aufgenommen. Nach meinem Rechtsempfinden tut der Staatsanwalt gut daran, (wie gestern Abend mitgeteilt)  Vorermittlungen aufzunehmen. Nach dem Motto: Ist das schon  „Veruntreuung“ von Steuergeldern, oder noch Politik?

Übrigens: Herr Bürgermeister Dr. Bovenschulte, darf in diesem Senat gegebenenfalls jeder Narrentanz aufgeführt werden?


Tschuldigung, ich schweife vom Kerbholz ab. Auf diesem hat diese Mobilitätssenatorin noch so manch anderes zu bieten.

Beglückungs-Momente auf der Martinistraße beispielsweise.

Achtung, bleiben Sie am Ball, selbst wenn Sie jetzt denken sollten: Och, das ist doch kalter Kaffee von anno Tobak. Falsch. Ich sage Ihnen hiermit voraus: Da könnten sich einige noch ganz fies die Finger dran verbrennen. Auch wenn Bremer bekanntlich über einen Langmut verfügen, der schier bis nach Meppen reicht.


Die Firma Sternkultur hat bekanntlich den Auftrag von der Mobilitätsbehörde erhalten, die Kinkerlitzchen auf der Martinistraße (Hochstände, Surf-Anlage, Malereien) zu veranstalten. Dieselbe Agentur führt gerade selbst die Umfrage zum "Erfolg" der Aktionen durch. Auch diese möglicherweise zielgerichtete Befragung reicht für viele Bremer offenbar nicht, besagte Senatorin zu verwünschen.<